Der Sonnenwagen von Trundholm, dänisch Solvognen, ist eine Skulptur aus der älteren Nordischen Bronzezeit (um 1400 v. Chr.) Nordeuropas.
Das Original gehört zum Bestand des Dänischen Nationalmuseums in Kopenhagen.
Das Motiv des Sonnenwagens ist auch aus der griechisch/römischen, der chinesischen und der keltischen Mythologie bekannt.

Zeichnung: H. Müller-Karpe, Handbuch der Vorgeschichte IV (München 1980).
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Die Mitglieder des DVA

 

AGCA - AG Christliche Archäologie zur Erforschung spätantiker, frühmittelalterlicher und byzantinischer Kultur

Arbeitsgemeinschaft Christliche Archäologie zur Erforschung spätantiker, frühmittelalterlicher und byzantinischer Kultur

von S. Westphalen

Die Christliche Archäologie gehört mit ihren Anfängen im Humanismus und in den konfessionellen Auseinandersetzungen von Reformation und Gegenreformation zu den ältesten archäologischen Disziplinen. Durch z.T. heftig geführte Debatten – wie der Orient- oder Rom-Frage – hatte sie sich schrittweise als eigenständiges akademisches Fach etabliert, das in der Regel als Teil der Kirchengeschichte an den theologischen Fakultäten angesiedelt war. Das ursprünglich auf den lateinischen Westen ausgerichtete Fach erweiterte sich um die Erforschung des byzantinischen Kulturkreises im Osten. Als die Arbeitsgemeinschaft 1981 mit dem Anspruch gegründet wurde, die wissenschaftliche Forschung zu den Denkmälern aus der Zeit der Spätantike, des Frühmittelalters sowie der byzantinischen Herrschaft zu fördern, hatte sich die Christliche Archäologie im deutschsprachigen Bereich von ihren konfessionellen Bindungen bereits weitestgehend gelöst.

Ausgehend von der Erforschung der Christianisierung des Römischen Reichs werden alle Bereiche der spätantiken Kultur einschließlich der profanen und der nicht-christlichen religiösen Monumente berücksichtigt. Der geographische Rahmen ist durch das römische Reich und seine Nachbargebiete vorgegeben. Chronologische Grenzen werden mit fließenden Übergängen durch die arabischen Erfolge im 7./8. Jahrhundert und im Westen spätestens mit dem Beginn der Romanik im 10. Jahrhundert gesetzt. Für den oströmischen Bereich wird der Untersuchungszeitraum mit einem weiteren Schwerpunkt auf der byzantinischen Kunst- und Kulturgeschichte bis zum Fall Konstantinopels 1453 fortgeschrieben.

Mit ihrem umfassenden Anspruch besitzt die Arbeitsgemeinschaft das Potential, sowohl zwischen Forschungen aus den Bereichen von Antike und Mittelalter als auch zwischen denen aus lateinischem Westen und griechischem Osten zu vermitteln. Dementsprechend bestehen vielfältige Anknüpfungspunkte zu Nachbardisziplinen wie der Klassischen und Provinzialrömischen Archäologie, der Ur- und Frühgeschichte, der Europäischen und Islamischen Kunstgeschichte, der Theologie und Kirchengeschichte und der Byzantinistik.

Die Arbeitsgemeinschaft versteht sich auch als Fachverband der institutionell an deutschen Universitäten und Museen mit einschlägigen Sammlungsschwerpunkten vertretenen Disziplin. Als ‚Christliche bzw. Byzantinische Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte‘ wird das Fach derzeit an neun Standorten gelehrt und ist in der Regel in Fachverbünden mit Archäologie oder Kunstgeschichte in den Philosophischen Fakultäten verankert. Die Christliche Archäologie besitzt außerdem eine Vertretung in der Zentraldirektion des Deutschen Archäologischen Instituts.

Zu einer Tagung der Arbeitsgemeinschaft mit umfangreichem Vortragsprogramm und Mitgliederversammlung wird in einem zweijährigen Rhythmus eingeladen. Jährlich erscheint ein Mitteilungsheft, um die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft über Tagungen, Ausstellungen, Lehre und Forschungen zu der Kultur der Spätantike, des Frühmittelalters und des Byzantinischen Reiches auf dem Laufenden zu halten.

Mit der ‚Freiburger Erklärung‘ von 2012 haben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft eine Selbstverpflichtung im Umgang mit illegal beschafften archäologischen Objekten verabschiedet.

Mitglied kann jede Person werden, die der deutschen Sprache mächtig ist und sich wissenschaftlich mit den Denkmälern des spätantiken, frühmittelalterlichen und/oder byzantinischen Kulturkreises beschäftigt.

Kontakt: http://www.agca.de

AK-NDS - Archäologische Kommission für Niedersachsen e.V.

von R. Bärenfänger

Die Archäologische Kommission für Niedersachsen e.V. ist der Zusammenschluss der niedersächsischen Archäologen/innen und Nachbarwissenschaftler/innen. Sie versteht sich als Fachverband, der die Archäologie in Niedersachsen stärken und fortentwickeln will. Die Kommission ist als gemeinnützig anerkannt.

Niedersachsen besitzt hinsichtlich archäologischer Denkmalpflege, Forschung und musealer Präsentation eine der vielschichtigsten Organisationsstrukturen, die es in Deutschland gibt. Ursache dafür sind auch die regionalen Eigenheiten, die nach der Bildung des Landes erhalten blieben und verfassungsmäßig festgeschrieben worden sind. Dies mag gegenüber anderen Bundesländern als Defizit empfunden werden, ist jedoch hier geübte Praxis und Chance für die Zukunft: Zur Bündelung der wenigen damals im Lande tätigen Fachkräfte diente seit 1960 die „Arbeitsgemeinschaft der Ur- und Frühgeschichtsforscher in Niedersachsen“. Aus ihr ging 1970 die Archäologische Kommission als Koordinierungsinstrument hervor.

AK-NDSUnter dem Dach der Kommission werden seither für das Fach in engeren als auch für die Landesgeschichte im weiteren Sinne wichtige Fragen erörtert und in Abstimmung mit den verschiedenen Institutionen Fortschritte in der Forschung und der Öffentlichkeitsarbeit erreicht. Die Kommission ist von Beginn an als demokratische Organisation etabliert worden, die Berufsverband und fachwissenschaftliche Vereinigung zugleich sein soll. Sie berät das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und veröffentlicht archäologische Arbeitsergebnisse.

Die Kommission will die Förderung der archäologischen Landesforschung besonders dort voranbringen, wo Vorhaben über die Kraft eines einzelnen Wissenschaftlers oder den Arbeitsbereich einzelner Institute hinausgehen. Dafür betreibt sie die Koordinierung von Forschungsvorhaben und die fachliche Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Außerdem stellt sie ausreichende Publikationsmöglichkeiten zur Verfügung. Sie ist in Kooperation z.B. mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege Herausgeberin der maßgeblichen archäologischen Fachzeitschriften in Niedersachsen. Im weiteren hält die Archäologische Kommission ihre jährlichen Tagungen an stets wechselnden Orten in Niedersachsen ab, um den fachlichen Austausch zu fördern. Im Rahmen der Tagung werden themen- oder regionalbezogene Vorträge gehalten und es wird eine Exkursion durchgeführt. Außerdem findet die Mitgliederversammlung statt.

AK-NDS_Abb2Die Archäologische Kommission ist eine wissenschaftliche Vereinigung, in der die Mitgliederversammlung nach Ablauf von vier Jahren einen Vorstand mit Vorsitzendem, stellvertretendem Vorsitzenden, Schatzmeister und Schriftführer wählt. Sie wählt außerdem die frei zu bestimmenden Mitglieder des Hauptausschusses, der sich ansonsten aus den Vertretern der maßgeblich in Niedersachsen agieren Institutionen zusammensetzt. Der regelmäßig tagende Hauptausschuss berät die aktuellen Fragen und Probleme und bereitet mit dem Vorstand die Beschlüsse der Mitgliederversammlung von. Für besondere Aufgaben können Unterausschüsse gebildet werden.

Nach der Satzung können im Lande tätige Archäologen/innen durch Erklärung Mitglied der Kommission werden. Auswärtige Kollegen sowie Nachbarwissenschaftler, die aufgrund ihrer besonderen Verdienste der niedersächsischen Archäologie eng verbunden sind, können zugewählte werden. Über die Anträge entscheidet die Mitgliederversammlung. Von Beginn an hat das Land Niedersachsen durch sein Ministerium für Wissenschaft und Kultur die Aktivitäten der Kommission durch einen namhaften jährlichen Beitrag unterstützt, um vor allem die Reihen Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte und Archäologie in Niedersachsen kontinuierlich zu veröffentlichen. Auch die in Kooperation mit anderen Institutionen herausgebrachten Schriften werden in der Regel maßgeblich unterstützt (Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte Niedersachsens, Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, Neue Ausgrabungen und Forschungen in Niedersachsen). Dabei helfen auch fördernde Mitglieder, die stimmberechtigt an der Mitgliederversammlung teilnehmen und über einen von ihnen gewählten Sprecher einen Sitz im Hauptausschuss haben. Für den derzeit geltenden Jahresmindestbeitrag von 150 € erhalten die fördernden Mitglieder die Publikationen der Archäologischen Kommission, eine willkommene Gabe, mit der sich Bibliotheken von Landkreisen, Städten, Landschaftsverbänden, Vereinen u.a.m. kostengünstig die Fortsetzung der von ihnen geführten Reihen sichern. Der Jahresbericht von den Aktivitäten der Kommission erscheint regelmäßig in den Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte. Aktuelle Informationen wie Programme der Tagungen oder Inhaltsverzeichnisse der Schriftenreihen hält die Webseite www.ak-niedersachsen.de bereit.

Vorsitzender der Kommission ist seit dem Jahr 2000 Dr. Rolf Bärenfänger, Ostfriesische Landschaft, Postfach 1580, 26585 Aurich.

DArV - Deutscher Archäologenverband e.V.

Der Deutsche Archäologen-Verband – Ein Berufsverband für alle Archäologien

von Martina Seifert und Agnes Henning

Als sich am 1. Februar 1970 eine kleine Gruppe von Archäologinnen und Archäologen in Bonn trafen, um einen Berufsverband zu gründen, ahnte noch niemand, dass der Deutsche Archäologen-Verband (DArV) im Jahr 2012 über 1100 Mitglieder zählen würde. Mittlerweile kann der DArV auf eine beachtliche Vereinsgeschichte von 42 Jahren mit 16 Vorsitzenden zurückblicken. Der DArV ist ein Berufsverband der deutschen und an deutschen Einrichtungen tätigen Archäologinnen und Archäologen. Seine Mitglieder kommen aus vielen verschiedenen Disziplinen, um möglichst alle Fächer zu vertreten. Dazu gehören beispielsweise die Antike Bauforschung, die Ägyptologie, die Biblische Archäologie, die Christliche Archäologie, die Klassische Archäologie, die Mittelalterliche Archäologie, die Provinzialrömische Archäologie, die Vor- und Frühgeschichte und die Vorderasiatische Archäologie. Der Verband vertritt die Interessen der Beschäftigten an ganz unterschiedlichen Institutionen, egal, ob sie an Denkmalämtern, Forschungseinrichtungen, Museen und Universitäten oder als freiberufliche Archäologinnen und Archäologen arbeiten. Mitglieder des DArV sind deutsche Archäologinnen und Archäologen mit einem Hochschulexamen in den archäologischen Wissenschaften sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die an deutschen Einrichtungen im In- und Ausland oder in anderen Berufsfeldern archäologisch tätig sind, sowie Studierende der archäologischen Disziplinen. Darüber hinaus gehören auch ausländische Archäologinnen und Archäologen zu den Mitgliedern.

Der DArV verschafft sich Gehör

Die archäologischen Fächer und Arbeitsgebiete sind seit Bestehen des Verbandes permanent gefährdet. Der DArV hat sich jedoch bereits vielfach mit Erfolg für die Belange der Archäologie eingesetzt – auf nationaler und internationaler Ebene. So engagiert er sich für den Erhalt und die angemessene Präsentation archäologischer Kulturgüter. Dies geht oft einher mit der Schaffung und Bewahrung der dazu erforderlichen Arbeits- und Ausbildungsbedingungen. Gerade hier sieht der DArV als Berufsverband eines seiner Hauptbetätigungsfelder. Dazu ist es auch notwendig, sich in kultur- und bildungspolitische Diskussionen einzubringen und die verantwortlichen Politiker auf Missstände und Probleme anzusprechen, und dies nicht nur in Deutschland, sondern im internationalen Umfeld. Somit engagiert sich der DArV sowohl in der Berufs- und Sozialpolitik, als auch in der Wissenschafts- und Bildungspolitik und stärkt gleichzeitig den Stand der archäologischen Disziplinen in der Öffentlichkeit.

Jedes Jahr ein aktuelles Thema

Einmal im Jahr kommen die Mitglieder des Verbandes an unterschiedlichen Orten Deutschlands zu einer Versammlung zusammen. Bei diesen Veranstaltungen werden neben verbandsspezifischen Anliegen aktuelle und brisante Themen der deutschen Kultur- und Bildungslandschaft diskutiert. Diese reichen von der immer wieder notwendigen Definition des Faches und seiner Zukunft über die Diskussion von Stellenformaten bis zu neuen Forschungstendenzen. Auch die einzelnen Arbeitsgebiete wie Museen und Universitäten analysieren ihre spezifischen Thematiken wie beispielsweise den zeitgemäße Umgang mit Exponaten oder die jüngsten Studiengangreformen. Alle zwei Jahre werden die Gremien von Vorstand und Hauptausschuss sowie die oder der Vorsitzende im Rahmen einer Mitgliederversammlung während der Jahrestagung neu gewählt.

Der DArV bietet umfangreichen Service

Mehrfach im Jahr publiziert der DArV ein Mitteilungsheft, das an seine Mitglieder verschickt wird bzw. von den Mitgliedern online abgerufen werden kann. Hier sind die Ergebnisse und Vorträge der Jahrestagungen, aber auch Berichte zu brisanten Themen veröffentlicht. Einen besonders guten Überblick über die derzeitige Forschungslandschaft bieten die vom DArV erstellten Verzeichnisse zu den aktuellen Qualifikationsarbeiten an den Universitätsinstituten im deutschsprachigen Raum, das heißt also auch in Österreich und in der Schweiz, und zwar von den Master-/Magisterarbeiten bis zu den Habilitationen. Auf diese Weise sind Kolleginnen und Kollegen, die zu ähnlichen Schwerpunkten arbeiten, schnell gefunden; gleichzeitig dokumentiert die Zusammenstellung über die Jahre eindrucksvoll die jeweiligen Forschungstendenzen. Ein weiteres vom DArV erstelltes Verzeichnis zu den Lehrveranstaltungen an den deutschsprachigen Universitätsinstituten erleichtert nicht nur die Orientierung bei der Studienortwahl, sondern verschafft genauso einen Überblick über die momentanen Lehrinhalte. Ein Service, von dem alle profitieren, sind die Rundmails an die Mitglieder mit den aktuellen Stellenausschreibungen. Diese Verteilung von Informationen durch den DArV ist eine seit vielen Jahren konstante und geschätzte Leistung. Hier wird auch auf wissenschaftliche Veranstaltungen hingewiesen.

Der DArV hat erwirkt, dass seine Mitglieder in viele archäologische Museen in Deutschland ermäßigten oder sogar freien Eintritt erhalten. Die jeweils aktualisierte Liste ist online abrufbar.

Die Mitglieder arbeiten zusammen

Der Verband unterstützt seine Mitglieder, sich in Arbeitsgemeinschaften zu berufspolitischen, aber auch zu inhaltlichen Themen zu engagieren. In regelmäßigen Treffen können auf diese Weise bestimmte Fragen längerfristig verfolgt werden, als es im Rahmen der Jahrestagungen möglich ist. Derzeit sind die Arbeitsgemeinschaften „Studienreform“, „Antikenmuseen“, „Etrusker und Italiker“ sowie „Archäologie und Fotografie“ aktiv. Allen Mitgliedern steht es frei, sich an einer dieser AGs zu beteiligen oder eine neue Gruppe zu gründen.

Der DArV ist vernetzt, kooperiert und unterstützt

Der DArV ist Mitglied im Präsidium der deutschen Verbände für Archäologie und im Deutschen Verband für Archäologie (DVA). In beiden Gremien vertritt er seine spezifischen Interessen. Damit bringt er sich in aktuelle Diskussionen ein, die alle archäologischen Verbände Deutschlands betreffen, und hat Zugriff auf wichtige Informationen. Gleichzeitig ist der DArV auch an verschiedenen berufs- und kulturpolitischen Netzwerken beteiligt, so dass der Verband von zahlreichen Institutionen wahrgenommen wird und sich in grundlegende Entscheidungen einbringen kann.

Ein besonderes Anliegen des DArV ist seine Zusammenarbeit mit dem Dachverband archäologischer Studierendenvertretungen e. V. (DASV), um auf diese Weise dicht an den Studierenden zu sein und Einblick in die Ausbildungssituationen unseres wissenschaftlichen Nachwuchses zu erhalten. In der Vergangenheit hat der DArV eine Reihe von wissenschaftlichen Veranstaltungen finanziell gefördert, die sich vor allem berufspolitischen Themen gewidmet haben oder aber von Studierenden und Nachwuchswissenschaftlern veranstaltet wurden.

Der DArV arbeitet professionell

Auch wenn sich alle Mitglieder in den Gremien des DArV ehrenamtlich engagieren, so werden diese Arbeiten mittlerweile durch eine Geschäftsstelle unterstützt. Hier laufen alle Fäden zusammen, seien es die stätig neuen Anfragen nach Mitgliedschaft, die Bekanntmachung von Stellenausschreibungen, der Versand der Mitteilungshefte oder die Aktualisierung der Internetseiten. Darüber hinaus sind innerhalb der Gremien neben dem Vorsitz auch weitere Ämter und Zuständigkeiten vergeben, wie beispielsweise die Verwaltung der Finanzen sowie Ansprechpartner für studentische Belange und Fragen der Gleichstellung. Diese Personen stehen bei Bedarf direkt persönlich für ein Gespräch zur Verfügung.

Der DArV stärkt die Archäologien

Jedes Mitglied des DArV trägt dazu bei, dass die Interessen der archäologischen Disziplinen auch in Zukunft aktiv vertreten werden. Hier ist der Platz, Probleme aufzuzeigen und gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen orts- und fächerübergreifend Lösungen zu erarbeiten.

Alle Mitglieder können sich aktiv – in den Verbandsgremien oder in Arbeitsgruppen – an der Arbeit des DArV beteiligen. Studierende, Freiberufler, Angestellte und Lehrende begegnen sich auf diese Weise in einem Forum Gleichgesinnter und engagieren sich für eine starke Archäologie.

Kontakt:
Deutscher Archäologenverband e.V. (DArV)
Geschäftsstelle Dr. Ingrid Hitzl, Braustraße 11, D - 24113 Kiel 
Tel: 0431-70532228
Fax: 0431-70532229

Mail:
geschaeftsstelle@darv.de

Internet:
www.darv.de

DASV - Dachverband Archäologischer Studierendenvertretungen e.V.

von Jessica Bartz und Silke Krause

Motivation für die Gründung eines studentischen Vereins

Nicht selbstverständlich erscheint es, dass sich Studierende unterschiedlicher archäologischer Disziplinen zu einem Verein zusammenschließen, um sich gemeinsam für die Interessen aller archäologischen Institute und Studierenden einzusetzen. Doch die Umstellung des Studiensystems auf Bachelor und Master sowie die damit auftretenden Schwierigkeiten im deutschsprachigen Raum und die Befürchtung der massiven Streichung und Zusammenlegung einzelner, kleinerer Fächer schufen das dringende Bedürfnis auf Seiten der Studierenden verschiedener archäologischer Disziplinen, sich über die anfallenden Probleme auszutauschen.

Als wichtigste Aufgabe möchte der DASV e.V. das Mitspracherecht von Studierenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an den Hochschulen stärken, die wissenschaftliche Vielfalt der archäologischen Fächer erhalten und die individuellen Interessen der Studierenden in der Öffentlichkeit und der universitären Landschaft thematisieren.

Um eine geeignete Plattform für die angestrebten Diskussionen zu finden, gründeten nach einer ersten Bundesfachschaftentagung in Hamburg im Mai 2004 und einem weiteren Vorbereitungstreffen in Dransfeld bei Göttingen im Februar 2005 neunzehn Studierendenvertretungen aus Deutschland und Österreich den Dachverband Archäologischer Studierendenvertretungen e.V. (DASV) am 15. Mai 2005 in Berlin.

Struktur und Mitglieder des Vereins

Um den Verein zu verwalten, teilten sie das Vereinsgebiet in Deutschland in vier Regionalverbände ein: Nord (Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen), Ost (Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt), Süd (Bayern, Baden-Württemberg) und West (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) sowie den Landesverband Österreich. Seit dem Beitritt von schweizerischen Studierendenvertretungen ab dem Jahr 2009 gliedert sich der DASV e.V. geografisch in sechs Regional- bzw. Landesverbände. Jeder dieser Teilverbände kann ein Mitglied für den Vorstand sowie ein Mitglied für den Beirat stellen. Während im Vorstand jedes Amt (Vorsitzender, Schatzmeister und Schriftführer) nur einen Stellvertreter bekommen kann, ist es möglich, dass der Beiratsvertreter bis zu zwei Stellvertreter erhält. Der Vorstand übernimmt die verwaltenden und repräsentativen Aufgaben im Verein, der Beirat bildet, neben der Kontrolle des Vorstandes, die Verbindungsstelle zwischen den einzelnen Studierendenvertretungen im Regional- bzw. Landesverband und dem Vorstand. Kleinere, regionale Treffen pro Semester unterstützen die Kommunikation der Studierendenvertretungen in den einzelnen Regional- bzw. Landesverbänden untereinander. Vereinzelt können Delegierte mit spezifischen Aufgaben, wie z.B. der Betreuung und Durchführung eines Projektes oder mit der Mitarbeit in einem Partnerverband des DASV e.V., betraut werden. So schickt der DASV e.V. seit einigen Jahren Delegierte zur European Association of Archaeologists (EAA), weil eben auch ein kontinuierlicher Kontakt und Austausch mit anderen archäologisch orientierten Vereinen und Institutionen ein wichtiger Teil der Arbeit des DASV e.V. ist.

Aktuell sind im DASV e.V. 53 Studierendenvertretungen als ordentliche Mitglieder unterschiedlicher archäologischer Disziplinen vertreten. In der bisherigen Geschichte des Vereins gingen leider durch Institutsschließungen die Studierendenvertretung der Ur- und Frühgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin sowie die der Altertumswissenschaften und der Christlichen Archäologie der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald verloren. Neben diesen Verlusten gab es noch eine Reihe von Institutszusammenlegungen, die zu einer Vielzahl von gemischt-archäologischen Instituten und Studiengängen führten. Diese Prozesse verdeutlichen, wie gefährdet archäologische Disziplinen im universitären Alltag sind. Deshalb soll die Arbeit des DASV e.V. helfen, eben solche Vorgänge zu beobachten und, falls nötig, die betroffenen Institute tatkräftig zu unterstützen.

Neben einer ordentlichen Mitgliedschaft, die nur für Studierendenvertretungen möglich ist, können durch die Mitgliederversammlung einzelne Studierende, die lange Zeit besonders verdienstvolle Arbeit im Verein geleistet haben, zu außerordentlichen Mitgliedern ernannt werden. Auf diese Weise soll das Wissen und die weitere Arbeitskraft über die eigene aktive Zeit in der Studierendenvertretung an der Hochschule hinaus dem Verein erhalten bleiben. Da es sich bei dem DASV e.V. um einen ehrenamtlichen Verein handelt, unterstützen Fördermitglieder und Partnerverbände den Verein bei der finanziellen Umsetzung seiner Projekte.

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Der DASV e.V. setzt sich aus freiwilligen Studierenden zusammen. Die Aktivität der Mitglieder ist daher ganz unterschiedlich: Einige Studierendenvertretungen sind über die Jahre immer inaktiver geworden, während andere sich nur von Zeit zu Zeit rege am Vereinsgeschehen beteiligen. Manche Studierendenvertretungen, die lange Zeit aktiv das Vereinsgeschehen mitbestimmt haben, verschwinden wiederum ganz von den Veranstaltungen, die der DASV e.V. ausrichtet. Daher ist es ein weiteres Ziel des Vereins, nicht nur neue Mitglieder zu werben, sondern durch sinnvolle Veranstaltungen und gezielte Öffentlichkeitsarbeit inaktive Mitglieder wieder für die Arbeit des DASV e.V. zu begeistern.

Die IFaTa – Mehr als nur eine Mitgliederversammlung

Um gemeinsam die anliegenden Inhalte zu diskutieren, trifft sich der DASV e.V. jedes Semester auf einer Internationalen Fachschaftentagung (IFaTa) – bis 2008 noch Bundesfachschaftentagung (BuFaTa) –, wobei der Austragungsort jedesmal neu bestimmt wird, um allen die Möglichkeit zu geben, sukzessive die im DASV e.V. aktiven Institute, Universitäten sowie Städte gemeinsam kennenzulernen. Während der IFaTa findet dann auch die Mitgliederversammlung des DASV e.V. statt, auf der der Vorstand sowie der Beirat gewählt und alle wichtigen Entscheidungen zum aktuellen und zukünftigen Handeln des Vereins getroffen werden. Neben einem kulturellen Rahmenprogramm zum Kennenlernen des Institutes bzw. der Stadt gibt es auf der IFaTa Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themen rund um die Hochschulpolitik und Archäologie. Dabei sind die Arbeitsgruppen auch auf längerfristige Zusammenarbeit ausgelegt oder finden einmalig auf der IFaTa statt.

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Gemeinsam diskutieren dann die ordentlichen Verbandsmitglieder Probleme des Bachelor-/ Master-Studiensystems und weitere Themen der Hochschulpolitik, wie z.B. Studiengebühren. Aufgrund der zusammen erarbeiteten Probleme und Verbesserungsvorschläge wurden bereits diverse Stellungnahmen verfasst, die die Situation der Studierenden archäologischer Fächer im Bologna-Prozess immer wieder reflektieren. Um die Ergebnisse auch in die Öffentlichkeit zu tragen, organisierten die Studierenden z.B. im November 2007 eine Podiumsdiskussion in Kiel zu dem Thema „Master als Herausforderung? Wissenschaft – Qualifikation – Arbeitsmarkt“. Des Weiteren erfolgt die Veröffentlichung ihrer Positionen auf der eigenen Vereinswebsite sowie in kleineren Beiträgen in den Mitteilungen anderer archäologischer Verbände, Universitätszeitschriften oder auf dem Online-Portal der Antiken Welt.

Ein besonderes Augenmerk des DASV e.V. ist auch die Aufklärung von Studierenden zur Gründung und über die Arbeit von Studierendenvertretungen. Dafür wurde bereits ein Leitfaden entwickelt, der interessierten Studierenden eine erste Anregung geben kann.

Neben der Hochschulpolitik beschäftigt sich der DASV e.V. in seinen Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Themen rund um das Studium oder mit der eigentlichen Arbeit als Archäologe. So erarbeitete beispielsweise die Arbeitsgruppe „Arbeitssicherheit“ Hinweise zu der richtigen Kleidung und der weiteren persönlichen Ausrüstung, zum Umgang mit Werkzeugen und Gefahrstoffen sowie für das Leisten von Erster Hilfe im Fall eines Unfalls bei archäologischen Ausgrabungen. Die Arbeitsgruppe „Stipendien“ stellte eine Übersicht zusammen, die Stipendienangebote für Studierende archäologischer Disziplinen in Deutschland und Österreich erfasst. Auch an einem Studienführer, der dem zukünftigen Nachwuchs der archäologischen Fächer eine erste Orientierung geben soll, z.B. welches Fach wo studiert werden kann bzw. wo die fachlichen Unterschiede in den einzelnen archäologischen Disziplinen liegen, ist in Arbeit.

Die relativ neue Arbeitsgemeinschaft „Kulturgüterschutz“ hat es sich nach einer ersten Stellungnahme zur Aufgabe gemacht, dieses brisante Thema Studienanfängern und älteren Kommilitonen über die Studierendenvertretungen der einzelnen Universitäten näher zu bringen und sie dafür zu sensibilisieren. Dafür will die Gruppe Informationsmaterial mit Anregungen und Vorschlägen zusammenstellen.

Der DASV e.V. hat sich im Zusammenhang mit der Diskussion des Studiensystems auch mit dem Thema „Akkreditierung von Studiengängen“ beschäftigt. Nachdem Studierende, die sich lange damit auseinandergesetzt haben, ihr Studium beendeten, ist es dem DASV e.V. zukünftig ein Anliegen, den studentischen Akkreditierungspool wieder verstärkt mit Studierenden archäologischer Disziplinen zu besetzen, da die Akkreditierung bzw. Reakkreditierung archäologischer Disziplinen an den unterschiedlichen Hochschulen immer wieder ansteht. Hierzu wurden bereits neue Studierende in den studentischen Akkreditierungspool entsendet.

Deutlich über solche Themen hinaus hat sich die Arbeitsgruppe „Europa“ mit öffentlichen Konsultationsverfahren der Europäischen Union befasst. So entstand beispielsweise eine Stellungnahme zum Grünbuch „Die Mobilität junger Menschen zu Lernzwecken fördern“. Mitglieder dieser Arbeitsgruppe trugen an den DASV e.V. auch das Projekt „Studying Archaeology in Europe“ heran, bei dem der Verein als Partner teilnimmt.

Zukünftig möchte sich der DASV e.V. neben der Fortsetzung bereits begonnener Arbeiten in den einzelnen Arbeitsgruppen vermehrt dem letzten Teil der dreistufigen Studienarchitektur des Bologna-Prozesses – dem PhD bzw. der Promotion – widmen. Zunächst möchte er grundlegende Informationen bereitstellen. Diesbezüglich hat die Arbeitsgruppe schon erste Übersichten und Hinweise auf der Homepage des DASV e.V. veröffentlicht, die in Zukunft weiter ausgebaut werden. Folgende Fragen sollen behandelt werden: Welche Promotionsmöglichkeiten werden an den verschiedenen Instituten angeboten? Wie plane ich eine Promotion bzw. welche Dinge sollte ich berücksichtigen? Wie finde ich mein Thema? Wie kann eine Promotion finanziert werden? Ebenso wird die Arbeitsgruppe auf die Möglichkeiten des neuen Systems hinweisen und die Probleme behandeln. Ein weiteres Ziel ist es, die Situation Promovierender archäologischer Fächer im deutschsprachigen Raum zu reflektieren. Gerade bei der Evaluation der Situation der Promovierenden ist eine Zusammenarbeit mit dem Deutschen Archäologen-Verband e.V. (DArV) und der dort ansässigen Arbeitsgruppe „Studienreform“ angedacht.

Projekte des Vereins - ARCHAEOskills, archaeoworks und ARCHAEOnoah

Mit der stetigen Aufnahme von Mitgliedern kam im Laufe der Jahre der Themenkomplex der späteren Berufswelt hinzu. So verfolgt der Verein mit konkreten Veranstaltungen das Ziel, den Studierenden Zusatzqualifikationen oder wichtige Informationen anzubieten, die für die spätere Berufstätigkeit von Vorteil sein können. Dazu gehört die Veranstaltung ARCHAEOskills, eine Veranstaltungsreihe für Archäologische Workshops, die bereits in Salzburg (2009), Graz (2010), Weimar (2011) und München (2011) umgesetzt wurde; eine Neuauflage des Erfolgsprojektes ist 2013 in Wien geplant. Während ARCHAOskills können die Teilnehmer zwei Workshops an einem Wochenende belegen, die einerseits das bisherige Studium durch diesen kurzen Einblick mit neuen Aspekten bereichern oder andererseits bisher noch unentdeckte Fähigkeiten und Interessen wecken können.

Auch die Berufsmesse archaeoworks – Archäologische Berufswelten, bisher in Berlin (2009) und Mainz (2011) umgesetzt, stellt die vielfältigen Optionen des archäologischen Berufslebens vor und bietet neben einem reichen Vortragsprogramm und kleineren Workshops die Möglichkeit, erste Kontakte auf der  Messe mit den sich dort präsentierenden, potentiellen späteren Arbeitgebern sowie den Studierenden zu knüpfen. So können die Studierenden berufliche Qualifikationen, die später benötigt werden, in einem Gespräch direkt erfragen.

Weil die praktischen Kenntnisse in Museen, Denkmalämtern, Grabungsfirmen oder anderen archäologischen Institutionen einen wichtigen Bestandteil des Archäologiestudiums bildet, soll die Praktikumsbörse ARCHAEOnoah Studierenden helfen, unkompliziert Zugriff auf verschiedene angebotene Praktika zu erhalten sowie einen geeigneten Praktikumsplatz zu finden. Im Rahmen dieses Projekts wurden auch Richtlinien für ein Praktikum im Museum oder auf einer Grabung gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e.V. (DGUF) und Vertretern des Deutschen Archäologen-Verbandes e.V. (DArV) erarbeitet.

Wie die drei Projekte ARCHAEOskills, archaeoworks und ARCHAEOnoah zeigen, ist es ein außerordentlich wichtiges Anliegen des DASV e.V., alle Studierenden verschiedener archäologischer Disziplinen mit einer Vielzahl von Informationen und sog. Soft Skills für den beruflichen Alltag nach dem Studium auszurüsten. Da die Archäologie – unabhängig davon, welche spezifische Ausrichtung sie besetzt – ein so vielfältiges Spektrum an Möglichkeiten bietet, viele Institute jedoch zu klein sind, um diesem Spektrum gerecht zu werden, versucht der Verein, mit seiner Arbeit solche Lücken des universitären Curriculums zu schließen.

Wissenschaftliche Tagungen

Ein weiterer Bestandteil des DASV e.V. ist die Organisation wissenschaftlicher Veranstaltungen. Die Tagung „Vermittlung von Vergangenheit – Gelebte Geschichte als Dialog von Wissenschaft, Darstellung und Rezeption“, die im Juli 2009 in Bonn stattfand, diskutierte das über Museen, Medien, Living History und weitere Institutionen vermittelte Geschichtsbild. Die Ergebnisse der Tagung wurden in der ersten großen Vereinspublikation im Juni 2011 festgehalten.

Auch die internationale Tagung „Transnational Meetings in Archaeology“ zu aktuellen Forschungstendenzen in archäologischen Abschlussarbeiten im November 2012 in Hamburg gehört zum vielfältigen Programm des DASV e.V.

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Zusammenarbeit mit anderen archäologischen Verbänden

Neben dem Diskutieren von Themen im eigenen Verein ist es dem DASV e.V. ein besonders wichtiges Anliegen, gemeinsam Positionen mit anderen archäologischen Verbänden zu erarbeiten und diese in der Öffentlichkeit zu vertreten. Um dieses Vorhaben besser zu ermöglichen, wurde bereits 2008 ein Kooperationsnetzwerk mit der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e.V. (DGUF), dem West- und Süddeutschenverband für Altertumsforschung e.V. (WSVA) und der Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie ARCHÄOMETRIE e.V. (GNAA) gegründet. Im Oktober 2011 erfolgte der Beitritt des DASV e.V. in den Deutschen Verband für Archäologie e.V. (DVA) und die Kooperation mit dem Archäologischen Studierendenverband Österreich e.V. (ASVÖ), der den Landesverband Österreich im Verein nun bildet. Im Juni 2012 wurde die Kooperation mit dem Deutschen Archäologen-Verband e.V. (DArV) geschlossen.

Rückblick auf eine ereignisreiche Zeit

Es ist sicherlich bemerkenswert, dass sich Studierende in dieser Form zusammenfinden, selbstständig einen Verein gründen, in Eigenregie verwalten und vor allem in überaus produktiver Weise beleben. Jedes Mitglied trägt durch Engagement und Einfallsreichtum zum bisherigen Wirken des Vereins bei. Große Tagungen und Projekte sind ohne die motivierten Mitglieder und tatkräftigen Unterstützer des DASV e.V. undenkbar. Aber auch Kooperationen mit anderen archäologischen Vereinen, interessierten Trägern und engagierten Instituten verdankt der Verein seine bisherigen vielfältigen Veranstaltungen und Möglichkeiten. Schon aus diesem Grund freut sich der Verein auf eine Zukunft, in der es darum geht, weiterhin seine Ziele zu verfolgen sowie Studierenden die Möglichkeit zu bieten, sich untereinander auszutauschen, gemeinsame Projekte aktiv zu gestalten und damit eine Plattform für alle Bedürfnisse der Studierenden der verschiedenen archäologischen Disziplinen zu schaffen.

Dem DASV e.V. ist es besonders wichtig, seine Mitglieder sowie jeden Interessierten stets transparent und aktuell über die Ereignisse rund um den Verein zu informieren. Wer also über die Arbeit des DASV e.V. benachrichtigt werden möchte, kann den Newsletter des Vereins, der noch eine Fülle weiterführender Informationen enthält, über die Vereinswebseite beziehen.

Kontakt:

DASV e.V.
Postfach 1603, 37006 Göttingen
Email: vorstand@dasv-ev.org
Internet: www.dasv-ev.org

DGAMN - Deutsche Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit e.V.

von  Matthias Untermann

Die Deutsche Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit (DGAMN) wurde 2001 gegründet. In ihr haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammengeschlossen, die in der archäologischen Forschung zum Mittelalter und zur Neuzeit tätig sind. Sie hat gegenwärtig rund 380 Mitglieder, überwiegend in Deutschland, aber auch in allen angrenzenden Ländern.

Die Gesellschaft ist unmittelbar hervorgegangen aus der „Arbeitsgemeinschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit“ bei den Deutschen Verbänden für Altertumsforschung. Als „Arbeitsgemeinschaft für Archäologie des Mittelalters (AG Mittelalter)“ war sie von einem kleinen Kreis von Mittelalterarchäologen 1975 auf der Verbandstagung in Würzburg gegründet worden; 1990 hat sie sich eine vereinsartige Struktur gegeben und die „Archäologie der Neuzeit“ in ihren Namen aufgenommen; die Gründung der DGAMN bedeutete 2001 keinen Bruch, sondern setzte dezidiert die bisherige Arbeit fort und eröffnete neue Möglichkeiten. Ein universitärer Abschluss und ein fachbezogener Arbeitsschwerpunkt waren und sind Voraussetzung für die Mitgliedschaft.

Entstehung und Entwicklung der AG Mittelalter wie der DGAMN können nur im Ganzen der Fachentwicklung verstanden werden. Forschung an Kirchen, Klöstern, Burgen, Wüstungen und Städten sowie an der Sachkultur des Mittelalters war nach dem Zweiten Weltkrieg in ganz verschiedenen Institutionen und unter sehr unterschiedlichen fachlichen Voraussetzungen intensiviert worden. Mittelalterarchäologie war kein universitäres Ausbildungsfach, und auch im Bereich der Bodendenkmalpflege wurde in Deutschland erst 1961 in Baden-Württemberg die erste spezialisierte Planstelle für diesen Arbeitsbereich geschaffen – damals noch in einem Amt für Bau- und Kunstdenkmalpflege. Erst 1981 wurde in Bamberg ein eigener Lehrstuhl und ein eigener Studiengang für Archäologie des Mittelalters eingerichtet.

Die schon in der Wiederaufbauzeit fassbare, hohe Bedeutung einer Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit hat sich nach 1975 im Zuge der Sanierung mittelalterlicher Stadtkerne und erneut nach 1990 mit der Sanierung der mittel- und ostdeutschen Städte und Dörfer eindrücklich gesteigert. In den meisten Bundesländern bilden Ausgrabungen an Objekten des Mittelalters und der frühen Neuzeit den zahlenmäßig und im Fundanfall größten Arbeitsbereich. Die Entwicklung der universitären Ausbildung und auch der Strukturen innerhalb der Bodendenkmalpflege hat damit nicht Schritt gehalten – und dies ist in absehbarer Zeit auch nicht mehr zu erwarten.

Als 1973 die „Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters“ gegründet wurde, zunächst herausgegeben von Walter Janssen und Heiko Steuer und ab 1983 zusammen mit Günther Binding, geschah dies ohne institutionelle Anbindung an einen fachspezifischen Lehrstuhl, an ein spezialisiertes Museum oder an einen Fachverein. Dies ist bis heute so geblieben.

Geprägt von Vielfalt

Der hohe Bedarf an persönlichem Austausch und fachlicher Diskussion gab dann 1975 Anlass zur Gründung der bereits angesprochenen AG Mittelalter – später als in den meisten anderen, europäischen Ländern. Charakteristisch für die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit ist der Umstand, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ganz unterschiedlicher akademischer und beruflicher Bildung in diesem Bereich tätig sind – anders als in den meisten, ältere Epochen bearbeitenden archäologischen Arbeits- und Forschungsfeldern, für die traditionsreiche Ausbildungswege existieren. Eine große Vielfalt der Studienfächer, zu denen vornehmlich die Ur- und Frühgeschichte und die Kunstgeschichte, aber auch die klassische und provinzialrömische Archäologie, die architektonische Bauforschung, die Volkskunde, die mittelalterliche Geschichte und die Kulturgeografie – und erst seit 1981 das Studienfach Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit – gehören, prägt bis heute mit ihren breit ausgerichteten Ausbildungsschwerpunkten, Methodentraditionen und jeweils eigenen Kontakten zu den Nachbarwissenschaften diesen Arbeitsbereich in Theorie und Praxis.

Die Archäologie von Kirchen, Burgen, Pfalzen oder Städten hat in den interpretatorischen Methoden selbstverständlich ihre Basis in anderen Wissenschaften, besonders in der Kunst- und Baugeschichte, der Frühgeschichte, der allgemeinen und Wirtschaftsgeschichte, der Europäischen Ethnologie (mit Volkskunde und Hausforschung). Im Bereich der Sachkultur liegen methodische Anknüpfungspunkte näher, die Fülle und Vielfalt der Objekte verlangt aber auch hier nach ganz eigenständigen Arbeits- und Forschungsansätzen. Sogar die feinstratigraphische Grabungstechnik, die den hochkomplexen Befunden in Kirchen und Städten einzig angemessen ist, erscheint vielen Vertretern der Ur- und Frühgeschichte in Deutschland fremd.

Mittelalter- und Neuzeitarchäologie war bis vor wenigen Jahren weder in den Altertumsverbänden, noch an den Universitäten, im Verband der Landesarchäologen oder in irgend einer anderen Vereinigung entsprechend der faktischen Bedeutung des Fachs und der Zahl ihrer Fachvertreter angemessen repräsentiert (und mehr als „geduldet“). Die AG Mittelalter hat deshalb seit 1990 eine vereinsartige Struktur geschaffen, um handlungsfähiger zu sein, und 2001 den Schritt zur Vereinsgründung der DGAMN vollzogen, ohne die Anbindung an die Verbände für Altertumsforschung aufzugeben. Die Einbindung in das Präsidium der Altertumsverbände und die Gründungsmitgliedschaft (inklusive aller Einzelmitglieder) im Deutschen Verband für Archäologie (DVA) 2011 zeigen, dass die isolierte Stellung der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit überwunden ist. Dennoch bleibt die kritische Begleitung der Entwicklungen in den Bodendenkmalpflege-Ämtern, an den Museen und an den Universitäten, die viele archäologische Interessensbereiche, aber gerade auch die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit bedrohen, eine wichtige Aufgabe der DGAMN.

Ziele der DGAMN

Zentrale Zielsetzung der DGAMN ist der fachliche Austausch zwischen den im Fach tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und der Kontakt mit den Nachbarwissenschaften. Bereits die AG Mittelalter brachte seit 1975 eine Vielzahl von Mittelalterarchäologen, die sich dem Fach der Ur- und Frühgeschichte zuvor nicht zugehörig fühlen und die vielfach dieses Gebiet nicht einmal im Nebenfach studiert haben, erstmalig in Kontakt mit den Verbandstagungen. Die Vortragsprogramme galten bewusst nicht nur der Präsentation neuer Befunde, sondern auch der gemeinsamen Erarbeitung und Diskussion von Problemfeldern.

Die 1975 noch höchst unbefriedigende Forschungslage in fast allen Bereichen des Fachs war in den ersten Sitzungen Anlass, Keramik-, Glas- und Holzfunde etc. zum Thema zu wählen, weiterhin ungewöhnliche und schwierige Befundgattungen wie Heizungen, technische Öfen, den Holzbau oder Einrichtungen der Infrastruktur. Die 2001 gegründete Gesellschaft steht ganz in dieser Tradition. Alle Tagungen versuchen, das jeweilige Thema groß zu fassen sowie in regionaler und chronologischer Breite abzubilden. Die Geschichte der Mittelalterarchäologie, die Kooperation mit Nachbarwissenschaften und die Ausweitung in neue Arbeitsgebiete – Neuzeit und Neueste Zeit – spiegeln sich in diesen Tagungsthemen. Regelmäßig sind auch Vorträge aus den Nachbarländern im Programm vertreten.

Die Breite der behandelten Fragestellungen wird nicht zuletzt darin deutlich, dass 2011 mit „Holzbau“ zum ersten Mal nach 16 Jahren eine Befundkategorie erneut Tagungsthema geworden war – hier vor allem bedingt durch den enormen Zuwachs an exzellent erhaltenen Feuchtbodenbefunden. Sondertagungen zu „Theorien und Methoden“, zum „Archäologischen Stadtkataster“ oder zu gemeinsamen Fragestellungen der Archäologie und der Hausforschung („Bau und Boden“) erweitern die sonst jeweils mit einer Verbandstagung bzw. dem Archäologie-Kongress verbundenen Treffen.

Die Tagungen werden seit 1990 in einem jährlich erscheinenden Mitteilungsblatt dokumentiert, das seit der Vereinsgründung 2001 die Vorträge in ganzem Umfang publizieren kann und außerdem Tagungsberichte und Rezensionen aufnimmt. Dadurch hat es sich zur zweiten deutschen Fachzeitschrift der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit entwickelt. Die Zeitschrift steht zeitgleich zu ihrem Erscheinen auch als vollständige und kostenfreie Internetversion zur Verfügung.

 

Vorsitzender: Dr. Manfred Schneider, Lübeck

Publikationsorgan: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie den Mittelalters und der Neuzeit, zuletzt Bd. 24, 2012

Homepage: www.dgamn.de (mit allen Ausgaben der Mitteilungsblätter zum Download)

DGUF - Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e.V.

Auch für die Archäologie steht die Zeit nicht still: Die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte

von Rengert Elburg, Diane Scherzler und Erich Claßen

Die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte unterscheidet sich in mancher Hinsicht von anderen archäologischen Verbänden und Vereinen in Deutschland. Die DGUF kennt weder regionale Begrenzungen, noch legt sie sich auf bestimmte Epochen der heimischen Archäologie fest. Außerdem ist die DGUF kein Berufsverband, sondern ein Fachverband; die Mitgliedschaft steht dementsprechend allen an der Archäologie Interessierten offen. Ungebunden und ohne externe Finanzierung kann die DGUF frei und selbständig agieren, ohne möglicherweise von politischen Empfindlichkeiten, Verwaltungsvorschriften oder Dienstwegen und Hierarchien ausgebremst zu werden. Wir verstehen uns als Teil der Zivilgesellschaft und vertreten die Belange der Archäologie und unserer Mitglieder innerhalb und außerhalb der engeren Fachkreise. Das hat die DGUF durchaus schon in den Ruf gebracht, ein unangepasster Alt-68er-Verein zu sein, was wir durchaus als Ehrentitel zu verstehen wissen. Vertretung des Faches und der Belange der Archäologie muss und kann nicht immer bequem sein.

Ein Stückchen Geschichte: Die DGUF als Erneuerungsfaktor

Unsere Gründung, die tatsächlich ihren Anfang in den turbulenten späten 1960er-Jahren nimmt, spielt noch immer eine Rolle im Selbstverständnis und bei der Wahrnehmung der DGUF. Daher möchten wir hier in aller Kürze die Gründungsgeschichte erzählen.

Das Fach: Verkrustet und abgeschottet

Die Zeit des sozialen Umbruchs Ende der 60er-Jahre ging auch an der Archäologie nicht spurlos vorbei. Viele Studierende und junge Wissenschaftler empfanden die Strukturen in der deutschen Archäologie als verkrustet und nahmen das Fach als abgeschottet von den wichtigen Nachbardisziplinen wahr.

Der Schleswiger Kreis und die "Mannus-Wiederbegründung"

Um diese engen Grenzen zu überwinden, gründete eine kleine Gruppe von Aktiven während der gemeinsamen Tagung der beiden damaligen Verbände für Altertumskunde in Schleswig im Jahre 1968 einen Arbeitskreis (Fußnote 1). Dieser eher informelle Zusammenschluss wurde nach dem Gründungsort als "Schleswiger Kreis" benannt und beschäftigte sich ausschließlich mit universitären Themen. Das Ziel war vorrangig ein besserer Austausch von Informationen zwischen den verschiedenen Instituten über Lehrpläne, laufende Promotionsvorhaben und Grabungen. Die Arbeit des Schleswiger Kreises resultierte 1970 in der Herausgabe einer Reihe von Heften, heute würde man es als Newsletter bezeichnen, die "Informationsblätter zu Nachbarwissenschaften der Ur- und Frühgeschichte". Mit der Gründung dieses Netzwerkes war eine wichtige Voraussetzung für eine bessere Kommunikation innerhalb des Faches geschaffen, auch wenn diese fast ausschließlich von Studierenden getragen wurde. Dass ein solches Kommunikationsnetz dringend gebraucht wurde, zeigte sich nur wenig später.

Nicht nur diejenigen, die sich für eine Erneuerung der Ur- und Frühgeschichte einsetzten, waren in dieser Zeit aktiv. 1969 wurde außerdem durch eine Gruppe, die man nur als reaktionär bezeichnen kann, die Zeitschrift "Mannus" - während des Dritten Reiches ein wichtiges Sprachrohr der "völkischen Archäologie" - wiederbegründet. Dies war ein Spiegel der Nachkriegsjahre, in denen es kaum Bemühungen gab, die Rolle der Archäologie im ideologischen Gebilde der NS-Herrschaft aufzuarbeiten. Gegen einige Wissenschaftler, die sich zu stark durch das Nazi-Regime hatten vereinnahmen lassen, waren zwar Berufssperren verhängt worden, eine dezidierte Auseinandersetzung mit den Geschehnissen wurde jedoch nicht realisiert. Vor diesem Hintergrund ist dann auch die Initiative der "Mannus-Wiederbegründung" zu sehen, die nach heutigem Verständnis kaum nachvollziehbar ist. Sie führte verständlicherweise im In- und Ausland zu großer Empörung (Eckert 2002, 16-17). Als ob dieser Affront gegenüber den Opfer der NS-Herrschaft noch nicht genug gewesen wäre, wurden im gleichen Jahr Pläne bekannt, wonach dieselbe Gruppe um den Revisionisten Bolko von Richthofen (zur Person: Weger 2009) die Kossina’sche "Gesellschaft für Deutsche Vorgeschichte" wiederbeleben wollte.

Als am 25. Oktober 1969 die Gründungsversammlung stattfand, bei der eine Satzung verabschiedet und ein Vorstand gewählt werden sollten, verlangt eine Gruppe von Studierenden und jungen Wissenschaftlern Einlass, um mit den versammelten "alten Herren" zu diskutieren. Diesem Anliegen wurde stattgegeben, wonach die "jungen Wilden" sich vehement gegen eine Wiederbelebung einer politisch so vorbelasteten Institution aussprachen. Speziell der Name der Gesellschaft knüpfte deren Meinung nach zu stark an die NS-Tradition an, sodass sie vorschlugen, stattdessen die Bezeichnung "Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte" zu wählen. Nachdem die Diskussion im Sande verlief, zogen sich die "Rebellen" in ein Café zurück. Dort realisierten sie, dass sie gerade diesen "Ewiggestrigen" einen perfekten und unverdächtigen Namen als Deckmantel für die eigentliche Gesinnung der Truppe geliefert hatten.

Die DGUF entsteht

Um zu verhindern, dass dieser Wolf sich im Schafspelz verstecken konnte, entschieden sie sich, den Namen selbst zu besetzen, und gründeten kurzerhand die DGUF. Es wurde schnellstens eine Satzung aufgestellt, ein Vorstand bestimmt, und - um dies rechtskräftig festzuhalten - wurde noch am späten Abend ein Notar aufgetrieben, der die Neugründung beglaubigte. Am Montagmorgen, dem 27. Oktober 1969, wurde die Gesellschaft beim Amtsgericht Bonn ins Vereinsregister eingetragen, und damit war die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte auch juristisch eine Tatsache.

Die Entwicklung der jungen DGUF

In dem ersten Rundschreiben der Initiatoren wurden auch die Ziele der jungen DGUF kundgetan, wobei vier Kernpunkte herausgehoben waren. Zunächst sollte die DGUF erstmalig ein Verein nicht nur für die Vertreter, sondern auch für die Freunde des Faches sein, sie richtete sich also explizit auch an Nicht-Archäologen. Die zweite Organisationsebene sollten Arbeitsgruppen von verwandten Fachleuten, z. B. aus Universitäten, Museen oder der Denkmalpflege, formen. Ein dritter Zweig sollte Sektionen bilden, die sich mit unterschiedlichen Themenbereichen beschäftigten, sei es zeitspezifischen wie Neolithikum oder Bronzezeit, sei es verfahrensbezogenen wie Statistik oder Kartographie. Als vierter Schwerpunkt wurde das Herausgeben einer Zeitschrift mit aktuellen Kurzinformationen genannt (Eckert 2002, 19).

Speziell die "Sektionen" waren anscheinend ein Bedürfnis, das von vielen so gefühlt wurde. Die Altertumsverbände nahmen umgehend Kontakt mit dem Vorbereitungsausschuss der DGUF auf, und so gab es bereits im Dezember 1969 einen Aufruf zum Aufbau einer Sektion Neolithikum, die sich im Rahmen der Jahrestagung des Nordwestdeutschen Altertumsverbandes im Herbst 1970 treffen sollte (Zeeb-Lanz 2002, 23-24). Damit wurde die erste AG, von denen es mittlerweile ein gutes Dutzend gibt, gegründet und gleichzeitig die Anbindung nicht an die DGUF, sondern an die Altertumsverbände etabliert.

Auch die Forderung nach einer Zeitschrift mit aktuellen Beiträgen zur Archäologie, die nach den Plänen der jungen DGUF den Namen "Archäologisches Korrespondenzblatt" tragen sollte, war deutlich ein Desiderat vieler. Die Initiative wurde zeitnah durch das RGZM, wiederum in Verbindung mit den Altertumsverbänden, aufgegriffen, so dass bereits im Frühjahr 1971 das erste Heft erscheinen konnte. Während sich das Archäologische Korrespondenzblatt von Anfang an deutlich auf die vorläufige Vorlage wichtiger Funde und Befunde konzentrierte, blieb noch immer Platz für eine Zeitschrift, in der allgemeine und teilweise kontroverse Themen aufgegriffen und die Verbindungen zu den Nachbarwissenschaften geknüpft werden konnten. Zu diesem Zweck wurde die DGUF-eigene Publikation "Archäologische Informationen" gegründet. Die erste Ausgabe von 1972 hatte als Thema "Osteo-Archäologie und Archäometrie", aber es finden sich auch Beiträge zu "Urgeschichte im Unterricht" und "Vor- und Frühgeschichte an einer Pädagogischen Hochschule".

Die Ziele unserer Gründer konnten also weitestgehend realisiert werden: Die DGUF ist ein Verein, der sich seit vielen Jahren einer konstanten Mitgliederzahl erfreut. Die Arbeitskreise der DGUF führen Wissenschaftler und an der Archäologie Interessierte zusammen, wie auch die AGs bei den Altertumsverbänden die Idee der Sektionen sehr engagiert umsetzen. Und schließlich sind die Archäologischen Informationen eine der auflagenstärksten Fachzeitschriften in Deutschland.

Die DGUF heute

Auch so viele Jahre nach ihrer Gründung ist die DGUF noch immer der einzige bundesweit tätige Verband für mitteleuropäische Archäologie, in dem neben Fachwissenschaftlern auch Personen aus der interessierten Öffentlichkeit und den Nachbarwissenschaften persönliches Mitglied werden können. Die DGUF ist ein Teil der Zivilgesellschaft und kümmert sich nicht nur um die fachinterne Diskussion und Kommunikation, sondern explizit auch um den öffentlichen Diskurs. Unabhängig von der staatlichen Exekutive stößt die DGUF immer wieder zu Auseinandersetzung mit aktuellen Themen an, in der Wissenschaft, aber auch in der Politik. So stellten wir im Vorfeld der jüngsten Bundestagswahlen und Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen Wahlprüfsteine zur Archäologie auf und schickten sie den Parteien zur Stellungnahme zu. Dabei verstehen wir uns als Ansprechpartner für Politik und Öffentlichkeit bei der Auseinandersetzung mit archäologischen Themen. Deshalb ist die DGUF als eine der wenigen archäologischen Organisationen sowohl in der Liste der registrierten Verbände des Deutschen Bundestages als auch auf europäischer Ebene im Transparenz-Register eingetragen.

Die Arbeitskreise der DGUF

Wichtige und langfristig zu bearbeitende Anliegen werden in der DGUF von Arbeitskreisen bearbeitet. Der Arbeitskreis Kulturgutschutz setzt sich aktiv gegen Raubgrabungen sowie illegalen Antikenhandel und -hehlerei ein. Eine zentrale Forderung hierbei ist der lückenlose Herkunftsnachweis von archäologischem Kulturgut im Kunsthandel und eine konsequente Umsetzung des bereits 1970 verabschiedeten "Übereinkommens über Maßnahmen zum Verbot und zur Verhütung der unzulässigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut" der UNESCO, das bezeichnenderweise erst Ende 2007 von der Bundesrepublik ratifiziert wurde. Dass wir dabei häufiger anecken und durchaus empfindliche Nerven treffen, zeigt sich z. B. durch eine Abmahnung des deutschen Münzhändlerverbandes, welche die DGUF zusammen mit ihren Partnerverbänden im Jahr 2009 erfolgreich abwehren konnte.

Aber auch national gibt es in dieser Hinsicht noch viele Desiderate. So unterstützte die DGUF 2011 dezidiert die Einführung eines Schatzregals in Hessen und setzte sich 2012 mit ihren oben bereits erwähnten Wahlprüfsteinen für die Einführung von Verursacherprinzip, Schatzregal und Kulturverträglichkeitsprüfungen in Nordrhein-Westfalen ein. Die aktuelle Diskussion über das Verursacherprinzip in NRW kommentiert der Sprecher des DGUF-Arbeitskreises auf DGUF.de. Insgesamt macht die DGUF sich stark für eine Vereinheitlichung der (Boden-) Denkmalschutzgesetzgebung mit bundesweiter Implementierung von Verursacherprinzip, Schatzregal und deklaratorischem Prinzip.

Im Bereich der Archäologievermittlung setzte sich der Arbeitskreis "Archäologie und Bildung" (bislang "Archäologie im Schulbuch") ursprünglich für eine korrekte Darstellung archäologischer Sachverhalte im Schulunterricht ein. Dazu wurde ein Leitfaden "Literaturempfehlungen zur Archäologie. Fachliteratur, Sachbücher, Kinder- und Jugendliteratur" verfasst. Darüber hinaus befasst sich der AK mittlerweile übergreifender mit der Vermittlung der Ur- und Frühgeschichte in der Öffentlichkeit, wofür die intensive DGUF-Tagung des Jahres 2012 mit dem Titel "Archäologie, Schule und Museum im Spannungsfeld Kultureller Bildung" beredtes Zeugnis ablegte (Archäologische Informationen im Druck).

"DGUF-Zotero", der jüngste DGUF Arbeitskreis begibt sich auf das Feld der in der deutschen Vor- und Frühgeschichte bislang noch zögerlich geführten Diskussion über "Open Access", also die öffentliche Zugänglichkeit von Daten und Literatur. Die Gruppe "DGUF-Zotero" betreut eine frei zugängige Literaturdatenbank zu Archäologie und versucht so wissenschaftliches Schriftgut für eine breite Öffentlichkeit besser zu erschließen.

Unsere Publikationen

Auch die sonstigen Organe der DGUF setzen auf Information, Diskussion und Interaktion mit der Öffentlichkeit. Die wissenschaftliche Zeitschrift "Archäologische Informationen" ist explizit nicht gemeint für die Vorlage von Materialkomplexen oder aktuellen Grabungen, sondern widmet sich in kürzeren, peer-reviewten Beiträgen übergreifenden Themen in der Ur- und Frühgeschichte Europas. Schwerpunkte sind dabei Analysen und Synthesen, die Weiterentwicklung von Methoden und Theorien, interdisziplinäre Ansätze, aber auch fachpolitische Themen, wie Ausbildung, Kulturgüterschutz und Ethik. Besonderheiten dabei sind z. B. das "Forum", in dem in mehreren aufeinander bezogenen Aufsätzen fachrelevante Themen öffentlich diskutiert werden, und die Möglichkeit für Nachwuchswissenschaftler, ihre Dissertationen und Examensarbeiten zusammenfassend vorzustellen. Umfangreichere Manuskripte erscheinen in der Reihe "Archäologische Berichte", in der neben aus der DGUF heraus entstandenen Arbeiten überwiegend Magisterarbeiten und Dissertationen zeitnah und kostengünstig zum Druck gebracht werden.

DGUF-Literatur

Die DGUF im Internet

Ergänzend zu diesen analogen Publikationen setzt die DGUF verstärkt auf digitale Formate, die schon jetzt und verstärkt in der Zukunft eine wesentliche Rolle spielen werden. Bereits seit 1997 unterhalten wir eine Website, welche im März 2012 erneuert wurde und das gesamte Spektrum der Aktivitäten des Vereins umfassend vorstellt. Dort sind nicht nur aktuelle Nachrichten zu finden, sondern auch alle relevanten Informationen zum Verein, inklusive Standpunkten, Stellungnahmen und Kommentaren, nachzulesen. Ebenfalls seit März 2012 geben wir einen elektronischen Newsletter mit vielfältigen Neuigkeiten aus der Welt der Archäologie und der DGUF heraus. Der Newsletter erscheint ungefähr im Monatsabstand und kann auch von Nicht-Mitgliedern kostenlos abonniert werden.

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Unsere Tagungen

Wie fast jede wissenschaftliche Gesellschaft organisiert die DGUF jährlich eine Tagung, wobei sich interdisziplinäre Forschung und fachpolitischen Themen abwechseln. An den Tagen nach Christi Himmelfahrt werden im breiten Kreis von Mitgliedern und Interessierten sehr unterschiedliche Komplexe behandelt wie "Archäologie und Macht", "Archäologie der Religionen" oder unter dem Titel "Echt falsch – die inszenierte Vergangenheit" die Grenzen von archäologischen Rekonstruktionen erörtert werden. Diese Themen bilden in der Regel dann auch den Schwerpunkt des einer Tagung folgenden Heftes der Archäologischen Informationen, wodurch eine zeitnahe Publikation der Tagungsbeiträge erreicht wird.

Unsere Exkursionen

Ein Angebot der DGUF, das sich ausdrücklich auch an die interessierte Öffentlichkeit und nicht ausschließlich an Mitglieder der DGUF wendet, sind die regelmäßig durchgeführten Exkursionen. In Kooperation mit unseren Gastgebern ermöglichen wir Einblicke hinter die Kulissen wichtiger archäologischer Institutionen und Projekte. Die DGUF möchte damit die Möglichkeit eröffnen, auf eine direkte Weise mit der Archäologie und den Archäologen dahinter in Kontakt zu kommen.

DGUF-Exkursion

Die Archäologiepreise der DGUF

Als letztes Instrument für Öffentlichkeit und Fachpolitik darf der Deutsche Archäologiepreis, der seit 1999 etwa alle drei Jahre vergeben wird, nicht unerwähnt bleiben. Mit diesem Preis werden Leistungen ausgezeichnet, welche die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Gesellschaft befördert haben. Auch erachten wir herausragende archäologische Forschungen als preiswürdig, insbesondere wenn diese die Entwicklung und den Ausbau wichtiger Methoden für die Archäologie und ihrer Nachbardisziplinen und damit wissenschaftsinterne Diskussionen vorangebracht haben. Grundsätzliches Bestreben ist es dabei, Aktivitäten zu würdigen, die dauerhaft und nachhaltig wirken: Es geht nicht um die Förderung einzelner Spitzenleistungen, sondern um die Ehrung für "das große Ganze".

Im Jahr 2011 wurde darüber hinaus erstmals ein Sonderpreis verliehen, und zwar an das Autorenteam der Filmdokumentation "Blutige Schätze. Der Antikenhandel und der Terror". Der zuerst im ZDF ausgestrahlte Film berichtet über die Rolle von Raubgrabungen und illegalem Antikenhandel bei der Finanzierung von mafiaartigen Strukturen und sogar Terror-Organisationen. In die Zukunft gewandt hat die DGUF auch einen Kritikerpreis, der "Rostige Spaten", und den "Deutschen Studienpreis für Archäologie" neu ins Leben gerufen.

Wie sieht die Zukunft aus?

Die jetzige Situation der Archäologie ist mit der von vor 40 Jahren nicht zu vergleichen: Interdisziplinarität wird heute groß geschrieben, wobei die Archäologie häufig Acht geben muss, nicht selber zur "Hilfswissenschaft" der Naturwissenschaften degradiert zu werden. Aber nicht nur die Archäologie hat sich grundlegend verändert, auch die Welt ist mit elektronischen Medien und weltumspannenden Kommunikationsnetzen eine grundlegend andere. Zwar ist die Archäologie keine "geschlossene Gesellschaft" mehr, aber die Tendenzen, die jetzt bereits absehbar sind, fangen allen mit dem englischen Wort "open" an, sei es in Form von "open archaeology" oder in der für die gesamte Wissenschaft zu führenden Debatte über "open access". Wissenschaft hat nicht mehr wie selbstverständlich Recht, mündige und über digitale Strukturen gut vernetzte "Laien" stellen mehr und mehr das Selbstverständnis von bestehenden Interpretationen in Frage. Darauf gilt es Antworten zu finden und Interessierte außerhalb des Faches verstärkt einzubinden. Außerdem gilt es diese Chance zu nutzen, denn aktiver und wirkungsvoller als jemals zuvor können digital vernetzte Bürger unser kulturelles Erbe schützen. Dieser Herausforderung will sich die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte stellen, und das in bewährter DGUF-Tradition: Engagiert, offen und wie immer kritisch-loyal dem Fach und seinen Institutionen gegenüber.

 

Fußnote 1: Beim Erstellen dieser historischen Skizze wurde dankbar zurückgegriffen auf zwei Aufsätzen von Mitgliedern der ersten Stunde, die sich mit den Anfängen der DGUF und den Umbrüchen in der deutschen Archäologie in der Zeit beschäftigen (Schwellnuss 1990; Eckert 2002).

Literatur:

  • Eckert 2002: J. Eckert, Die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, der Schleswiger Kreis und der Unkeler Kreis, Arch. Inf. 25/1-2, 2002, 15–21. (Online unter: http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/verein/geschichte/AI25_Eckert_2002_DGUF_15-21.pdf. Abgerufen am 26. November 2012)
  • Schwellnus 1990: W. Schwellnus, Bemerkungen zur Entstehung und zum Standort der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Arch. Inf. 13/1, 1990, 6–9. (Online unter: http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/verein/geschichte/AI13_Schwellnus_1990_Entstehung-DGUF_6-9.pdf. Abgerufen am 26. November 2012)
  • Weger 2009: T. Weger, Bolko Freiherr von Richthofen und Helmut Preidel. Eine doppelte Fallstudie zur Rolle von Prähistorikern und Archäologen in den Vertriebenenorganisationen nach 1945. In: J. Schachtmann/M. Strobel/T. Widera (Hrsg.) Politik und Wissenschaft in der prähistorischen Archäologie. Perspektiven aus Sachsen, Böhmen und Schlesien, Berichte und Studien 56 (Göttingen 2009) 125–148.
  • Zeeb-Lanz 2002: A. Zeeb-Lanz, Die AG Neolithikum - Gründungsgeschichte, Ziele, Entwicklung, Arch. Inf. 25/1-2, 2002, 23–32. (Online unter: http://www.dirk-schimmelpfennig.de/ag_neo/pdf/AG_Neo_Geschichte_Zeeb-Lanz.pdf. Abgerufen am 26. November 2012)

Rengert Elburg (Vorsitzender)
Diane Scherzler (Stellvertretende Vorsitzende)
Erich Claßen (Stellvertretender Vorsitzender)

Mail:

vorstand@dguf.de

Internet:

www.dguf.de

DGUF-Büro
An der Lay 4
54578 Kerpen-Loogh

DOG - Deutsche Orient Gesellschaft e.V.

Die Deutsche Orient-Gesellschaft zu Berlin e. V. - Nationale Fachrepräsentanz mit internationaler kulturpolitischer Verantwortung

von  Markus Hilgert

Ruhmvolle Vergangenheit

Bereits seit 1898 arbeitet die Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG) mit Sitz in Berlin für die vorderasiatische Altertumskunde. Sie verfolgt zwei wesentliche Ziele: Zum einen fördert sie die Erforschung von Geschichte und Kulturen des Vorderen Orients und seiner Beziehungen zu den Nachbargebieten, insbesondere relevante Ausgrabungsprojekte. Zum anderen will sie Forschungsergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit vor allem mit einer Vielzahl wissenschaftlicher und populärer Veröffentlichungen zugänglich machen.

Im vergangenen Jahrhundert unterstützte die DOG zahlreiche wichtige Großprojekte und trug dazu bei, die Vorderasiatische Archäologie als Disziplin an den Universitäten zu etablieren. Nachdem die Gesellschaft gegründet wurde, unternahm der Architekt und Archäologe Robert Koldewey 1899 die erste Expedition nach Babylon, um nach wissenschaftlichen Prinzipien den Palast Nebukadnezars II. auszugraben. Bis 1917 leitete er eine der größten und erfolgreichsten Grabungen im Vorderen Orient. Es folgten Einsätze der DOG in der assyrischen Hauptstadt Assur (1903–1914) unter Leitung von Walter Andrae und weitere Expeditionen nach Schuruppak (Fara), Hatra und Uruk in Mesopotamien sowie Abusir und Amarna in Ägypten. Wichtige Expeditionen gingen in den 1970–1990er Jahren nach Syrien und Anatolien: die antiken Siedlungen Ekalte (Tall Munbaqa) und Tuttul (Tall Bi’a) konnten ebenso wie Kayalıpınar oder Sarissa (Kušaklı) mit Unterstützung der DOG erforscht werden.

DOG_Abb. 1

Aktuelle Projekte: Beispiel Qatna

Im Zentrum der deutschen Ausgrabungen im syrisch-italienisch-deutschen Kooperationsprojekt von Qatna (Tall Mishrife) steht die Erforschung des Königspalastes aus der Mitte des 2. Jt. v. Chr. Eine sensationelle Entdeckung gelang im Jahr 2002, als die Königsgruft unter dem Fußboden des Palastes freigelegt wurde. Sie enthielt mehrere Bestattungen und zahlreiche Beigaben, vom Schmuck der Toten bis zu Opfergefäßen. Die Ergebnisse der Ausgrabung erlauben eine vollkommen neue Sicht auf die Geschichte und Kultur des 2. Jt. v. Chr.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen

Die DOG fördert den wissenschaftlichen Diskurs über Gesellschaften und Geschichte des alten Orients durch die Herausgeberschaft von Periodika und Publikationsreihen. Die „Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft zu Berlin“ ist das offizielle Organ der DOG. In ihr werden Berichte zu Ausgrabungen und deren Auswertung publiziert, die von der Gesellschaft durchgeführt und gefördert werden. Die Beiträge behandeln neben den überwiegenden archäologischen Berichten auch Beiträge zu philologischen, historischen, religiösen und kulturellen Fragen des altorientalischen Raumes. In der jährlich erscheinenden Zeitschrift „Alter Orient Aktuell“ publiziert die DOG kurze bilderreiche Artikel für einen größeren Kreis interessierter Leser. Zu den international renommierten Publikationsreihen der DOG zählen die „Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft“, die „Abhandlungen der Deutschen Orient-Gesellschaft“ sowie die „Colloquien der Deutschen Orient-Gesellschaft“.

Forschungsstipendium   

In diesem Jahr hat die DOG erstmals ein zweimonatiges Forschungsstipendium an einen irakischen Nachwuchswissenschaftler vergeben, der an der Universität Heidelberg ein assyriologisches Forschungsvorhaben bearbeitet hat. Für die DOG ist dies ein erster wichtiger Schritt im Hinblick auf die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Irak, die indirekt auch einen Beitrag zum Erhalt des immensen kulturellen Erbes dieses Landes darstellt. Die DOG will durch die Vergabe des Forschungsstipendiums nicht zuletzt auf den dringenden Handlungsbedarf im Bereich des wissenschaftlichen „Know-How-Transfers“ hinweisen und wird sich dafür engagieren, dass die entsprechenden politischen Rahmenbedingungen verbessert werden.

Mitgliedschaft im DVA

Die DOG bündelt die wissenschaftliche Kompetenz der vorderasiatischen Altertumskunde (Vorderasiatische Archäologie und Altorientalische Philologie) in Deutschland und versteht sich als Fachrepräsentanz mit internationaler kulturpolitischer Verantwortung. Dass die DOG zu den Gründungsmitgliedern des DVA zählt und so die Interessen der Vorderasiatischen Altertumskunde in Deutschland auf höchster Ebene vertreten und die politische Arbeit des Verbandes von Anfang an mitgestalten kann, ist für die Gesellschaft daher von erheblicher Bedeutung.

Die Deutsche Orient-Gesellschaft e. V. ist ein gemeinnütziger Verein und nicht auf Gewinnerzielung gerichtet. Jede Person oder Institution kann Mitglied werden. Mitglieder erhalten jährlich die „Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft“ sowie das Magazin „Alter Orient aktuell“. Außerdem können sie weitere Publikationen der DOG vergünstigt beziehen. Zu den regelmäßig stattfindenden internationalen wissenschaftlichen Colloquien der DOG sind alle Mitglieder zu einer ermäßigten Tagungsgebühr eingeladen. Anträge auf Mitgliedschaft können unter www.orient-gesellschaft.de gestellt werden.

 

Kontakt:

Deutsche Orient-Gesellschaft e. V.
Hüttenweg 7
14195 Berlin
Telefon 030 844 14 79 25
Fax 030 83 85 36 00

Email: dogva@mail.zedat.fu-berlin.de

Internet: www.orient-gesellschaft.de

GfA - Gesellschaft für Anthropologie

Die Gesellschaft für Anthropologie e.V. wurde 1992 als gemeinsame Nachfolgegesellschaft der inzwischen aufgelösten Deutschen Anthropologischen Gesellschaft in den neuen Bundesländern und der Gesellschaft für Anthropologie und Humangenetik in den alten Bundesländern gegründet. 

Als gemeinnützige wissenschaftliche Gesellschaft  der Anthropologen und Humanbiologen im deutschsprachigen Raum,  hat sie sich zur Aufgabe gemacht, Forschung und Lehre sowie Verbreitung und Anwendung daraus gewonnener wissenschaftlicher Erkenntnisse auf dem Gebiet der Biologie des Menschen zu fördern. Dazu werden in regelmäßigen Abständen wissenschaftliche Kongresse und andere fachspezifische Veranstaltungen durchgeführt. Die bedeutendste Veranstaltung ist dabei der alle zwei Jahre stattfindende Kongress der Gesellschaft für Anthropologie (GfA), bei dem sich die Vertreter der anthropologisch arbeitenden Standorte im deutschsprachigen Raum mit internationalen Gästen und Teilnehmern fachlich austauschen. Eine weitere Aufgabe der Gesellschaft ist die Vertretung des Faches in der Öffentlichkeit. In jüngster Zeit werden vermehrt anthropologisch relevante Inhalte in der breiten Medienwelt kommuniziert und diskutiert (wie z.B. die ältesten Hominiden-Funde, die Ausbreitung von Pathogenen in Europa, aktuelle Erkenntnisse zur forensischen Gesichtsrekonstruktion oder die Identifikation historischer Persönlichkeiten). 

Die GfA ist bemüht, z.B. durch Stellungnahmen, oder Zertifizierung auf den angemessenen Umgang mit Begrifflichkeiten und eine fachlich fundierte Bearbeitung von Skelettfunden hinzuwirken.  Die Gesellschaft fördert zudem die Zusammenarbeit mit anderen Fachgebieten und Fachgesellschaften.

Im Jahr 2009 wurde durch die praktische und organisatorische Unterstützung der GfA mit einer Gruppe von Studierenden die Umlagerung einer großen Skelettsammlung in Jena durchgeführt.  Die Skelette befanden sich in einem alten Wasserschloss unter denkbar ungünstigen Lagerungsbedingungen (Dachbodenlagerung mit Taubenbesiedelung).  Die Skelette mussten alle umkartoniert werden, um sie wieder der Sammlung des Thüringischen Landesamtes zuzuführen (Abb.1).

Abb. 1 Einsatz in Jena, Umlagerung einer Skelettsammlung mit studentischer Unterstützung

Eine drohende Aufteilung der wissenschaftlich wertvollen Virchow und der S-Schädelsammlung aus dem Bestand der Berliner Charité konnte durch den Einsatz von Mitgliedern und Unterstützung vom Vorstand der GfA verhindert werden. Die Sammlung ist jetzt glücklicherweise unter kuratorischer Verantwortung der Anthropologin Barbara Teßmann, M.A. Skelettsammlungen sind für die Lehre, aber auch als Quellenmaterial diverser biologischer Informationen von großer Bedeutung für die Anthropologie. Deshalb sind sowohl die Sicherung dieser Sammlungen als auch ihre wissenschaftliche Aufarbeitung unabdingbar.

Die Mitglieder der GfA sind auf diversen Veranstaltungen vertreten. Auf dem 8. Archäologenkongress haben z.B. Mitglieder der Arbeitsgruppe Freiberuflicher Osteo-Anthropologen (AFOA) eine Informationsveranstaltung zu den Methoden der Anthropologie angeboten. Auf der Archäoworks-Veranstaltung im Mai dieses Jahres waren Mitglieder und Teile des Vorstandes der GfA ebenfalls mit einem Informationsstand vertreten.  

Innerhalb der GfA bestehen sieben Arbeitsgemeinschaften, die sich mit den verschiedenen Aspekten der anthropologischen und humanbiologischen Forschung befassen. Die dabei vertretenden Fachrichtungen umfassen die folgende Schwerpunkte: Biologische und prähistorische Anthropologie, Archäometrie, Geschlechterforschung, Humanethologie, Prävention, Forensische Anthropologie und Pädagogik. Die aktuellen Inhalte der biologischen Anthropologie reichen dabei beispielsweise von der Beschreibung von morphologischen Unterschieden der geschlechtstypischen Ausprägung von Unterkiefern des Homo sapiens in Zentraleuropa bis hin zu  Untersuchungen an verschiedenen Skelettserien und Hinweise auf krankhafte und verletzungsbedingte Veränderungen in menschlichen Überresten. Im Besonderen besteht die verstärkte Tendenz des fachübergreifenden Einsatzes von verschiedenen naturwissenschaftlichen Methoden, wie z.B. der 3D-Morphometrie, Isotopie- und DNA Analysen, die zunehmend an Bedeutung gewinnen und eine breitgefächerte Auswertung und Interpretation der Untersuchungsergebnisse erlaubt.

In der Archäometrie zeigt sich vor Allem, dass der Einsatz von modernen Sequenzierungstechnologien, dem sogenannten next-generation sequencing,  zu einem immensen Fortschritt in dem Bereich der Erforschung alter DNA (aDNA) geführt hat. Insbesondere im Bereich der Rekonstruktion der Entwicklung und Ausbreitung von Krankheitserregern, wie beispielsweise der Pest, Tuberkulose und Lepra, können damit wichtige neue Einblicke gewonnen werden. Zusätzlich gewährte die Analyse stabiler Isotope in menschlichen und tierischen Skelettmaterial tiefe Einblicke in Ernährungsfragen und Migrationsverhalten früherer Bevölkerungen, sowie Domestikationsprozesse.

Die forensische Anthropologie hat eine wichtige Bedeutung als Brücke zur Gerichtsmedizin. Sowohl im Bereich der Identifikation, als auch bei der  Determinierung biologischer Aspekte eines Individuums, z.B. Sterbealter, Geschlecht, metrische Angaben wie Körperhöhe oder Robustizität und Gesundheitszustand anhand von Skelettfunden, werden neue Ansätze entwickelt.

Im Bereich der Prävention werden zum Beispiel neue  Referenzen zu einer verbesserten Bewertung des Body Mass Index (BMI) erstellt, der für die Klassifizierung von Übergewicht und Fettleibigkeit in Kindern und Erwachsenen herangezogen werden kann.  Zudem wurden auch Fragen zu den genetischen und hormonellen Hintergründen von Schlafproblemen eingehend untersucht.

Die Arbeitsgruppe der Humanethologen beschäftigt sich in ihrer aktuellen Forschung unter anderem mit der Interaktion von Kunst, Literatur, Musik, Architektur und menschlichem Verhalten. Interessante Zusammenhänge zwischen der menschlichen Stammesgeschichte der Entwicklung von Kunst und Kultur können dabei demonstriert werden. Im dem Bereich der Pädagogik zeigt sich, inwieweit die Anthropologie zu der aktuellen Diskussion zur Fragen der Erziehung und schulischer Ausbildung beitragen kann.

Auf dem Gebiet der Geschlechterforschung wird in aktuellen Studien der Einfluss von Gesundheit, Ernährung und ökonomischen Faktoren auf das Wachstum und die Reifung von Jungen und Mädchen untersucht. Zum Anderen wird der Frage nachgegangen, wodurch die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Fortpflanzungsfähigkeit begründet liegen. Im Bereich der Mumienforschung  werden zunehmend modernste wissenschaftlichen Methoden angewandt um Ergebnisse zur Herkunft, Alter, Geschlecht und Krankheiten zu erzielen.

Dieser kurze Überblick der anthropologischen und humanbiologischen Forschung zeigt die große Vielfalt des Faches und das hohe Maß der Interdisziplinarität, die den Großteil der aktuellen Forschungsinhalte auszeichnet.

Trotz des großen Interesses an der Anthropologie unterliegt das Fach schon seit Jahren einem kontinuierlichen Abbau an den Universitäten.  Traditionell war  Anthropologie als eine sehr breitgefächerte Disziplin in der Universitären Landschaft in Deutschland gut vertreten, ist jedoch inzwischen zu Gunsten anderer Fachgebiete oder durch Spezialisierung stark reduziert worden. Auch die Osteologie wird nur noch an wenigen Universitäten angeboten. Im Gegensatz dazu stieg in den letzten Jahren der Bedarf an fachlich kompetenten Anthropologen, die insbesondere in der Archäologie bzw. in Zusammenarbeit mit archäologischen Landesämtern, Grabungsfirmen und Museen die Bearbeitung von Skelettfunden übernehmen. Diese Lücke konnte durch die Gründung der Arbeitsgemeinschaft freiberufliche Anthropologen teilweise geschlossen werden (Abb. 2).

Abb. 2 Mitglieder der Arbeitsgruppe Freiberuflicher Osteoanthropologen während eines Workshops mit Objekten der Virchow-Schädelsammlung

In der aktuellen Tätigkeit der Freiberufler steht die Skelett- und Leichenbrandbefundung mit der Ermittlung der Individualdaten und paläopathologischen Veränderungen im Mittelpunkt. Zudem gewinnen archäometrische Analysen zunehmend an Bedeutung. Eine wichtige Aufgabe der AG ist neben der Vertretung der Interessen der Freiberufler, eine kontinuierliche Qualitätssicherung zu gewährleisten, aber auch als genereller Ansprechpartner für Auftraggeber zu fungieren. Der Vorstand der GfA unterstützt die Anliegen mit einer Zertifizierung. Dabei wird das Wissen und Können sowie Kompetenzen und Qualifikationen der freiberuflich arbeitenden Kollegen/innen der GfA überprüft und bewertet. Dies soll der Qualitätssicherung und der Einhaltung von wissenschaftlichen Standards der osteoanthropologischen Arbeiten dienen und auch potentiellen Auftraggebern eine Orientierung für die Vergabe von Aufträgen sein.

In Bezug auf die schwindenden Stellen und Möglichkeiten Osteologie im Rahmen eines Anthropologie Studiums zu erlernen, hat die GfA aktuell eine Initiative zur Erhaltung der wenigen Stellen an Universitäten gestartet. Zusammen mit Kollegen aus der Archäologie, Denkmalämter und Anthropologie selbst, sollen die Ministerien der Länder über die Dringlichkeit der Situation informiert werden. Bei der ArchäoWorks Messe in Berlin vom 8.-10. Mai 2015 gab es die Gelegenheit mit zahlreichen Studierenden und KollegInnen aus der Archäologie zu sprechen und sie zu dieser Thematik zu sensibilisieren. Die Bereitschaft zur Unterstützung, aber auch die Unterstreichung der Notwendigkeit der Anthropologie als wissenschaftlicher Partner der Archäologie, war stets zu hören.  

Die GfA bemüht sich auch um eine intensive Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, da trotz der bundesweiten Standortproblematik ein konstant großes Interesse an dem Fach bei den Studierenden vorhanden ist. Zudem verzeichnet die Gesellschaft eine zunehmende Mitgliederzahl von Nachwuchswissenschaftlern. Innerhalb der GfA hat sich dabei eine Gruppe der Nachwuchswissenschaftler etabliert, die Nachwuchstreffen durchführen und einen Newsletter herausgeben. Die Gesellschaft fördert den Nachwuchs durch die Vergabe von Preisen, wie beispielsweise  Vortrags- und Posterpreisen bei den Kongressen der GfA und dem Hubert-Walter Preis für hervorragende Dissertationen. Darüber hinaus werden Reisekostenunterstützungen zur Teilnahme an Fachtagungen und für das Nachwuchstreffen bereit gestellt. Informationen zu Stellenangeboten  und relevanten Veranstaltungen werden regelmäßig per Rundmail und auf der GfA Homepage kommuniziert. Die Homepage der Anthropologischen Gesellschaft ist unter www.gfanet.de zu finden.

Das Publikationsorgan der GfA ist: Anthropologischer Anzeiger [Journal of Biological and Clinical Anthropology].

GNAA - Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie ARCHAEOMETRIE e.V.

von Andreas Hauptmann

Profil

Heute gibt es so gut wie keine archäologische Grabung mehr, an der nicht ein oder mehrere Naturwissenschaftler mitarbeiten. Das zeigt sich am deutlichsten am Beispiel der Radiokarbondatierung (14C-Datierung), die als das am meisten verbreitete numerische Datierungsverfahren nicht mehr wegzudenken ist. Die Archäologie hat sich von ihrem früheren „klassischen“ Zuschnitt gewandelt und nutzt heute in zunehmendem Maße naturwissenschaftliche Analysenverfahren, um ihre Fragestellungen beantworten zu können. Diese Anwendung und die spezielle Entwicklung naturwissenschaftlicher Verfahren zur Lösung archäologischer Fragestellungen nennt man Archäometrie. Sie schließt die fächerübergreifende Mitwirkung der Biowissenschaften, Chemie, Geowissenschaften und Physik von naturwissenschaftlicher Seite sowie der archäologischen Disziplinen, Kunstgeschichte, Denkmalpflege und Restaurierung von kulturhistorischer Seite ein.

Isotopenanalyse fossiler organischer Überreste

Archäometrische Untersuchungen sind so alt wie die archäologischen Wissenschaften selbst und bereits Winckelmann arbeitete mit dem „Vater der Analytischen Chemie“, Martin Heinrich Klaproth im 18. Jahrhundert zusammen. Das wohl größte Analysenprojekt zur frühen Metallurgie in Europa wurde in den 1950er und 1960er Jahren von Junghans, Sangmeister und Schröder (1960, 1968, 1974) durchgeführt, die rund 37.000 Analysen an Metallartefakten durchführten. Um dem steigenden Bedarf an modernen archäometrischen Untersuchungen gerecht zu werden, und um die Brücke zu schlagen zwischen Archäologen und Naturwissenschaftlern, wurde am 28.Mai 1999 anlässlich des 3. Deutschen Archäologiekongresses in Heidelberg die Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie ARCHAEOMETRIE (GNAA) gegründet. Seither hat sich die Archäometrie von einer Hilfswissenschaft zur Partnerwissenschaft der Archäologie und Denkmalpflege entwickelt. Die Archäometrie ist in Forschung und Lehre für Archäologen und Denkmalpfleger in höchstem Maße attraktiv geworden. Selbst in Lehrbüchern wird heute betont, dass die heutige Archäologie gleichermaßen sowohl Natur- als auch Geisteswissenschaften umfasst (Renfrew & Bahn 2009).

Radiometrische DatierungsmethodenDie Autoren betonen dabei jedoch die Wichtigkeit, (seitens der Archäologie) die richtigen Fragestellungen zu formulieren, um die Interaktion und Teamarbeit zwischen beiden Wissenschaftszweigen zu optimieren. So sind etwa die von ihnen formulierten Fragen „Wo? Wann? Wie war die Umwelt? Was aßen die Menschen? Wie waren Umwelt, Lebensgrundlagen und Nahrung beschaffen? Wie wurden Artefakte hergestellt? Wohin wurden sie verhandelt?“ von zentraler Bedeutung. Sie haben zur Entwicklung einer Reihe von Forschungsgebieten geführt, wie z.B. dem der Archäometallurgie.

Erze und Metalle haben von jeher enorme kulturgeschichtliche und wirtschaftspolitische Bedeutung gehabt, weshalb die Erforschung von Technologie und Handel von größter Wichtigkeit ist. Außerdem werden in der Archäobotanik und Archäozoologie pflanzliche und organische Überreste von Menschen und Tieren untersucht. Abbildung 1 zeigt die enorme Bandbreite an Informationen, die man mittels analytischer Methoden aus einem Knochen gewinnen kann. Die Geoarchäologie widmet sich frühen Landschaftsveränderungen: verursacht durch die Natur und durch die Mensch-Umwelt-Spirale. Die Archäokeramik widmet sich dem Material, das bei archäologischen Ausgrabungen wohl am häufigsten anfällt, nämlich der Keramik. Ob Haushaltskeramik, „feuerfeste“ Keramik, Baukeramik, Dekoration von Keramik, deren Technik und Provenienz sind von elementarem Interesse für die Archäologie. Besondere Bedeutung hat die Isotopenarchäologie mit der rasanten Entwicklung der Massenspektrometrie erlangt. Die Prospektionsmethoden haben sich im bodennahen Bereich instrumentell enorm verbessert und werden routinemäßig eingesetzt. Die vielfältigen Möglichkeiten des „remote sensing“, verbunden mit dem GIS, haben hier eine neue Dimension von Einsatzmöglichkeiten geschaffen. Schließlich seien Anthropologie und Humangenetik genannt. Besonders die letztere ist mit der Möglichkeit, mittels des DNA-Moleküls den Katalog aller genetischen Informationen auch von altem organischen Material zu entschlüsseln, kaum mehr aus der Archäologie wegzudenken. Die Bandbreite der numerischen Datierungsverfahren, wie sie in Abbildung 2 zusammengestellt sind, haben eine Reihe von Korrekturen relativ-chronologischer Datierungen ermöglicht, sei es nun bei der Entwicklung der Hominiden, der Rückdatierung neolitischer und bronzezeitlicher Funde und Befunde, oder der minoische Ausbruch auf Thera/Santorin.

Über alle diese Verfahren und Einsatzmöglichkeiten naturwissenschaftlichen Verfahren gibt es inzwischen eine Flut von Publikationen. Autoren der GNAA haben drei Bücher zu Themen der Archäometrie herausgebracht, in der die wissenschaftliche Bandbreite deutlich wird, nämlich in dem von Wagner (2007), Hauptmann & Pingel (2008) und Reindel & Wagner (2009). Sie umfassen zahlreiche Beiträge, in denen aktuelle Forschungsbeispiele dargestellt sind.

Was will die Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie -ARCHAEOMETRIE?

Die GNAA hat das Ziel, Archäometrie in Forschung und Lehre zu fördern. Sie sucht den fächerübergreifenden Dialog zwischen naturwissenschaftlichen und kulturhistorischen Fächern, um damit zur Lösung archäologischer, kunstgeschichtlicher und denkmalpflegerischer Fragestellungen beizutragen.

BleiisotopenanalyseDie Gesellschaft nimmt dadurch die Funktion einer Schnittstelle zwischen kulturhistorischen und naturwissenschaftlichen Fächern wahr. Zur Erreichung dieses Zwecks werden Fachtagungen organisiert, wissenschaftliche Veröffentlichungen und Informationen verbreitet sowie die Zusammenarbeit mit Institutionen vergleichbarer Zielsetzung sowie sachbezogene Öffentlichkeitsarbeit in In- und Ausland vorgenommen. Die Gesellschaft soll Ansprechpartner für andere Fachgesellschaften, für Forschungsförderungseinrichtungen, für Verlage, und für ausländische Partner sein. Die Gesellschaft ist weiterhin bestrebt, bei Fragen der (akademischen) Lehre behilflich zu sein.

Der Zweck der Gesellschaft ist, Archäometrie in Forschung und Lehre zu fördern. Dies schließt die fächerübergreifende Mitwirkung der Biowissenschaften, Chemie, Geowissenschaften und Physik von naturwissenschaftlicher Seite sowie der archäologischen Disziplinen, Kunstgeschichte, Denkmalpflege und Restaurierung von kulturhistorischer Seite ein. Hierzu werden Fachtagungen, wissenschaftliche Veröffentlichungen und Informationen, Zusammenarbeit mit Institutionen vergleichbarer Zielsetzung sowie sachbezogene Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt.

Aktivitäten der GNAA

Die Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie ARCHAEOMETRIE e.V. sucht den fächerübergreifenden Dialog zwischen kulturwissenschaftlichen und kulturhistorischen Fächern. Sie fördert die Zusammenarbeit von Institutionen vergleichbarer Zielsetzung und verfolgt eine sachbezogene Öffentlichkeitsarbeit.

Die GNAA veranstaltet regelmäßig Sitzungen und Vortragsreihen an den Deutschen Archäologentagungen, zuletzt am 7. Deutschen Archäologiekongress in Bremen, wo eine ganztägige Sitzung der Bandbreite der Isotopenanalytik organisiert wurde. Dank revolutionärer analytisch- instrumenteller Entwicklung in der Massenspektrometrie in den letzten zwei Jahrzehnten hat diese ungeahnte Anwendungen für Untersuchungen an organischen Überresten in der Archäologie gefunden: Strontium-, Sauerstoff-, Stickstoff-, Uran- und Thoriumisotopie werden zur Rekonstruktion von Mobilität und Migrationen eingesetzt. Untersuchungen wie diese haben in den letzten Jahren deutlich aufgezeigt, dass Ortswechsel und Wanderungen seit jeher eng zur Dynamik des Menschseins dazu gehören (Knipper 2004; Tütken 2010). Auch klimatische Rekonstruktionen werden durchgeführt. Die Bleiisotopie hat für Provenienzstudien von Metallartefakten entscheidend an Bedeutung gewonnen. In Abbildung 3 ist ein Bleiisotopendiagramm gezeigt, das für die Herkunftsuntersuchungen der Bronze der Nebrascheibe erstellt wurde. Neu hinzugekommen sind Isotopenanalysen von Osmium, Zinn und Kupfer, deren Anwendungspotential noch gar nicht ausgeschöpft ist. Außerdem veranstaltet die GNAA Tagungen in enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Archäometrie der Gesellschaft Deutscher Chemiker sowie dem für Archäometrie und Denkmalpflege der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft. Sie finden alle eineinhalb Jahre statt und konzentrieren sich auf naturwissenschaftliche Aspekte der Archäometrie.

Als besonderen Service bietet die GNAA ihren Mitgliedern den Bezug der angesehenen Fachzeitschriften Archaeometry und Archaeological and Anthropological Sciences zu günstigen Konditionen an (Abb. 4). Beide Zeitschriften werden auch in Zusammenarbeit mit der GNAA herausgegeben und Mitglieder der GNAA werden ermutigt Manuskripte bei diesen Zeitschriften einzureichen. Informationen zu den verschiedenen Möglichkeiten der Mitgliedschaft mit/ohne Abonnement einer/mehrere Zeitschriften sind der homepage der GNAA (www.archäometrie.de) zu entnehmen. Im Archäometrischen Nachrichtenblatt können sich die Mitglieder zweimal jährlich über die wichtigsten Neuigkeiten (Tagungen, Publikationen, Lehrveranstaltungen u.v.a.) informieren.

Die Gesellschaft ist auch Ansprechpartner für Forschungsförderungseinrichtungen, für Verlage und andere Fachgesellschaften, für ausländische Partner und bei Fragen der akademischen Lehre. Inzwischen gibt es einige Universitäten, an denen Archäometrie studiert werden kann, so z. B. in Bochum (BA Archäometrie), Frankfurt/Main (Teilstudiengang Archäometrie, BA im Nebenfach) und Tübingen (Nebenfach Naturwissenschaftliche Archäologie). Weitere Lehrveranstaltungen und archäometrische Forschungsaktivitäten sind an zahlreichen universitären und außeruniversitären Institutionen in Deutschland zu finden (Berlin, Bonn, Göttingen, Kiel, Mainz, München, Weimar, Würzburg u.a.). Sie sind im Archäologischen Nachrichtenblatt 16, 2011 zusammengestellt. Alle, und insbesondere studentische Interessenten, die sich der modernen, naturwissenschaftlichen Archäologie = Archäometrie verpflichtet fühlen, sind zur Mitgliedschaft in die GNAA eingeladen.

 

Literatur

  • Günther A. Wagner, 2008. Archäochronometrie: Lumineszenzdatierung. In: Andreas Hauptmann & Volker Pingel (Hrsg.), Archäometrie. Methoden und Anwendungsbeispiele, 171-182. Schweizerbart, Stuttgart
  • Knipper, Corinna, 2004. Die Strontiumisotopenanalyse: Eine naturwissenschaftliche Methode zur Erfassung von Mobilität in der Ur- und Frühgeschichte. Jahrb. Röm.-German. Zentralmuseum 54,2,589-685.
  • Pernicka, Ernst, 2010. Archäometallurgische Untersuchungen am und zum Hortfund von Nebra. In: Harald Meller & Francois Bertemes (Hrsg.), Der Griff nach den Sternen. Internat. Symposium, Halle (Saale), Februar 2005, 719-734.
  • Reindel & Günther A. Wagner (Hrsg.), 2009. New Technologies in Archaeology. Springer, Berlin-Heidelberg
  • Renfrew, Colin & Bahn, Paul, 2009, Basiswissen Archäologie. Theorien, Methoden, Praxis. Wiss. Buchgemeinschaft, Darmstadt
  • Tütken, Thomas, 2010. Die Isotopenanalyse fossiler Skelettreste – Bestimmung der Herkunft und Mobilität von Menschen und Tieren. In: H. Meller & K. Alt (Hrsg.), Anthropologie, Isotopie und DNA. Beitr. 2. Mitteldeutscher Archäologentag, 8.-10.10.2009 in Sachsen, 33-51. Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt, Halle
  • Wagner, Günther A. (Hrsg.), 2007, Einführung in die Archäometrie. Springer, Berlin-Heidelberg
  • Wagner, Günther A., Rieder, Hermann, Zöller, Ludwig & Mick, Erich (Hrsg.), 2007. Homo heidelbergensis. Theiss, Stuttgart

 

Archaeometry     Journal of Archaeological and Anthropological Sciences

Die Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie ARCHAEOMETRIE ist Mitherausgeber von den zwei Fachzeitschriften Archaeometry und Journal of Archaeological Sciences, welche die Mitglieder zu vergünstigten Konditionen abonnieren können.

Prof. Dr. Andreas Hauptmann
Deutsches Bergbau-Museum Bochum
Leibniz-Kompetenzzentrum Archäometrie
Hernerstraße 45 44787 Bochum

Andreas.hauptmann@bergbaumuseum.de

www.archäometrie.de

 

 

Hugo Obermaier-Gesellschaft für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit e.V.

von Leif Steguweit

Profil

Die Hugo Obermaier-Gesellschaft für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit e.V. (kurz: HOG) ist ein 1951 gegründeter gemeinnütziger Verein, der sich der Archäologie des Pleistozäns und seines naturwissenschaftlichen Umfeldes verschrieben hat. Insbesondere stehen hier die archäologischen Kulturen des Paläolithikums und Mesolithikums im Vordergrund. Die Gesellschaft trägt den Namen zu Ehren von Hugo Obermaier (1877-1946), der als Prähistoriker deutscher Abstammung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zugleich einer der ersten europäisch agierenden Forscher auf dem Gebiet der Urgeschichte war.

Die Gesellschaft wurde 1951 unter Führung des Prähistorikers Lothar Zotz gegründet. Im Jahre 1956 erhielt sie den Zusatz „für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit“[1]. Mitglieder sind Fachwissenschaftler der Ur- und Frühgeschichte, der Geologie, Geographie, Paläontologie, Paläobotanik, Paläoklimatologie und Anthropologie sowie interessierte Laien. Der Gesellschaft gehören etwa 250 Einzelmitglieder sowie verschiedene Institutionen aus ganz Europa an. Die Mitgliedschaft steht allen interessierten Personen ohne Vorbedingung offen, die Bewerbung dazu erfolgt – wegen des handunterschriebenen Aufnahmeformulars – auf dem Postweg an die Geschäftsstelle in Erlangen.

Neolithisches Hornsteinbergwerk Arnhofen  Neandertalerfundplatz Krapina (Kroatien)

 

Der Vereinssitz ist Regensburg, die Geburtsstadt Hugo Obermaiers. Die Geschäftsstelle wird durch das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Erlangen geführt.

Aufgabe der Gesellschaft ist es, die Interessen und Anliegen der Quartärforschung insbesondere im Hinblick auf die Erforschung des Steinzeitmenschen, seiner Umwelt und seiner Kulturen zu pflegen und zu fördern. Vorrang sollen dabei stets Arbeiten haben, die in der geistigen Tradition des Schaffens von Hugo Obermaier stehen. Als Ziele werden in der Satzung folgende Punkte genannt:

  • Unterstützung und Herausgabe des Jahrbuchs Quartär,
  • Pflege der Beziehungen zu ausländischen Quartär- und Steinzeitforschern,
  • Durchführung von Tagungen,
  • Unterstützung von archäologischen Ausgrabungen und Forschungsprojekten.

Mit der Jahreshauptversammlung im April 2012 trat die HOG dem Deutschen Verband für Archäologie bei.

Die Gesellschaft richtet jeweils in der Woche nach Ostern ihre Jahrestagungen aus. Die Tagungen gehören zu den wichtigen Treffen für Fachwissenschaftler und Studierende der genannten Disziplinen, um aktuelle Forschungs- und akademische Abschlussarbeiten einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Daneben sind sie auch interessierten Laien zugänglich. Seit 1999 halten sich Tagungsorte in Deutschland und im europäischen Ausland etwa die Waage, was gegenüber der Zeit davor einen Trend zur Internationalisierung der HOG anzeigt: 1999 in Mikulov, 2000 in Tübingen, 2001in Halle (Saale), 2002 in Innsbruck, 2003 in Santander, 2004 in Greifswald, 2005 in Neuchâtel (Schweiz), 2006 in Köln, 2007 in Trento, 2008 in Erlangen, 2009 in Ljubljana, 2010 in Leipzig, 2011 in Herne, 2012 in Toulouse und 2013 in Wien.

Publikationen

Museum d´ Histoire Naturelle ToulouseAuf dem Kongress der Internationalen Quartärvereinigung (INQUA) in Wien 1936 beschlossen die Teilnehmer, eine Zeitschrift zu gründen, in der Beiträge zur Stratigraphie des Quartärs und zur ältesten Menschheitsgeschichte veröffentlicht werden. Die Herausgabe der Bände 1 (1938) und 2 (1939) des Jahrbuchs QUARTÄR übernahmen Rudolf Grahmann und Lothar Zotz. Die QUARTÄR-Bände 3 (1941) und 4 (1942) und folgenden bis einschließlich Band 17 (1966) wurden von Lothar Zotz allein herausgegeben. Nach einer Lücke durch die Kriegs- und frühen Nachkriegsjahre erschien das Jahrbuch ab Band 5 (1951) wieder regelmäßig, wobei dieser Band noch maßgeblich durch die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft finanziert wurde.

Ab dem Band 6 (1953), dem ersten Band nach Gründung der Obermaier-Gesellschaft, erhielt die Reihe den Untertitel „Jahrbuch der Hugo Obermaier-Gesellschaft für Erforschung des Eiszeitalters und seiner Kulturen“. Seit den 1970-er Jahren bis einschließlich Band 53/54 (2006) wurden meist Doppeljahrgänge herausgegeben. Ein Verlagswechsel erfolgte ab dem Band 39/40 (1989) vom Ludwig-Röhrscheid-Verlag zur Saarbrücker Druckerei und Verlag (SDV).

Seit dem Band 55 (2008) erscheinen die Bände jährlich im Verlag Marie Leidorf (VML) und tragen nun den Untertitel „Internationales Jahrbuch zur Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit“. Seit 2012 sind alle Artikel der zurückliegenden Jahrbücher im Open Access als PDF-Dateien zugänglich[2]. Vom zuletzt erschienenen Band sind im ersten Jahr lediglich die Zusammenfassungen der Artikel online einsehbar.

Seit Gründung wurden im Auftrag der Obermaier-Gesellschaft neun Bände der Monographien-Reihe QUARTÄR-Bibliothek herausgegeben[3]. Dazu gehören vier Bände, die sich mit dem Paläolithikum der Sesselfelsgrotte beschäftigen.

Die Hugo Obermaier-Gesellschaft unterhält für Mitglieder und Interessenten einen umfangreichen Webauftritt, der unter der Domaine www.obermaier-gesellschaft.de sowohl in deutscher als auch englischer Sprache abrufbar ist. Alle wesentlichen Informationen zu Mitgliedschaft, Tagungen, aber auch zur Geschichte der Gesellschaft und zu Lebensstationen Hugo Obermaiers sind dort einsehbar.

Hugo-Obermaier-Förderpreis

Seit dem Jahre 2006 vergibt die Gesellschaft alle zwei Jahre einen Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro für Doktorandinnen und Doktoranden, die ein eigenes Grabungsprojekt im Bereich der Altsteinzeit oder Mittelsteinzeit durchführen wollen[4].

Literatur

[1] Christian Züchner: Fünfzig Jahre Hugo Obermaier-Gesellschaft für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit. Geschichte und Ziele der Gesellschaft. Quartär 53/54, 2006, S. 9-20

[2] Download-Archiv unter www.quartaer.eu/archiv.html

[3] Liste der Monographien in der Reihe „Quartär-Bibliothek“ unter http://www.obermaier-gesellschaft.de/publikationen.html

[4] Satzung des HO-Förderpreises: www.obermaier-gesellschaft.de/satzung.html

Abbildungen 1) Hugo Obermaier-Plakette, Bronzeguss, zugleich Logo der HOG 2) Exkursion im Anschluss an die Tagung 2008 ins neolithische Hornsteinbergwerk Arnhofen (Bayern) 3) Exkursion im Anschluss an die Tagung 2009 zum berühmten Neandertalerfundplatz Krapina (Kroatien) 4) Postersession während der Tagung 2012 im Museum d´ Histoire Naturelle Toulouse

Verfasser:

Dr. Leif Steguweit (Schriftführer, für den Vorstand)
Hugo Obermaier-Gesellschaft c/o Institut für Ur- und Frühgeschichte,
Universität Erlangen, Kochstr. 4/ 18, 91054 Erlangen

www.obermaier-gesellschaft.de

obermaier-gesellschaft@arcor.de

MOVA - Mittel- und Ostdeutscher Verband für Altertumsforschung e.V.

von Jasper v. Richthofen

Geschichte und Perspektive

Gründungsveranstaltung des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für AltertumsforschungIm Hörsaal des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle (Saale) gründete sich am 13. Mai 1991 der Mittel- und Ostdeutsche Verband für Altertumsforschung (MOVA). Der 1. Vorstand setzte sich zusammen aus Günter Wetzel (Potsdam-Babelsberg) als erster Vorsitzender, Frau Sigrid Dušek (Weimar) als zweite Vorsitzende, Rosemarie Leineweber (Halle) als Schriftführerin und schließlich Klaus-Dieter Jäger (Jena) als Schatzmeister.

Die Gründung des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung war letztlich auch eine Folge der dramatischen Ereignisse im Herbst 1989, die zum Ende der Deutschen Demokratischen Republik und deren Vereinigung mit der Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 geführt hatten. Der Verbandsgründung voran gegangen waren kontroverse und schwierige Diskussionen, die vor allem das Jahr 1990 prägten. Das Ende der DDR führte im Osten Deutschlands nicht nur zu einer radikalen Veränderung der politischen Verhältnisse. Kaum ein Lebensbereich der Menschen blieb in diesen mitunter turbulenten Zeiten des Wandels und des Umbruchs von Veränderungen ausgespart. Auch die Bedingungen der archäologischen Denkmalpflege sowie der Landes-, Stadt-, Regional- und Heimatmuseen mit archäologischen Sammlungen und deren Aufgaben erlebten seit dem Frühjahr 1990 eine grundlegende Revision. Bestehende Verwaltungs- und Personalstrukturen sowie Zuständigkeiten wurden in Frage gestellt und mitunter überstürzt tiefgreifend verändert.

So erfolgte die Führung und Betreuung ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger, dem Rückgrat der archäologischen Denkmalpflege, bis 1990 gemeinsam durch die Landesmuseen und den Kulturbund der DDR unter der Leitung des Zentralen Fachausschusses für Ur- und Frühgeschichte, dem wiederum Bezirks- und Kreisfachausschüsse nachgeordnet waren. Nach Wegfall der Aufgabenwahrnehmung durch den Kulturbund mussten die Landesmuseen und Landesämter nunmehr allein für die Betreuung sorgen. Als struktureller Rahmen für die damals, wenn auch mit regionalen Schwerpunkten immer noch sehr zahlreichen ehrenamtlichen Archäologen und Helfer wurden daraufhin vielerorts Archäologische Gesellschaften als eingetragene Vereine gegründet. Diese sollten die archäologische Forschung innerhalb des jeweiligen neuen Bundeslandes fördern. Vor allem aber fanden sich hier aktive Laienforscher, archäologisch Interessierte und Fachleute als persönliche Vereinsmitglieder zusammen.

Exkursion nach RügenIn Sachsen-Anhalt gründeten sich so am 15. Juni 1991 die Archäologische Gesellschaft Sachsen-Anhalt e. V., am 12. Dezember 1991 die Archäologische Gesellschaft Mecklenburg-Vorpommern e. V. und am 18. November 1992 die Archäologische Gesellschaft Brandenburg e. V., deren Arbeitsgebiet später auch um Berlin erweitert wurde. Schließlich kam es am 31. Mai 2003 zur Gründung der Archäologischen Gesellschaft in Thüringen e. V. und am 7. Dezember 2011 wurde als letzte im Verbandsgebiet die Archäologische Gesellschaft in Sachsen e. V. ins Leben gerufen.

Der Mittel- und Ostdeutsche Verband für Altertumsforschung e. V. gründete sich als Dachverband für die Institutionen und Vereine, die sich in den neuen Bundesländern mit Erforschung der Ur- und Frühgeschichte und archäologischer Denkmalpflege befassen – neben den neuen Archäologischen Gesellschaften und anderen Vereinen auch Hochschulinstitute, Heimat-, Stadt-, Regional- und Landesmuseen sowie Stadt-, Kreis- und Landesdenkmalämter. Mitgliedschaften von Einzelpersonen waren daher zunächst nicht angestrebt, nicht zuletzt um nicht in Konkurrenz mit den Archäologischen Gesellschaften zu treten.

Eine ehedem kurzzeitig diskutierte Erweiterung der Zuständigkeitsbereiche des Nordwestdeutschen Verbandes oder auch des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung um die Länder der ehemaligen DDR durch Beitritt der Institutionen und Vereine stellte keine konsensfähige Optionen dar. Verpasst wurde auch die historische Gelegenheit, einen gesamtdeutschen Verband zu begründen, wie es vom Vorsitzenden des West- und Süddeutschen Verbandes, Herrmann Ament anlässlich der Verbandstagung in Pottenstein vom 5. bis 9. Juni 1990 und auch bei anderen Gelegenheiten in die Diskussion eingebracht wurde.

Immerhin gab es auch auf dem Gebiet der DDR, angefangen mit dem „Ostdeutschen Verband für Altertumsforschung“ und dem 1929 durch Hans Hahne ins Leben gerufenen „Mitteldeutschen Verband für Altertumsforschung“ sowie der „Mitteldeutschen Arbeitsgemeinschaft“ und der „Ostdeutschen Arbeitsgemeinschaft“ im „Reichsbund für Deutsche Vorgeschichte“ Traditionen, die nicht einfach übergangen werden konnten. Andererseits war die Bedeutung und Wirkung jener Verbände und Arbeitsgemeinschaften im Vergleich zu der der beiden westlichen Altverbände eher gering. Darüber hinaus wollte man 1990/91 auch ganz bewusst nicht an diese Entwicklungslinien anknüpfen. Vor diesem Hintergrund ist aber dennoch die Frage einer regionalen ostdeutschen Identität bis in die Gegenwart im vergleichsweise kleinen Mittel- und Ostdeutschen Verband aktuell geblieben. Es ging mit der Gründung nicht etwa darum, überkommene DDR-Traditionen zu bewahren, sondern nach dem Ende der DDR mit einem echten Neubeginn den Blick für regionale Chancen, Probleme und Belange der Ur- und Frühgeschichte in den neuen Bundesländern zu schärfen und sich im regionalen Rahmen um geeignete Lobbyarbeit zu bemühen. Andererseits war die Gründung des dritten Regionalverbandes neben dem West- und Süddeutschen sowie dem Nordwestdeutschen Verband letztlich auch die Voraussetzung zur Schaffung eines gesamtdeutschen Verbandes, wie er zunächst mit dem Präsidium der Deutschen Verbände für Archäologie e.V. und nunmehr auch mit Unterstützung des MOVA immerhin 22 Jahre nach der politischen Wende und der Wiedervereinigung Deutschlands am 5. Oktober 2011 auf dem Archäologenkongress in Bremen aus der Taufe gehoben werden konnte. Mehrfach und zuletzt anlässlich der Verbandstagung vom 25. bis 29. März 2001 gab es Anläufe zur Bildung eines gesamtdeutschen Verbandes.

Bereits 1956 war die Gründung eines „Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung“ geplant. Anlässlich der Sitzung der Sektion für Vor- und Frühgeschichte der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin am 19. März 1957 in Brandenburg a. d. Havel legte der Vorsitzende, Wilhelm Unverzagt, sogar bereits einen durch einige Mitglieder erarbeiteten Satzungsentwurf vor. Dennoch waren 1958 von staatlicher Seite die Möglichkeiten für die Gründung eines Archäologenverbandes für das Gebiet der DDR aus politischen Gründen verhindert worden.

Anlässlich einer Tagung vom 28. bis 31. Mai 1958 in Erfurt sollte damals analog zum Südwestdeutschen und Nordwestdeutschen Verband der „Nordost- und Südostdeutsche Verband für Altertumsforschung“ gegründet werden. Bereits die von „Mittel- und Ostdeutscher Verband“ zu „Nordost- und Südostdeutscher Verband“ veränderte Namengebung bezeugt die schwierige Suche nach Kompromissen zwischen den verschiedenen Interessengruppen und unter den neuen politischen Verhältnissen.

 

In der Einladung zur Tagung hieß es:

„Nachdem die hauptamtliche Vor- und Frühgeschichtsforschung der DDR im Jahre 1952 durch die Gründung der Sektion für Vor- und Frühgeschichte bei der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin ihren Zusammenschluß gefunden hat, ist aus der Kreisen der an den Ergebnissen der Vorgeschichtsforschung interessierten Dienststellen, Museen und Organisationen immer wieder der Ruf nach Schaffung eines Verbandes für Altertumsforschung erhoben worden.

In der Woche nach Pfingsten 1958 wird die Gründungstagung dieses Verbandes in Erfurt stattfinden. Der Verband erhält den Namen „Nordost- und Südostdeutscher Verband für Altertumsforschung“ […] Der neue Verband soll eine im Rahmen der gesamtdeutschen Forschung bisher vorhandene schmerzlich empfundene Lücke schließen, indem er für das Gebiet der DDR gleichberechtigt neben den Nordwestdeutschen und den Südwestdeutschen Verband für Altertumsforschung tritt, so dass die Möglichkeit geschaffen wird, in gewissen Abständen gesamtdeutsche Tagungen für Altertumsforschung abzuhalten.“

Berlin, im Januar 1958
Die Sektion für Vor- und Frühgeschichte der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin
Der Vorsitzende W. Unverzagt

 

Vor dem Hintergrund der angestrebten politischen und staatlichen Abgrenzung der DDR von der Bundesrepublik Deutschland war eine solche Gründung allerdings nicht gewollt, ohne dass dies aber den Organisatoren der Tagung mitgeteilt worden und eine deutsch-deutsche Blamage zu vermeiden gewesen wäre – wie es Werner Coblenz als Zeitzeuge berichtete. Die geladenen westdeutschen Teilnehmer erfuhren offenbar erst an der innerdeutschen Grenze, dass sie kein Einreisevisum erhalten würden. Die Verhinderung der Tagung und damit der Gründung des Altertumsverbandes war offenbar durch Eingabe des Direktors der Fachstelle für Heimatmuseen beim Minister für Kultur der DDR, Heinz Arno Knorr, an die Abteilung Wissenschaft und Propaganda des Zentralkomitees der SED erfolgt. Auch einige Mitglieder der Sektion, namentlich der Historiker und wissenschaftliche Referent der Akademie der Wissenschaften Joachim Streisand und Karl-Heinz Otto als Beauftragter für Ur- und Frühgeschichte beim Präsidium der Deutschen Historiker-Gesellschaft (später Historiker-Gesellschaft der DDR), sollen nach Angaben durch Hermann Behrens als Zeitzeuge gegen eine Gründung gewirkt haben.

Exkursion nach PeenemündeStein des Anstoßes waren die mit dem Wunsch nach Ausrichtung gesamtdeutscher Tagungen angekündigten, seitens der DDR-Führung nicht mehr gewünschten „gesamtdeutschen“ Intentionen der Verbandsgründung. Im Heft 3 der Zeitschrift Ausgrabungen und Funde von 1958 erfolgte ohne Angabe von Gründen die knappe Mitteilung, dass die ehedem angekündigte Gründung des Nordost- und Südostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung nicht realisiert werden konnte und stattdessen in Erfurt eine Arbeitstagung nur der aus der DDR angereisten Teilnehmer stattfand. Anders als es die Verbandsgründer beabsichtigten, folgte im Hinblick auf die wissenschaftliche Zusammenarbeit, auch aufgrund fehlender Reisemöglichkeiten für DDR-Wissenschaftler, die nicht dem „Reisekader“ angehörten, eine seitens der Staatsführung so gewollte und lang anhaltende Phase geringen fachlichen Austauschs mit Wissenschaftlern der Bundesrepublik.

An Stelle des geplanten Nordost- und Südostdeutschen Verbandes kam es unter dem Dach der Deutschen Historiker-Gesellschaft 1959 schließlich zur Gründung der Sektion Ur- und Frühgeschichte, die ihre 1. Tagung vom 30. Oktober bis 1. November 1959 in Schwerin durchführte. Die Sektion und spätere Fachgruppe für Ur- und Frühgeschichte übernahm für die DDR sukzessive jene Funktion, die 1958 dem neu zu gründenden Altertumsverband zugedacht waren. Bis zum Ende der DDR führte sie an unterschiedlichen Orten insgesamt 15 Tagungen zu speziellen Fachthemen durch.

Die Historiker-Gesellschaft der DDR beschloss am 27. Oktober 1990 zum Jahresende ihre Auflösung mitsamt ihrer Fachgruppen, da die Bemühungen, die Gesellschaft zu erneuern und fortbestehen zu lassen, sich als unrealistisch gezeigt hatten. Der letzte Fachgruppenvorsitzende, Hansjürgen Brachmann, strebte wohl zunächst an, die ebenfalls am 27. Oktober 1990 aufgelöste Fachgruppe für Ur- und Frühgeschichte in den sich neu gründenden Mittel- und Ostdeutschen Verband zu überführen. Bereits Anfang 1990 war jedoch deutlich geworden, dass nahezu alle beteiligten Fachkollegen den völligen Neubeginn als unverzichtbar betrachteten.

Eine erste Initiative zur Gründung eines Altertumsverbandes auf dem Gebiet der DDR erging am 2. Februar 1990 durch Markus Agthe und Günter Wetzel, verblieb aber wohl aufgrund der undurchsichtigen Umbruchsituation zunächst ohne maßgebliche Resonanz. Eindringlich warb schließlich in einem Rundschreiben am 6. März 1990 der Vorsitzende des West- und Süddeutschen Verbandes, Herrmann Ament, für die Gründung eines gesamtdeutschen Verbandes für Altertumsforschung und die Auflösung der beiden im Westen bestehenden Regionalverbände. Ament ging zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass es zu keiner Gründung eines Mittel- und Ostdeutschen Verbandes käme und daher der einzige Weg zu einer geordneten gesamtdeutschen Fachstruktur in der Gründung eben eines gesamtdeutschen Verbandes bestehe. Gegen dessen Gründung sprach sich allerdings Joachim Reichstein aus, Vorsitzender des Nordwestdeutschen Verbandes, der seinerseits zahlreichen Institutionen in der DDR einen Beitritt zum Nordwestdeutschen Verband nahe gelegt hatte. Die undurchsichtige Gemengelage des Jahres 1990 im Vorfeld der Gründung des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes wird verdeutlicht durch eine von Mitarbeitern des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden verfasste Stellungnahme zugunsten eines gesamtdeutschen Verbandes. Anderenfalls plädierten die Unterzeichner für einen Beitritt allein des Landesmuseums Dresden zum West- und Süddeutschen Verband.

Unmittelbar zuvor unternahmen Wetzel und Agthe einen erneuten Vorstoß zur Gründung eines Mittel- und Ostdeutschen Verbandes, um auf der Grundlage eines eigenständigen ostdeutschen Verbandes die Gründung eines gesamtdeutschen Verbandes zu diskutieren. Wetzels folgerichtige Intention war es dabei, auf der Grundlage eines starken Mittel- und Ostdeutschen Verbandes eben auch spezifisch mittel- und ostdeutsche Themen und Probleme in die Gründung eines gesamtdeutschen Verbandes einzubringen, wie dies mit der Gründung des Präsidiums der Deutschen Verbände für Altertumsforschung, später umbenannt in Präsidium der Deutschen Verbände für Archäologie, und nun des Deutschen Verbandes für Archäologie im Oktober 2011 in Bremen letztlich auch geschehen ist.

Der Durchbruch auf dem steinigen Weg zur Gründung des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung gelang auf der „Beratung über die Bildung eines Verbandes für Altertumsforschung“ am 12. September 1990, zu der sämtliche sich mit Ur- und Frühgeschichte befassenden Institutionen und Vereine auf dem Gebiet der DDR eingeladen wurden.

Vom 13. Mai 1991 bis zum 26. März 2009 hatte das heutige Ehrenmitglied Günter Wetzel den Vorsitz des MOVA inne, die Vorstandsmitglieder um ihn herum wechselten.

Vorstand

  • Verbandstagung 2009 in Greifswald1991-1994 Günter Wetzel (Vorsitzender),
    Sigrid Dušek (Stellvertretende Vorsitzende),
    Klaus-Dieter Jäger (Schatzmeister),
    Rosemarie Leineweber (Schriftführerin)
  • 1994-2000 Günter Wetzel (Vorsitzender)
    Klaus-Dieter Jäger (Stellvertretender Vorsitzender),
    Bernd W. Bahn (Schatzmeister),
    Rosemarie Leineweber (Schriftführerin)
  • 2000-2003 Günter Wetzel (Vorsitzender)
    Klaus-Dieter Jäger (Stellvertretender Vorsitzender),
    Bernd W. Bahn (Schatzmeister),
    Ruth Struwe (Schriftführerin)
  • 2003-2006 Günter Wetzel (Vorsitzender),
    Sabine Eickhoff (Stellvertretende. Vorsitzende),
    Bernd W. Bahn (Schatzmeister),
    Ruth Struwe (Schriftführerin)
  • 2006-2009 Günter Wetzel (Vorsitzender),
    Sabine Eickhoff (Stellvertretende Vorsitzende),
    Elke Schanz (Schatzmeisterin),
    Ruth Struwe (Schriftführerin)
  • 2009-2012 Jasper v. Richthofen (Vorsitzender),
    Sabine Eickhoff (Stellvertretende Vorsitzende),
    Elke Schanz (Schatzmeisterin),
    Karin Wagner (Schriftführerin)
  • seit 2012 Jasper v. Richthofen (Vorsitzender),
    Thomas Grasselt (Stellvertretender Vorsitzender),
    Elke Schanz (Schatzmeisterin),
    Karin Wagner (Schriftführerin)

Der Mittel- und Ostdeutsche Verband zählt derzeit 48 institutionelle Mitglieder, darunter neben den Archäologischen Gesellschaften und den Landesämtern oder Landesmuseen sowie Hochschulinstituten vor allem kleinere und mittlere Museen. Seit entsprechender Beschlussfassung der Mitgliederversammlung 2011 in Bremen sind nunmehr auch persönliche Mitgliedschaften zugelassen. Der Verband ist seinerseits Mitglied in den beiden anderen Regionalverbänden und gehört dem Beirat des neu gegründeten Deutschen Verbandes für Archäologie (DVA) an.

Gemäß seiner Satzung fördert der Mittel und Ostdeutsche Verband für Altertumsforschung archäologische Forschung in Mittel- und Ostdeutschland. Ziele sind, durch die Aktivitäten für die Archäologie öffentliches Interesse zu wecken, sich für den archäologischen Denkmalschutz einzusetzen und eigene Veröffentlichungen herauszugeben. Der Schwerpunkt der Vorstandsarbeit liegt allerdings auf der Organisation von Verbandstagungen und Deutschen Archäologen-Kongressen wie zuletzt 2005 in Frankfurt/Oder und 2014 in Berlin.

Vorbereitungstreffen der Verbandstagung in Görlitz  Verbandstagung 2010 in Görlitz

Darüber hinaus ging es in den vergangenen 21 Jahren seit Bestehen des Verbandes auch immer wieder um Stellungnahme zu aktuellen politischen Fragen die archäologische Denkmalpflege, die Novellierung von Denkmalschutzgesetzen oder aber die Schließung von Museen und Denkmalschutzbehörden betreffend.

Als jüngstes Beispiel erfolgten 2010 Stellungnahmen gegen die geplante Novellierung des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes, welche letztlich nicht umgesetzt wurde. Immer wieder ging es in Briefen und Protestnoten auch um die Strukturen und Zuständigkeiten der Archäologischen Landesämter, deren Fusion mit den Landesdenkmalämtern oder aber die Herauslösung der Archäologischen Landesmuseen wie zum Beispiel in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Stellungnahmen erfolgten zum illegalen Handel und Schutz von beweglichen Kulturgütern, zur Erhaltung des traditionsreichen Lehrstuhls für Ur- und Frühgeschichte an der Berliner Humboldt-Universität oder aber des Studiengangs Ur- und Frühgeschichte an der Universität Rostock.

Auch zukünftig will der Mittel- und Ostdeutsche Verband für Altertumsforschung e. V. in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Verband für Archäologie und unter Berücksichtigung der besonderen regionalen Belange die Interessen seiner Mitglieder gegenüber der Öffentlichkeit, den kommunalen und staatlichen Trägern der Einrichtungen sowie der Politik vertreten. Ziel ist es, die reichen institutionellen Strukturen der Ur- und Frühgeschichte im Osten der Bundesrepublik auf dem Gebiet der Forschung, der musealen Präsentation und der Denkmalpflege weiter zu entwickeln und zu erhalten.

Danksagung

Herzlich bedanken möchte ich mich bei dem Altvorsitzenden und Ehrenmitglied Günter Wetzel, der seinem Nachfolger nicht nur bei der Abfassung dieses Beitrags mit Rat und Tat zur Seite steht.

Literatur

Bernd W. Bahn, Die Gründung des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung vor fünfzehn Jahren. In: Terra Praehistorica. Festschrift für Klaus-Dieter Jäger zum 70. Geburtstag. Neue Ausgrabungen und Funde in Thüringen – Sonderband 2007, Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 48, S. 516-532 mit weiterer Literatur.

Internet:

www.mova-online.de

NWDV - Nordwestdeutscher Verband für Altertumsforschung e.V.

von Hans-Günter Peters und Claus von Carnap-Bornheim

Der Nordwestdeutsche Verband für Altertumsforschung im 110. Jahr seines Bestehens

„Auf Einladung des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, des historischen Vereins für Niedersachsen und des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens versammelten sich Sonnabend, den 22. Oktober 1904 zahlreiche Vertreter von Universitäten, Vereinen und Museen Norddeutschlands im Hotel Monopol zu Hannover, um über die Begründung eines Verbandes zur Förderung wissenschaftlicher Erforschung der ältesten Kultur und Geschichte Nordwestdeutschlands zu beraten.“ So beginnt das Protokoll über die Gründungssitzung des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung. Und weiter heißt es dort: „Jeder Verein hat für je 100 Mitglieder und jedes angefangene Hundert eine Stimme … Die Aufnahme neuer Mitglieder bleibt dem Vorstande vorbehalten … Die Geschäfte führt ein Vorstand, bestehend aus Vorsitzendem, Schriftführer und Kassierer, die möglichst an einem Orte wohnen sollen. Der Verband tagt in der Regel jährlich einmal an wechselnden Orten …“.

Carl Schuchhardt widmet dem Nordwestdeutschen Verband für Altertumsforschung in seiner Lebensbeschreibung ein eigenes Kapitel: „Die Geschichtsvereine von Hannover und den Nachbarländern waren auf ihrem vorgeschichtlichen Ohre so hellhörig geworden, daß es uns an der Zeit schien, dem Beispiel Südwestdeutschlands zu folgen und auch für den Nordwesten einen Vereins- und Museumsverband für Altertumsforschung zu gründen. Auf meine Veranlassung lud der ‚Historische Verein für Niedersachsen’ im Winter 1904/05 zu einer Konferenz ein, die dem Plane lebhaft zustimmte, gleich eine Satzung entwarf und mich zum Vorsitzenden wählte …“ Schuchhardt weiter: „Unser Programm für die Tagungen haben wir … so einfach und fest gestaltet, dass es 30 Jahre hindurch unverändert geblieben ist. Es wurde regelmäßig in der Woche nach Ostern getagt …, und zwar zweitägig am Mittwoch und Donnerstag. Am Vorabend wurde die Geschäftssitzung erledigt und mit den Einheimischen Fühlung genommen. Weiterhin wurde durchaus vermieden, einen ganzen Tag mit Vorträgen auszufüllen. Am Mittwoch von 9-1 Uhr fand die Vortragssitzung statt. Sie wurde eröffnet mit einem Bericht des Vorsitzenden über die wichtigsten Unternehmungen der Vereine und Museen im abgelaufenen Jahre … Dann folgten nicht ausgewachsene und etwa druckfertige Vorträge, sondern Referate, meist freigesprochen, von 20 Minuten …“. Weiter wird dann der Tagungsablauf beschrieben: Offizielles Mittagessen, Stadtbesichtigung, Abendvortrag, Umtrunk, Exkursionen am zweiten Tag. Schuchhardt resümiert, dass die Verbandstagungen „zu den schönsten Erinnerungen (seiner) wissenschaftlichen Arbeit“ gehörten, mehrere Male habe man „mit den Südwestern zusammen getagt“. Im Jahr 1934 legte Schuchhardt sein Amt als Vorsitzender nieder; er war damals fast 75 Jahre alt.

Es folgt in den „Erinnerungen“ ein bemerkenswerter Satz: „Der Verband hat noch 1935 in Lüneburg und 1936 in Bonn mit dem Südwestdeutschen getagt; dann haben aber beide ihre Tätigkeit eingestellt“. Und das Kapitel endet folgendermaßen: „Lebhaft angeregt haben diese Verbandstagungen und dabei behaglichen Verkehr geschaffen. Ihr Aufhören wurde allgemein bedauert …“. Darauf wird noch zurückzukommen sein.

Projekte und Quellen

Die erste wissenschaftliche Unternehmung des Verbandes war die Beteiligung an der Herausgabe der Prähistorischen Zeitschrift (PZ), gemeinsam mit der Berliner und der Deutschen Gesellschaft Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, der Generalverwaltung der Königlichen Museen und dem West- und Süddeutschen Verband für Altertumsforschung. Um eine größtmögliche fachliche Kompetenz in die Zeitschrift einzubringen, wurde eine Fünfer-Kommission gebildet, ein Redaktionskollegium.

Zu den wissenschaftlichen Unternehmungen zählte auch die Herausgabe der „Urnenfriedhöfe in Niedersachsen“. Ein entsprechender Beschluss war bereits während der Bremer Tagung 1909 gefasst worden. Die Römisch-Germanische Kommission (RGK) und der Kultusminister bewilligten entsprechende Zuschüsse, allerdings trat unerwartet eine Schwierigkeit dadurch auf, „… dass das Hannoversche Provinzialmuseum sein Material unabhängig von unserem Werke in einer besonderen Publikation herausgeben möchte.“

Die Quellenlage zur Verbandsgeschichte sei nur knapp dargestellt: Die Tagungsberichte wurden zwischen 1905 und 1914 und dann noch einmal 1920 im „Korrespondenzblatt der Gesamtvereins der Geschichts- und Altertumsverbände“ gedruckt, von 1909 bis1914 und 1922 bis1935 sowie 1963, 1971 und 1984 bis 1986 in der PZ, in jüngerer Zeit im „Archäologischen Nachrichtenblatt“. Auf die Inhalte der Berichte, von denen die jüngeren in der PZ sich auf mehrere Jahre Verbandsgeschichte beziehen, soll hier nicht eingegangen werden. Gesonderte Darstellungen unterschiedlichen Umfangs erschienen in der „Kunde“, und zwar von 1934 bis 1935 und dann wieder in der Neuen Folge ab 1959 bis 1972. Einzeldarstellungen erfolgten aus örtlichen Anlässen z. B. in den Niedersächsischen „Berichte(n) zur Denkmalpflege“, fachspezifische etwa über die Tätigkeiten der Arbeitsgemeinschaften in der „Zeitschrift zur Archäologie des Mittelalters“. In der Berichterstattung überwiegen Aussagen fachlicher Art: Grabungs- und Fundberichte, Besuch von Denkmälern und Museen.

Die Anfänge des Verbands

Der langjährige Schriftführer des Verbandes Alfred Lonke hielt anlässlich der 25. Tagung im Landesmuseum Hannover am 4. April 1934 einen Vortrag zum Thema „Rückblick auf die Geschichte des Verbandes“. Der Autor listet die Orte der Verbandstagungen auf, betont die Bevorzugung der kleineren Orte (was nicht ganz stimmt), nennt die Zahl der durchschnittlichen Besucher der Tagungen (40 bis 100), betont die Form der Veranstaltungen als „fest, aber keineswegs starr“ und schildert deren Ablauf: Unverkennbar wichtig ist ihm die menschliche Seite: „Hauptzweck der Begrüßungsabende ist ein mehr gemütvoll persönlicher“. Zur inhaltlichen Seite der Vorträge erwähnt er, dass die Reden „niemals … um ein Thema gruppiert“ waren. Im Übrigen verweist er dazu auf die Berichte im Korrespondenzblatt und seit 1909 (mit Ausnahme der Gießener Tagung) in der PZ, und er empfiehlt, diese „in Ruhe und Andacht nachzulesen“. Zum Schluss stellt Lonke die Frage, was der Verband bisher geleistet habe, nämlich die Dokumentation der römischen Fundmünzen und die Bearbeitung der „Urnenfriedhöfe in Niedersachsen“, und er bezeichnet den Verband als „treibende Kraft der Prähistorischen Zeitschrift“. Auf der anderen Seite ist es ihm aber ein besonderes Anliegen, den anregenden und belehrenden Charakter der Tagungen zu betonen und auf die schönen Stunden „in Gottes freier Natur oder an gemütlicher Tafelrunde“ zu verweisen.

Weder Schuchhardt noch der Chronist seiner Ära Lonke gehen auf die Veränderungen ihrer Zeit ein: Der Weltkrieg, die Nöte der Nachkriegszeit und die sich abzeichnenden Bedrohungen der Nazizeit finden keine Erwähnung. An einer einzigen Stelle stößt man auf den Begriff „Kriegsarchäologie“. Gemeint sind damit allerdings Zufallsfunde beim Bau von Schützengräben.

Fachpolitische Aussagen fehlen in der älteren Verbandsgeschichte zumeist. Im Jahr 1914 wurde bekanntlich das Preußische Ausgrabungsgesetz verabschiedet, das deshalb von so großer Bedeutung wurde, weil es bis zur Verabschiedung moderner Gesetze der Länder der Bundesrepublik Deutschland in den ehemals westdeutschen preußischen Landesteilen Bestand hatte. Schuchhardt berichtete bereits 1913 zum Thema Denkmalpflege Folgendes: „Denkmalschutzfragen kamen in Veranlassung des geplanten Denkmalschutzgesetzes in Preußen zu zwangloser Besprechung; da der Verband Forschung nicht Denkmalschutz betreibt, lag zu besonderer Stellungsnahme keine Veranlassung vor“.

So nimmt es nicht Wunder, dass nach Verabschiedung des Gesetzes ganz trocken der Sachverhalt berichtet wird: „Das neue Ausgrabungsgesetz war zwar in Kraft getreten, aber seine Ausführungsbestimmungen waren noch nicht erschienen und die Vertrauensmänner der Regierungspräsidenten, die an Ort und Stelle beaufsichtigen und raten sollten, noch nicht ernannt, als der Krieg ausbrach … Der Herr Kultusminister möchte für die Handhabung des Gesetzes keine Anweisung erlassen, ohne die Vorschläge der Oberpräsidenten für die Ernennung der Sachverständigen in den einzelnen Provinzen in Händen zu haben“.

Die Nichtbeteiligung an politischen Tagesfragen änderte sich mit dem Wechsel in der Führung des Verbands 1934. Der Anfang verlief allerdings in gewohnter Harmonie: Im Bericht zur Jahrestagung 1935 heißt es „… wenn auch in gewohnter Weise in der Vertreterversammlung der 55 Mitglieder als Auswirkung des Führerprinzips zum ersten Male keine Vorstandwahl stattfand, sondern Jacob-Friesen seine Paladine ernannte und der Vorschlag, sich dem ‚Reichsbund für deutsche Vorgeschichte’ anzuschließen, nach lebhafter Aussprache dem Vorsitzenden zur Entscheidung überlassen wurde...“. Und der Bericht schließt:  „Dann dankte unser Vorsitzender Jacob-Friesen allen Rednern … und schloß mit einem ‚Sieg Heil’ auf den Führer, den Beschützer und Förderer unserer volksverbundenen Wissenschaft“.

Über die Rolle von Karl Hermann Jacob-Friesen in den Jahren 1933 bis 1945 ist an anderer Stelle geschrieben worden. Wegner rekonstruierte folgenden Ablauf der Ereignisse so: Jacob-Friesen hatte Reinerth mitgeteilt, dass er gemeinsam mit dem Beirat des Nordwestdeutschen Verbandes einen Beitritt zum „Reichsbund“ ablehne. Am 10. Juli 1935 trat stattdessen der Nordwestdeutsche Verband dem Niedersächsischen Heimatschutzbund und damit dem Deutschen Bund für Heimatschutz bei. Reinerths Reaktion ließ nicht auf sich warten. Am 30. September 1935, auf der Tagung des Reichsbundes in Bremen, erinnerte er in seiner Rede daran, „daß der Reichsbund vom Beauftragten des Führers angewiesen sei, alle Vorgeschichts- und Altertumsvereine … zusammenzufassen. Lediglich aus dem Prinzip heraus, diese Zusammenfassung auf der Zustimmung aller aufzubauen, habe man sich vor einem energischen Zugriff reaktionären Elementen gegenüber zurückgehalten“. Den anwesenden Mitgliedern des Nordwestdeutschen Verbandes erklärte Reinerth, ihr Verband könne unter dem Namen „Nord- und Westdeutsche Arbeitsgemeinschaft für Vorgeschichte“ selbständig bleiben, nur Jacob-Friesen sei als Vorsitzender untragbar.

Die Mitglieder des Nordwestdeutschen Verbandes wollten sich nicht ohne Weiteres von ihrem Vorsitzenden trennen. Aber Jacob-Friesen trat vom Vorsitz zurück und Gustav Schwantes übernahm interimistisch den Vorsitz des Verbandes. Es ist festzuhalten, dass der Verband sich nicht selbst auflöste, sondern nur während der gesamten nationalsozialistischen Zeit gewissermaßen in Deckung blieb.

In der Nachkriegszeit

Aus dem Jahr 1947 gibt es einen interessanten Brief von Schwantes an Jacob-Friesen: Gelegentlich „… der Tagung des Reichsbundes unter Reinerth in Bremen wurde der von uns gewählte und gewünschte Vorsitzende unseres Verbandes … veranlasst, den Vorsitz des Verbandes niederzulegen … Uns anderen blieb nichts anderes möglich, als einen neuen Vorsitzenden zu wählen, um das Weiterbestehen des Verbandes zu ermöglichen. Die Wahl fiel auf mich. Ich nahm an, in der Absicht, die vom Reichsbund gewünschte Eingemeindung unseres Verbandes … zu hintertreiben … Da ich unter normalen Verhältnissen niemals eine etwa auf mich gefallene Wahl zum Vorsitzenden angenommen hätte, handelte es sich lediglich um die Erfüllung einer Sonderaufgabe dem Verband gegenüber. Da diese mittlerweile gelöst ist, halte ich den Augenblick für gekommen, mein Amt als Vorsitzender niederzulegen und es in die Hand von Herrn Jacob-Friesen zurückzugeben, den ich nach wie vor als den eigentlichen Vorsitzenden betrachte…“. Aus den Akten geht nicht hervor, wie der Empfänger darauf reagiert hat. Jedenfalls wurde er fortan wieder als Vorsitzender betrachtet. Soweit zu diesem dramatischen Abschnitt der Verbandsgeschichte.

Erstmalig in der Nachkriegszeit trafen sich 1949 102 Fachleute zu einer „Prähistoriker-Tagung“, mit der die Arbeit des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung wieder aufgenommen wurde. In der Literatur findet sich dazu folgender Hinweis: „Die Vorgeschichtler Nordwestdeutschlands tagten in der Osterwoche in Oldenburg. Der 1935 zwangsweise aufgelöste Verband wurde unter dem Vorsitz von Professor Dr. Jacob-Friesen, dem Direktor des Landesmuseums Hannover, neu begründet“. Im nachfolgenden Text ist dann von den Bombenopfern an Museumsbeständen die Rede und davon, dass die Kriegsjahre mit „ihren vielen Befestigungsbauten der Forschung reiche Möglichkeiten“ geboten hatten und von der Exkursion im Anschluss an die Tagung. Nichts weiter.

Ein Jahr später fand dann in Duisburg die erste reguläre Verbandstagung statt. Reflexionen irgendwelcher Art auf die vorangegangenen Schreckensjahre finden sich in den Archivalien nicht. Man knüpfte dort an, wo man 1935 aufgehört hatte. Der bisherige Ablauf der Jahrestagungen wurde beibehalten.

Im Jahr 1952 übernahm Ernst Sprockhoff den Vorsitz und behielt ihn bis 1967. Bei seiner Verabschiedung konnte man festhalten, dass nur drei Vorsitzende den Verband 60 Jahre lang geführt hatten.

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Publikationen

Änderungen an der eher beschaulichen Struktur und dem Miteinander mit den übrigen Altertumsverbänden setzten erst 1964 ein. Zur gemeinsamen Tagung mit dem Süd- und Westdeutschen Verband in Fulda erschien der erster „Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern“. Die Reihe wurde vom „Römisch Germanischen Zentralmuseum Mainz (RGZM) in Verbindung mit dem Nordwestdeutschen und West- und Süddeutschen Verband für Altertumsforschung“ herausgegeben. Kurt Böhner, damaliger Direktor am RGZM, erläuterte bei der Vorstellung des ersten Bandes den Zweck der neu begründeten Reihe, wies aber auch auf die Schwierigkeiten bei deren Herstellung hin: Die Einwerbung der Manuskripte und Bildvorlagen, die Mittelbeschaffung und die zeitgerechte Produktion. Dank des Römisch-Germanischen Zentralmuseums und einer nicht immer störungsfreien, aber im Ergebnis fruchtbaren Zusammenarbeit mit den Verbandsmitgliedern entstanden 50 Bände, jeweils anlässlich der Tagungen der Verbände, zuweilen waren es zwei oder auch drei Bände bei einer Tagung an besonders wichtigem Ort.

1983 wurden die Exkursionsführer in die Hände der beiden Verbände gelegt. Sie heißen seither „Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland“. Im Vorwort der beiden Verbandsvorsitzenden Karl Josef Narr und Kurt Böhner zum 1. Band heißt es: „Das zunehmende Interesse der Öffentlichkeit an der archäologischen Erforschung unseres Landes und an der Pflege seiner historischen Denkmäler findet im steigenden Besuch unserer Museen und in der steigenden Nachfrage nach allgemein verständlichen Veröffentlichungen seinen Ausdruck …“. Wichtig ist an diesem Vorgang vor allem der Wille zur Zusammenarbeit zwischen den Verbänden und die über einen langen Zeitraum stabile Bereitschaft ihrer Mitglieder in der Realisierung eines guten Konzepts.

Eine weitere strukturelle Veränderung der wissenschaftlichen Arbeit des Verbandes war die Gründung des „Archäologischen Korrespondenzblatts“ im Jahr 1971, wieder auf Initiative des RGZM. Im Geleitwort zum ersten Heft sagt K. Böhner: „Im vergangenen Frühjahr faßte ein Kreis von jüngeren Kollegen den Plan, ein ‚Archäologisches Korrespondenzblatt’ herauszugeben. Es sollte nicht die Zahl der bereits bestehenden Fachzeitschriften vermehren, sondern vielmehr einen neuen Zweck erfüllen: neue Funde und Forschungen – insbesondere die auf den Tagungen der beiden Verbände für Altertumsforschung und der Arbeitsgemeinschaften gehaltenen Vorträge und Mitteilungen – möglichst schnell in kurzer Form veröffentlichen. Als das RGZM gebeten wurde, gemeinsam mit dem Nordwestdeutschen und dem West- und Süddeutschen Verband für Altertumsforschung die Herausgabe zu übernehmen, haben sowohl dessen Verwaltungen als auch die beiden Verbände diesem Vorschlag gern zugestimmt“.

Der wichtigste Schritt im Publikationswesen der Ur- und Frühgeschichte nach der Wiedervereinigung Deutschlands war die Gründung des „Archäologischen Nachrichtenblatts“ im Jahr 1996. Als Herausgeber verantwortlich zeichnet das Präsidium der Deutschen Verbände für Altertumsforschung. Im Vorwort zum ersten Heft heißt es: „Das Archäologische Nachrichtenblatt soll die wichtigsten Nachrichten, Mitteilungen und Berichte aus den Arbeitsgebieten der drei im Präsidium der Deutschen Verbände für Altertumsforschung zusammenwirkenden Verbände aufnehmen und schwerpunktmäßig über organisatorische, rechtliche, strukturelle, methodische und auch forschungsgeschichtliche Themen berichten. Universitäten, Museen und Archäologische Denkmalpflege sowie sonstige Facheinrichtungen sollen dabei in gleicher Weise zur Sprache kommen“. Diese Zusammenarbeit mit dem Akademie-Verlag wurde im Rahmen der Gründung des Deutschen Verbandes für Archäologie (DVA) aufgelöst. Als neues Organ auch der Altertumsverbände tritt 2013 die neugegründete Zeitschrift „Blickpunkt Archäologie“ mit verändertem Layout und inhaltlichem Zuschnitt an diese Stelle.

Festakt der Tagung in Schleswig 2007

Zusammenfassung

Der Nordwestdeutsche Verband für Altertumsforschung wurde zu einer Zeit gegründet, als das Fach Ur- und Frühgeschichte nur von wenigen Fachleuten repräsentiert wurde. Das Laienelement spielte eine vergleichsweise große Rolle. Die älteste Satzung definiert den Verbandszweck folgendermaßen: „Der Nordwestdeutsche Verband für Altertumsforschung wird gebildet durch wissenschaftliche Vereine und Institute zum Zweck der Förderung und Zusammenfassung der Forschungen über die älteste Kultur und Geschichte Nordwest-Deutschlands, wie es sich in den Römerkriegen sowie bei der sächsischen und fränkischen Eroberung als einheitliches Gebilde darstellt“.

Der Zweckparagraph in der derzeit gültigen Satzung vom 13. Januar 1988 lautet: „Der Verband verfolgt ausschließlich und mittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts ‚Steuerbegünstigte Zwecke’ der Abgabenordnung, und zwar insbesondere durch Förderung der archäologischen Forschung Nordwestdeutschlands in allen ihren Zweigen …“.

In der 100jährigen Geschichte gab es erstaunlich seltene Wechsel in den Vorständen. Stellvertretend für die Gesamtvorstände seien hier die jeweiligen Vorsitzenden genannt:

  • Carl Schuchhardt 1904 – 1934
  • Karl Hermann Jacob-Friesen 1934 – 1951
  • Ernst Sprockhoff 1952 – 1967
  • Werner Haarnagel 1967 – 1973
  • Karl-Josef Narr 1973 – 1985
  • Joachim Reichstein 1985 – 1999
  • Gabriele Isenberg 1999 – 2008
  • Claus von Carnap-Bornheim seit 2008.

Die Vorstände insgesamt haben immer die Hauptlast der Arbeit getragen. Sie setzten dabei ganz unterschiedliche Akzente. Am Anfang stand deutlich das Bemühen, am Hergebrachten festzuhalten, Verwerfungen der Weltkriege nicht zum Gegenstand der Verbandsdiskussion werden zu lassen. Es folgten die Jahre der Ausweitung des Fachs mit allen Erscheinungsformen. Während der gesamten Geschichte des Verbandes ist die Verbundenheit mit dem Schwesternverband und – viel später – mit der Neugründung in den ostdeutschen Bundesländern kennzeichnend. Heute ist der Verband Gründungsmitglied und damit integraler Bestandteil des 2011 auf dem vom NWDV ausgerichteten 7. Deutschen Archäologiekongress in Bremen entstandenen Dachverbandes Deutscher Verband für Archäologie (DVA).

Die im Nordwestdeutschen Verband repräsentierten archäologischen Fachdisziplinen haben die Kraft zur Selbstorganisation und zum Strukturwandel bewiesen. Dieses lag fast immer an einzelnen Persönlichkeiten, die freilich unterstützt wurden von Forschungseinrichtungen, Denkmalämtern und Museen und der in ihnen liegenden Möglichkeiten.

 

Prof. Dr. Hans-Günter Peters, Eichhörnchensteg 30, 30657 Hannover
Dr.Guenter.Peters@t-online.de

Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim
Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein
Brockdorff-Rantzau-Str. 70
24837 Schleswig
claus.carnap@alsh.landsh.de

Internet:
www.nwdv.org

 

Literatur

  • H.-G. Peters,100 Jahre Nordwestdeutscher Verband für Altertumsforschung. Archäologischen Nachrichtenblatt 10, 4, 2005, 355-366.
  • C. Schuchhardt, Aus Leben und Arbeit (Berlin 1944).
  • G. Wegner, Auf vielen und zwischen manchen Stühlen. Bemerkungen zu den Auseinandersetzungen zwischen Karl Hermann Jacob-Friesen und Hans Reinerth. In: A. Leube/M. Hegewisch (Hrsg.), Prähistorie und Nationalsozialismus. Die mittel- und osteuropäische Ur- und Frühgeschichtsforschung in den Jahren 1933-1945 (Heidelberg 2000), 397-417.
  • R. Bollmus, Das Amt Rosenberg und seine Gegner. Studien zum Machtkampf im Nationalsozialistischen Herrschaftssystem (Stuttgart 1970).
VLA - Verband der Landesarchäologen e.V.

von Jürgen Kunow

Der Verband der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland

Die staatliche Bodendenkmalpflege in Deutschland begreift sich sui generis als eine im gesellschaftlichen Auftrag stehende und durch Denkmalschutzgesetze, aber auch Landesverfassungen verpflichtete Institution, die den Schutz, die Pflege, die Erforschung und die Inwertsetzung des archäologischen Kulturerbes im Allgemeinwohl absichert und die Öffentlichkeit von den Ergebnissen bodendenkmalpflegerischer Arbeit regelmäßig und allgemeinverständlich unterrichtet. Vertreter der Bodendenkmalpflege agieren dabei als Kustoden dieses kulturellen Erbes generationenübergreifend: sie übernehmen von ihren Vorgängern den ortsfesten Bodendenkmalbestand, betreuen ihn und reichen ihn dann an ihre Nachfolger im Amt weiter. Damit gleichen sie den Archäologinnen und Archäologen in den Museen, die sich um das bewegliche archäologische Kulturerbe in Ausstellungen, Restaurierungswerkstätten und Magazinen kümmern, unterscheiden sich aber von Fachkollegen an Universitäten oder außeruniversitären Forschungsanstalten, wo man sich als wichtig erkannten Forschungsfragen widmen kann und keinen vergleichbaren gesellschaftlichen oder rechtlichen Verpflichtungen obliegt. Unsere Verfassung garantiert bekanntlich diese Freiheit von Forschung und auch Lehre in Art. 5 GG. Konstitutives Element einer amtlichen Bodendenkmalpflege hingegen ist deren institutionelle Aufgabenkontinuität, die absichert, dass Aktivitäten an einem Ort über Jahrzehnte hinweg oder Langzeitprogramme absolut üblich sind. 

Katholische Kirche St. Simon und Judas Thaddäus in Jüchen-Otzenrath (Tagebau Garzweiler, Rheinland)

In mancherlei Hinsicht vergleichbar agiert – allerdings vorwiegend außerhalb Deutschlands – das Deutsche Archäologische Institut, wobei sich hier die Arbeit auf einzelne, mittlerweile berühmt gewordene Stätten konzentriert, weniger auf die flächige Ausrichtung, und der Forschungsaspekt weiterhin im Vordergrund steht. Es lässt sich allerdings beobachten, dass in den letzten Jahren auch dort Vermittlung und insbesondere Inwertsetzung der Denkmale eine zunehmende Bedeutung gewinnen.

Der Verband der Landesarchäologen ist ein Berufsverband mit eindeutigen Regelungen, was die Mitgliedschaft betrifft, hat eine klare Gremienstruktur und wurde bald nach Ende des Zweiten Weltkriegs vor mehr als 60 Jahren, am 15. September 1949, in Wiesbaden als „Verband der westdeutschen Landesarchäologen“ gegründet, dem nach der Wiedervereinigung auch die Vertreter der fünf neuen Bundesländer beitraten. Bis heute sind die äußerst knappen, in Wiesbaden erlassenen Satzungen im inhaltlichen Anliegen bindend.

Die Gründung des Verbandes der Landesarchäologen

In den Jahrestagungen des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung vom 19. bis 20. April 1949 sowie des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumskunde vom 8. bis 10. Juni im selben Jahr kam es zum Initialantrag: „Wir halten es in Übereinstimmung mit den Landesarchäologen (Vertrauensleuten für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer) der britischen Besatzungszone für zweckmäßig, einen trizonalen Verband der Landesarchäologen zu gründen“. Im Herbst desselben Jahres, am 15. September, erfolgte dann in Wiesbaden die Gründung des „Verbandes der westdeutschen Landesarchäologen“. Erstmals war damit ein ganz (West-) Deutschland einbeziehender Interessenverband der für die Bodendenkmalpflegeverantwortlichen fachlichen Institutionen entstanden. Als wesentliche Aufgabe, die sich im ersten Absatz der damaligen „Satzungen des Verbandes der westdeutschen Landesarchäologen“ wiederfindet, wurde „die gemeinsame Beratung prinzipieller Fragen der Bodendenkmalpflege [für] eine wenigstens in den Grundzügen gleichartige Ausübung der Bodendenkmalpflege in den Ländern des Bundes“ gesehen – eine Sorge, die auch heute noch hoch aktuell ist, wenn weniger der reale Bodendenkmalbestand in einzelnen Ländern, sondern vielmehr unterschiedliche personelle und finanzielle Möglichkeiten der Fachämter zur Verzerrung von Denkmalschutz und Denkmalpflege führen. Als weiteren Schwerpunkt sahen die Gründer die Schaffung ausreichender gesetzlicher Grundlagen an und sicherten zugleich in den Satzungen die Stellung der Amtsleiter ab, wonach nur die „… Landesarchäologen (Staatlichen Vertrauensleuten für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer) der dem Bunde angehörigen Länder und Landesteile … Sitz und Stimme im Verband“ inne haben sollten. Der neu gegründete Verband tat sich zunächst schwer. In den 1950er Jahren war er mehrfach von der Auflösung bedroht und fasste erst in den 1960er Jahren langsam Tritt. Dieses lag auch daran, dass die führenden Archäologen in den Ländern eine intakte Bodendenkmalpflege unter den schwierigen Bedingungen des Wiederaufbaues der kriegszerstörten Städte erst einmal wieder etablieren mussten. Im Norden und Süden Deutschlands hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg die institutionelle Anbindung der Bodendenkmalpflege unterschiedlich entwickelt – eigentlich jedoch nur die Vorkriegssituation perpetuiert. In den Ländern, in denen das preußische Ausgrabungsgesetz von 1914 weiterhin galt, wie in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen oder Schleswig-Holstein, stellten in aller Regel die großen Landesmuseen auch den „Staatlichen Vertrauensmann“, also den Landesarchäologen. Es gab dort auf Länderebene somit die organisatorische Verknüpfung von Bodendenkmalpflege und musealer Tätigkeit. Demgegenüber wählte man in den großen südlichen Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Bayern Organisationsformen, die von eigenständigen, nicht mit musealen Aufgaben befassten Landesämtern ausgingen. Diese beiden, seit der Nachkriegszeit bestehenden verschiedenen Grundstrukturen finden wir noch heute in der Bundesrepublik vor. Im letzten Jahrzehnt sind allerdings weitere Organisationsformen hinzugekommen, die nicht nur die Bau- und Bodendenkmalpflege sowie das Museum unter ein gemeinsames Dach führten, sondern weitere Institutionen, die sich mit dem kulturellen Erbe befassen, wie etwa Archive oder Schlösserverwaltungen.

Nicht weniger kompliziert verhielt es sich zunächst mit den Denkmalschutzgesetzen. Nur wenige Länder hatten nach dem Krieg bis in die 1960er Jahre hinein für die Arbeit der Bodendenkmalpflege ausreichende gesetzliche Grundlagen neu geschaffen, dazu gehörten vor allem Baden (1949) und Schleswig-Holstein (1958). Ansonsten existierten – aus heutiger Sicht – auch recht kuriose Situationen, vor allem in den Bundesländern, die erst in der Nachkriegszeit durch Fusionen entstanden waren. So galten etwa in den unterschiedlichen Landesteilen Baden-Württembergs, Hessens oder von Rheinland-Pfalz auch verschiedene gesetzliche Regelungen, teilweise bis weit in die 1970er Jahre hinein. Erst seit 30 Jahren haben wir in der (alten) Bundesrepublik Deutschland eine flächendeckende und auf das jeweilige Bundesland bezogene einheitliche Gesetzessituation, wobei Nordrhein-Westfalen mit Inkrafttreten seines Denkmalschutzgesetzes am 1.7.1980 das Schlusslicht bildete.

Tagebau Zwenkau. Eythra, Landkreis Leipzig (Foto: R. Heynowski, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Der Verband der Landesarchäologen orientiert sich neu

Im Jahr 1976 wählte der Verband Hugo Borger zu seinem neuen Vorsitzenden. Den „gelernten“ Feldarchäologen und Direktor des grandios von ihm neu inszenierten Römisch-Germanischen Museums in Köln zog es in die Öffentlichkeit, wobei er es geschickt verstand, die Politik einzubeziehen, wenn notwendig, mit deutlichen Worten auch zu mahnen. Seine damalige, in Köln gezeigte Präsentation „Das neue Bild der alten Welt. Archäologische Bodendenkmalpflege und archäologische Ausgrabungen in der Bundesrepublik Deutschland von 1945-1975“ wurde ein voller Erfolg und der Verband der Landesarchäologen hatte sich damit für die Kultusministerkonferenz der Länder endgültig zum festen Ansprechpartner in allen Belangen der Bodendenkmalpflege etabliert. In die gleiche Richtung, eine breite Öffentlichkeit mit der Arbeit der Landesarchäologie vertraut zu machen, wies die neue Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“. Sie erschien erstmals im Jahr 1984 und besteht seit nunmehr fast dreißig Jahren mit zunächst vier, dann sechs Heften jährlich. Der Verband der Landesarchäologen und der Konrad Theiss Verlag treten hier als gemeinsame Herausgeber auf und nehmen immer wieder Veränderungen inhaltlicher Art oder im Layout vor, die Zeitschrift aktuell und attraktiv zu halten.

Jedoch nicht nur im Verhältnis zu Öffentlichkeit und Politik konturierte sich der Verband in diesen Jahren neu. Man akzeptierte, dass die Komplexität der Aufgaben und Belange eine kontinuierliche und nicht nur auf den Vorstand fixierte Arbeitserledigung benötigten. Es entstand die noch heute gültige Grundstruktur von Kommissionen, in denen die wesentliche inhaltliche Arbeit geleistet, Grundsatzpapiere entwickelt oder auch konkrete Empfehlungen vorbereitet werden, die man dann auf den Jahrestagungen diskutiert und verabschiedet.

Mittelalterliches Bergwerk in Dippoldiswalde (Foto: H. Hönig, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Momentan hat der Verband sieben Kommissionen und ein Netzwerk:

  • Archäologie und Informationssysteme
  • Grabungstechnik
  • Illegale Archäologie
  • Kommunalarchäologie
  • Land- und Forstwirtschaft
  • Unterwasserarchäologie
  • Wasserrahmenrichtlinie
  • Netzwerk Archäologische Denkmalpflege

Eine weitere Neuerung wurde im Jahr 1989 auf der Jahrestagung in Münster eingeführt. Zunächst wählte man dort in Nachfolge von Hugo Borger Dieter Planck zum neuen Vorsitzenden des Verbandes. Erstmalig fand nun im Rahmen der Jahrestagung ein wissenschaftliches Kolloquium statt. Sein Gegenstand „Was ist ein Bodendenkmal? – Archäologie und Recht“ löste sich völlig von den gewohnten fachwissenschaftlichen Themen und man gab den jährlichen Kolloquien, die nun in Folge seit bald 25 Jahren regelmäßig stattfinden und alle auch gedruckt vorliegen, damit ein einzigartiges Profil. Die Kolloquiumsthemen griffen und greifen Alltagssituationen der Landesarchäologie auf, allerdings solche von grundsätzlicher und zukunftsweisender Art. Es waren also immer aktuelle, nicht selten zugleich „schwierige“ Themen, die man im Kreise der Landesarchäologen durchaus kontrovers sah und wo man eine gemeinsame Grundposition und ein einheitliches Vorgehen der Bodendenkmalpflege in Deutschland suchte, was auch häufig gelang.

Eine ganz wesentliche Neuorientierung brachte natürlich auch die deutsche Einheit mit sich! Im Jahr 1990, die Deutsche Demokratische Republik existierte noch, wandten sich erstmals dort tätige Kollegen offiziell – bisweilen aber auch ohne Kenntnis der Dienstvorgesetzten – an den Verband der Landesarchäologen und baten um Beratung oder sogar Einflussnahme. Die Situation war natürlich nicht ohne Brisanz. Sie hielt im folgenden Jahr an, wo die fünf neuen Bundesländer mit unterschiedlicher Geschwindigkeit auch neue Strukturen und einen neuen gesetzlichen Rahmen für die Landesarchäologie schufen sowie neues Personal in die Leitungsfunktionen beriefen. Bei diesen Prozessen war der Verband der Landesarchäologen regelmäßig als Berater tätig. Er legte bald nach der Wiedervereinigung auch seine bis heute gültige Mitgliederstruktur fest. Nach intensiven Diskussionen im Vorfeld entschied man sich für einen festen Länderschlüssel, wobei die Flächengröße eines Bundeslandes als entscheidender Parameter gewählt wurde, und verständigte sich auf 60 ordentliche Mitglieder, wobei die „Amtsleiter“ qua Amt Mitglied sind und ihrerseits weitere Mitglieder aus ihrem Bundesland entsprechend der vorgegebenen Länderquote vorschlagen. Darüber hinaus gibt es zwei beratende Mitglieder qua Amt (Direktoren der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt und des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz) sowie (derzeit) elf berufene beratende Mitglieder, also aktuell 73 Mitgliedschaften.

Bergstadt Bleiberg bei Sachsenburg, Lkr. Mittelsachsen (Geobasisdaten: Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen)

Die 1990er Jahre waren aber nicht allein durch die innerdeutsche Entwicklung für den Verband geprägt. Auch die europäische Integration bekam durch den Fall des Eisernen Vorhangs erhebliche Impulse, zu denen sich der Verband in seinem Arbeitsfeld positionieren musste. Aus heutiger Sicht wird man rückblickend zunächst konstatieren müssen, dass man sich in die Verhandlungen, die schließlich im Januar 1992 zum Abschluss des „Europäischen Übereinkommens zum Schutz des archäologischen Erbes in Europa“, also zur so genannten Konvention von Malta, führten, energischer hätte einbringen können. Das Zustandekommen und das Ergebnis von „Malta“ zeigten deshalb insbesondere die Notwendigkeit, den europäischen Dialog auf Ebene der zuständigen staatlichen Denkmalfachbehörden nicht nur auszubauen, sondern eine ständige und strukturelle Zusammenarbeit zu etablieren, da etwa Gesetzgebungsverfahren auf europäischer Ebene - Europarat und Europäische Union - zunehmend auch die einzelnen Staaten unmittelbar regulierten. Über diesen neuen gesetzlichen Rahmen auf europäischer Ebene hinaus sah man aber auch eine gewisse Konkurrenz durch die European Association of Archaeologists (EAA) gegeben, die als Verein allen in der Archäologie beruflich Tätigen oder an der Archäologie Interessierten offen stand. Bald nach der Unterzeichnung der Konvention von Malta fand der EAA-Gründungskongress in Lubljana, Slowenien, im Jahr 1994 statt, wo die dort angenommenen Statuten auch eine Beratung politischer Gremien in Fragen des Umgangs mit dem archäologischen Erbe durch die Association festschrieben. Darin sahen nun die staatlichen archäologischen Institutionen in Europa (und natürlich auch in Deutschland), die für Denkmalpflege und Denkmalschutz zuständig waren und sich noch nicht in einem europäischen Dachverband zusammengefunden hatten, einen klaren Eingriff in ihr eigenes Kerngeschäft.

Seinerzeit bestand also ein erheblicher Abstimmungs- und Handlungsbedarf für die in der staatlichen Denkmalpflege verantwortlichen Archäologen in Europa. Der Verband der Landesarchäologen wurde initiativ und stellte sein Kolloquium des Jahres 1997 in Saarbrücken unter die Thematik „Archäologische Denkmalpflege im vereinten Europa: Situationen – Probleme – Ziele“. Schon zuvor hatte man aber die Wichtigkeit und Nachhaltigkeit dieser Thematik erkannt und im Verband einem Vorstandmitglied den „Geschäftsbereich Europa“ als festes Aufgabengebiet zugewiesen. Der Posten des „Außenministers“ war geboren und es sollte sich als äußerst hilfreich erweisen, dass Deutschland somit einen ständigen Ansprechpartner für europäische Belange vorhielt. In der Saarbrücker Veranstaltung wurde erstmals der Gedanke vor einem größeren Zuhörerkreis formuliert, dass „man einen Dachverband der Landesarchäologen im vereinten Europa gründen“ müsse und damit einen besonderen „Zugang zu den politischen Entscheidungsgremien haben könnte“. Zwei Jahre später war es dann soweit, unser europäischer Dachverband Europae Archaeologiae Consilium (EAC), dem heute die Landesarchäologien von 28 europäischen Staaten angehören, entstand: 14 Staaten, darunter auch Deutschland, zählten in Straßburg zu den Gründungsmitgliedern im Jahr 1999.

OPAL-Trasse bei Clieben, Lkr. Meißen (Foto: Ch. Steinmann, Landesamt für Archäologie Sachsen)

Mit der Jahrtausendwende wurde innerhalb des Verbandes ebenfalls intensiv diskutiert, die Anliegen und Leistungen der deutschen Landesarchäologie offensiver in die Öffentlichkeit zu tragen. Dieses erfolgte in verschiedenster Weise, etwa indem man die „Leitlinien zur Archäologischen Denkmalpflege in Deutschland“ im Jahr 2001 herausbrachte. Man erinnerte sich aber auch an das seinerzeit äußerst erfolgreiche Ausstellungsprojekt „Das neue Bild der alten Welt. Archäologische Bodendenkmalpflege und archäologische Ausgrabungen in der Bundesrepublik Deutschland von 1945-1975“. So entstand rund 25 Jahre später die große Ausstellung „Menschen – Zeiten – Räume. Archäologie in Deutschland“, die im Jahr 2002 im Berliner Martin-Gropius-Bau eröffnet werden konnte. Als zweiten Ausstellungsort wählte man die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.

Auch ein weiteres Verbandsprojekt ließ sich Anfang des Jahres 2003 abschließen. Es ging um Bilanz, Position und Ausblick, die in der Publikation „Archäologische Denkmalpflege in Deutschland. Standort, Aufgabe und Ziel“ in allgemein verständlicher Weise beschrieben wurden. Auch hier knüpfte der Verband an eine ältere Idee an, nämlich eine Veröffentlichung, die Gerhard Mildenberger im Jahr 1966 unter dem Titel „Denkschrift zur Lage der Vorgeschichte“ im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft erstellt hatte. Mit der Vorlage dieser Schrift trat im Jahr 2003 Dieter Planck nicht mehr zur Wiederwahl als Vorsitzender an; der Verfasser dieses Beitrages ist ihm nachgefolgt.

Zukünftige Aufgaben für den Verband der Landesarchäologen

Welche Aufgaben erwarten die Bodendenkmalpflege und seinen Verband in Deutschland? Weiterhin werden der Schutz und die Pflege der archäologischen Denkmäler sowie deren Erforschung die (auch gesetzliche) Basis bilden und das Bild der Landesarchäologie in der Öffentlichkeit prägen. Vergleichbar der Entwicklung in anderen europäischen Staaten hat sich allerdings - bisweilen charakterisiert man diesen Prozess als „Europäisierung der Bodendenkmalpflege“ und begreift ihn als Reflex auf die „Malta-Konvention“ - auch bei der deutschen Landesarchäologie in den beiden letzten Jahrzehnten die Vorstellung vom Bodendenkmal als einer endlichen Ressource durchgesetzt. Daher steht eindeutig der Schutz eines Bodendenkmals vor seiner Erforschung, also die Primärerhaltung vor der Sekundärerhaltung, wie es verschiedentlich Verwaltungsgerichte schon formuliert haben. In der praktischen Umsetzung dieses Ressourcengedankens haben sich hierbei (mittlerweile digital verfügbare) kartografische Unterlagen wie der über das Internet abrufbare BayernViewer-denkmal bewährt, der Transparenz und Partizipation gleichermaßen für die Öffentlichkeit, Politiker, Planer oder auch Investoren gewährleistet und anzeigt, wo Interessensgebiete der Bodendenkmalpflege bestehen.

BayerViewer-denkmal

Weiterhin muss auch die Denkmalvermittlung als Grundlage für die Wertschätzung des kulturellen Erbes intensiviert werden. Vergleichbar der Entwicklung, die die Museumspädagogik schon vor vielen Jahren genommen hat, sind hier stärker als bislang fachliche Inhalte mit modernen edukativen Ansätzen und Methoden zusammenzuführen. Dieses sollte umso mehr Berücksichtigung finden, da bekanntlich mehr als 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund heutzutage in Deutschland leben und somit fast jeder Fünfte in diese Gruppe fällt. „Unser“ kulturelles Erbe darf diese Personen keinesfalls ausgrenzen wollen und tatsächlich bieten ja gerade die ortsfesten archäologischen Denkmäler beste Voraussetzungen, sie als Stätten gemeinsamer regionaler Identität, aber auch europäischer, bisweilen sogar globaler Erinnerung zu begreifen. Wir verzeichnen hier also die bewusste Abkehr von Vorstellungen des 19. Jahrhunderts, wo die „Denkmäler der vaterländischen Vorzeit“ als Vehikel der Nationalstaatenbildung instrumentalisiert wurden. Dem Arbeitsbereich der Denkmalvermittlung misst auch der Verband der Landesarchäologen eine zunehmende Bedeutung bei und in dem Zusammenhang ist die vielerorts zu beobachtende Inwertsetzung von Bodendenkmälern zu sehen. Bei dem relativ neuen Terminus der Inwertsetzung unseres Denkmalbestandes handelt es sich um weit mehr als eine neue Begrifflichkeit: Es geht um unsere Einstellung, wie wir Vermittlung begreifen, welche historischen Bilder wir liefern, bisweilen auch welche „Lieux de mémoire“ wir entwickeln wollen. Im Sinne einer „Überlebensstrategie“ kann der Landesarchäologie in Deutschland dabei sicherlich nichts Besseres wiederfahren, als Teil eines öffentlichen Diskurses zu werden und ihren Platz mitten in der Gesellschaft einnehmen. Hierzu zählt auch, für „unbequeme“ Denkmäler etwa aus der Zeit des Nationalsozialismus als Archäologe Verantwortung zu übernehmen, denn auch an diesen Stätten finden Bodeneingriffe oder andere Veränderungen statt, denen man nicht teilnahmslos begegnen kann.

Westwall bei Simmerath (Eifel)

Ein weiteres Arbeitsfeld hält die Zukunft für uns vor, dessen Umfang allerdings erst in Ansätzen sichtbar ist. Der Klimawandel, der sich insbesondere durch Starkregen, Überflutungen, Stürme, Austrocknung der Böden und Erosion auch auf das hiesige archäologische Kulturerbe erheblich auswirkt, muss als ernste Bedrohung begriffen werden. Noch registriert man seitens der Kulturadministration nur die Schadensbilder, doch wird es dabei kein Bewenden haben können. Es gibt also eine Vielzahl von Arbeitsfeldern, wobei hier noch weitere wie die etatmäßige Absicherung der Landesarchäologie als staatliche Kernaufgabe (in vielen Bundesländern mit Verfassungsrang) oder die Europäisierung in vielen Geschäftsbereichen, die zu noch intensiverer Zusammenarbeit und Netzwerkbildung zwingt, nur angemerkt werden sollen.

Neuerdings hat für das Bündel bodendenkmalpflegerischer Theorie und Praxis der internationale Begriff des „Cultural Heritage Management“ auch im deutschsprachigen Raum Einzug gehalten. Er rückt die strategische Ausrichtung und die Vielseitigkeit im Umgang mit dem archäologisch-kulturellen Erbe für die Landesarchäologie in Deutschland und seinen Verband wirkungsvoll in den Mittelpunkt.

 

Ausgewählte Literatur

  • Verband der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), 50 Jahre Verband der Landarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland. Ein Rückblick zum 50-jährigen Jubiläum (Stuttgart 1999).
  • Verband der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), Kolloquium „Zur Geschichte der Archäologischen Denkmalpflege in Deutschland – Aspekte ihrer Entwicklung“. Arch. Nachrichtenbl. 5, 2000, 169-249.
  • Verband der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), Archäologische Denkmalpflege in Deutschland. Standort, Aufgabe, Ziel (Stuttgart 2003).

 

Kontakt:

Prof. Dr. Michael M. Rind
LWL-Archäologie für Westfalen
An den Speichern 7
48157 Münster

Internet:
www.landesarchaeologen.de

Email:
mail@landesarchaeologen.de

WSVA - West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung e.V.

von Alexandra Berend und Alfried Wieczorek

Der West- und Süddeutsche Verband für Altertumsforschung e. V. (WSVA) vertritt bereits seit über 100 Jahren die Interessen der archäologischen Forschung und unterstützt die Veröffentlichung ihrer Ergebnisse im regionalen Bezug. Er stellt damit analog zu seinen Schwesterverbänden – dem Nordwestdeutschen sowie dem Mittel- und Ostdeutschen Verband – eine übergeordnete Organisationsmöglichkeit für eine Vielzahl im Bereich der Archäologie tätiger Institute, Vereine, Museen, Denkmalämter, Universitäten, Bibliotheken und anderer Forschungseinrichtungen mit Schwerpunkt im südwestdeutschen Raum dar. Der Verband ist jedoch grundsätzlich für alle Interessierten, die durch ihre Ausbildung oder ausgeübte Tätigkeit in Verbindung zur Archäologie stehen, auch über diese Region hinaus offen. Dies schlägt sich in einer wachsenden Mitgliederzahl aus den Nachbarstaaten Frankreich, Belgien, Liechtenstein, Luxemburg sowie insbesondere Österreich und der Schweiz nieder.

Ziele und Struktur des Verbandes

Seit 2007 vergibt der Verband zudem persönliche Mitgliedschaften, um auch denjenigen Archäologinnen und Archäologen eine Plattform zu bieten, die keiner Mitgliedsinstitution angehören. Einerseits richtet sich dies an pensionierte Kollegen, die dem Fach weiterhin verbunden bleiben möchten. Andererseits führen Stellen- und Budgetkürzungen dazu, dass viele Absolventen, die keine Anstellung mehr im Fachgebiet finden, und Institutionen aus Sparzwängen heraus ihre kostenpflichtigen Mitgliedschaften in Verbänden beenden müssen. Gerade vor diesem Hintergrund erscheint es wichtig, über den Verband eine Anbindung an die Archäologie zu ermöglichen. Die Nachwuchsförderung mit der Anpassung und Optimierung der Ausbildung angesichts aktueller Entwicklungen z.B. des Bologna-Prozesses ist ebenfalls ein zentrales Anliegen, weshalb der Verband auch Studierende und Doktoranden der archäologischen Fächer zur intensiven Beteiligung einlädt.

Um eine enge Verzahnung der Verbände zu erleichtern, sind alle Mitglieder des WSVA seit Oktober 2011 automatisch persönliche Mitglieder im Deutschen Verband für Archäologie. Basis und Plattform für den Austausch zwischen den Mitgliedern und Gästen bilden die regelmäßig an wechselnden Orten im Verbandsgebiet stattfindenden Tagungen als Dreh- und Angelpunkt der Verbandsaktivität. Neben der Präsentation neuester Forschungsergebnisse zu unterschiedlichen Themen ist es insbesondere die Vernetzung der Teilnehmer, die dauerhaft die Interessen der archäologischen Wissenschaften fördert.

Archäologiekongresses 2008 in Mannheim

Hauptorgan des Verbandes ist die Mitgliederversammlung, die einmal jährlich zusammenkommt. Sie wählt den Vorstand, entscheidet über wichtige Fragen zur generellen Ausrichtung des Verbandes und bestimmt über Satzungsänderungen und die Tagungsorte. Der Vorstand erstattet ihr jährlich Bericht über seine Aktivitäten. Vorsitzende,Stellvertreter und Beiräte werden jeweils auf drei Jahre gewählt und gehören in der Regel unterschiedlichen Mitgliedsinstitutionen an, um eine breite Aufstellung zu gewährleisten. Eine enge Verbindung des Vorstands zu führenden Institutionen und Fachvertretern sichert die Einbettung des Verbandes in das aktuelle Forschungsgeschehen sowie die Handlungsfähigkeit auf bundesweiter Ebene. Die Geschäftsstelle ist stets beim jeweiligen Vorsitzenden angesiedelt.

Der WSVA bietet als Gesamtorgan einen Rückhalt der in ihm verbundenen Institutionen und Personen, um kritische Entwicklungen zu analysieren, zu bewerten und Lösungen zu erarbeiten.

Viele Veränderungen – neue Chancen

Das Berufsfeld des vor- und frühgeschichtlichen, provinzialrömischen und Mittelalter-Archäologen hat in den letzten Jahren einen tiefgreifenden Wandel erfahren. Neben klassischen Berufszweigen in Bodendenkmalpflege, Museen, Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen gibt es Arbeitsplätze in Grabungsfirmen und bei anderen Dienstleistern. Die Finanzierung der Forschung aus öffentlichen Geldern wird zunehmend schwieriger, woraus nicht nur Stellenstreichungen, sondern die Umstrukturierung oder Schließung verschiedener Einrichtungen resultieren können. Im Gegenzug gewinnen private Geldgeber an Bedeutung. Gleichzeitig ist in der Öffentlichkeit das Interesse an der Archäologie als Wissenschaft und ihren Themen in den letzten Jahren beträchtlich gestiegen. Daher geht es bei der Vermittlung archäologischer Sachverhalte nicht mehr nur um wissenschaftliche Diskurse, sondern auch um die Darstellung im Bildungsbereich und die Annäherung an ein fachfremdes Publikum. Aus all diesen Veränderungen ergeben sich neue Chancen, aber auch neue Problematiken und die Pflicht zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Materie.

Der WSVA hat diesbezüglich einen Ehrenkodex für die Vertreter der archäologischen Fächer erarbeitet, der 2007 von der Mitgliederversammlung und 2011 auch von der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte ratifiziert wurde. Die Notwendigkeit verbindlicher Richtlinien wurde deutlich, da der wachsende Erfolgsdruck angesichts der beschriebenen Entwicklungen in der Vergangenheit zu Vorkommnissen geführt hat, die den Belangen des Faches abträglich waren.

Die Unterstützung eben dieser Belange der archäologisch tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist das erklärte Ziel des Verbandes. Die Mitglieder aller vertretenen Institutionen zusammengenommen vereint der WSVA ca. 35.000 Archäologinnen und Archäologen in seinen Mitgliedsinstitutionen hinter sich und hat dadurch umfangreichere Wirkungsmöglichkeiten als der Einzelne, sowohl auf politischer wie wirtschaftlicher Ebene. Zu diesem Zweck hat der Verband 2008 auch eine Kooperationsvereinbarung mit der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, der Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie und Archäometrie sowie dem Dachverband Archäologischer Studierendenvertretungen geschlossen. Die Koordination der Verbandsarbeit der Partner soll die Umsetzung der gemeinsamen Ziele erleichtern, Ressourcen effektiver nutzen und insgesamt dazu beitragen, „der Archäologie den ihr gesellschaftlich angemessenen Stellenwert zu verschaffen“. Der Wunsch, den Einfluss der Archäologie in der öffentlichen wie politischen Wahrnehmung zu stärken, lag auch den Bemühungen des WSVA zugrunde, die Gründung eines übergeordneten deutschen Dachverbandes voranzutreiben, wie sie im Oktober 2011 nach intensiver Vorbereitung vollzogen werden konnte.

Die Anfänge

Die Notwendigkeit, vorhandene Kräfte und Kompetenzen zu bündeln, war es auch, die vor über 100 Jahren Anlass zur Gründung des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung gab. Damals existierte bereits eine lange Tradition der archäologischen Forschung durch interessierte Laien. Das Berufsbild des Archäologen befand sich gerade erst in der Entstehung und so waren es vor allem lokal ansässige Altertumsvereine, die sich intensiv um die Erforschung der Geschichte ihrer Heimat bemühten. Diese seit Beginn des 19. Jahrhunderts zahlreich gegründeten Vereine hatten dabei in vielen Fällen ein hohes Maß an wissenschaftlicher Kompetenz erworben. Sie führten Ausgrabungen durch, nahmen Aufgaben der Denkmalpflege wahr, bauten Museen auf, publizierten Forschungsergebnisse und trieben auf diese Weise die Professionalisierung der Archäologie, speziell der römisch-germanischen Denkmäler, voran. Die Bemühungen waren vor allem lokaler Natur, eine übergeordnete Plattform bestand jedoch bereits im Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine, auf dessen Zusammenkünften sich die Vertreter der einzelnen Vereine austauschen konnten. Von staatlicher Seite sah man jedoch weiteren Handlungsbedarf, um auf überregionaler Ebene die Basis für eine konsequenter betriebene und damit zielgerichtete Forschungsarbeit zu legen. Die lokale Organisationsstruktur barg eben auch Defizite in der Ressourcenverteilung und daraus erwachsende Missstände.

Auf Grundlage einer Idee Theodor Mommsens konsolidierten sich neben der bereits 1892 gegründeten und erfolgreich arbeitenden Reichs-Limeskommission die Planungen zu einem dem Kaiserlichen Archäologischen Institut (mit den bisherigen Zweigstellen in Athen und Rom) angegliederten Institut, das sich der römisch-germanischen Forschung widmen sollte. Hieraus entstand die heutige Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt am Main. Ab 1898 nahm diese Konzeption immer konkretere Formen an. Die Geschichts- und Altertumsvereine, insbesondere jene mit archäologischer Ausrichtung, sahen dadurch den Stellenwert wie auch die Fortführung ihrer Arbeit zunehmend gefährdet. Um der als bedrohlich empfundenen Reichsbehörde etwas entgegenstellen oder zumindest stärkeren Einfluss auf ihre Aufstellung nehmen zu können, stellte die Generalversammlung des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine zwei Forderungen auf: Zum einen sollten Vertreter des Gesamtvereins in angemessener Form an der Organisation der Römisch-Germanischen Kommission beteiligt werden, zum anderen sollten sämtliche durch die Kommission ausgegrabenen Funde weiterhin den örtlichen Museen übergeben und nicht zentral gesammelt werden. Formuliert wurden die Forderungen durch den damaligen zweiten Vorsitzenden des Frankfurter Vereins für Geschichte und Altertumskunde, Gymnasialprofessor Georg Wolff.

Von Seiten des Kaiserlich Archäologischen Instituts zeigte man sich zunächst gegenüber einer Zusammenarbeit mit den Vereinen offen und bemühte sich, die unterstützende Funktion der Kommission zu betonen. Dass die Beteiligung an der Gründung des Reichsinstituts letztendlich nicht in der zugesagten Form erfolgen sollte, zeichnete sich erst einige Zeit später ab.

Verbandstagung des WSVA (vermutlich 1929)

Archäologiekongresses 2008 in Mannheim

Gründung des WSVA

Trotz oder gerade wegen der anfänglichen Zustimmung manifestierte sich für den Gesamtverein jedoch die schwierige Frage, in welcher Form die Auswahl der zu entsendenden Vertreter zu treffen sei. Eine vereinsinterne Problematik spielte dabei eine zusätzliche Rolle. Jene stärker der archäologischen als historischen Forschung verschriebenen Vereine hatten sich bereits seit längerer Zeit im Gesamtverein nicht mehr adäquat vertreten gesehen, so dass sich eine Abgrenzung abzeichnete. Im Kontext der Positionierung gegenüber der staatlichen Kommission gewann diese Strömung neue Bedeutung.

Beide Entwicklungen führten schließlich zur Gründung des West-und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung. Nach Vorbereitungen einer kleinen Gruppe luden in einem Schreiben vom 2. April 1900 schließlich sechs Altertumsvereine, nämlich jene aus Darmstadt, Frankfurt, Mainz, Metz, Wiesbaden und Worms, die bereits das Kerngebiet des Verbandes umrissen, zur Gründung eines neuen Verbandes ein. Vermutlich waren Georg Wolff und Eduard Anthes, Vorsitzender des Darmstädter Altertumsvereins, die federführenden Organisatoren.

Am 19. April 1900 trafen sich daraufhin in Frankfurt Vertreter aus 13 Vereinen (zusätzlich zu den einladenden Vereinen kamen u.a. Delegierte aus Bonn, Mannheim, Stuttgart, Trier) zur Gründungssitzung. Dabei wurde die erste Fassung der Satzung verabschiedet, die das Ziel der neuen Verbindung formulierte:

§ 1. Die unterzeichneten west- und süddeutschen Vereine treten, unbeschadet der Zugehörigkeit zum Gesammtverein der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine zu einem Verband west- und süddeutscher Vereine für römisch-germanische Alterthumsforschung‘ zusammen. Zweck des Verbandes ist die Förderung und Zusammenfassung der römisch-germanischen Alterthumsforschung und der damit verbundenen prähistorischen und fränkisch-allemannischen Forschung.

§ 2. Der Verband wird, ohne die Thätigkeit anderer wissenschaftlicher Organe zu beeinträchtigen, seine Aufgabe theils selbständig, theils im Anschluss an die zu dem gleichen Zweck von Reichs wegen eingesetzte Behörde zu erfüllen suchen.

In den weiteren Paragraphen wurde die Organisation des Verbandes geregelt. Als Organe fungierten der Vorstand, die Hauptversammlung und die Delegiertenversammlung, wobei die beiden letzteren mindestens einmal im Jahr tagen sollten. Die Definition der Hauptversammlung „zur Abhaltung wissenschaftlicher Vorträge, sowie zur Berathung von Verbandsangelegenheiten“ legte den Grundstein für die jährlichen Tagungen des WSVA. Der Vorstand sollte die Geschäfte des Verbandes führen und war verpflichtet, der Hauptversammlung Rechenschaft über das Geschäftsjahr abzulegen. Bis zur ersten Delegiertenversammlung, in der endgültig über die Zusammensetzung des Vorstandes entschieden werden sollte, wurde provisorisch der Vorstand des Frankfurter Geschichtsvereins mit der Aufgabe betraut. Dessen stellvertretender Vorsitzender Georg Wolff war es dann auch, der gemeinsam mit Eduard Anthes in den Folgejahren die Geschicke des Verbandes lenken sollte.

Informationsaustausch und persönliche Begegnung

Die erste Tagung fand - fast genau ein Jahr nach der Gründungssitzung - vom 11.-12. April 1901 in Trier statt. Einen angemessenen Anlass dazu boten die Feierlichkeiten zum 100jährigen Jubiläum eines der Gründungsmitglieder, der Trierer Gesellschaft für nützliche Forschungen. Diese erste Zusammenkunft verzeichnete bereits die Anwesenheit  von 16 Mitgliedern und insgesamt 115 Teilnehmern.

Die Mitgliederzahl sollte anschließend stetig weiter wachsen. Schon bald waren es nicht mehr nur Altertumsvereine, die sich dem Verband anschlossen. Mit der allmählichen Verlagerung der archäologischen Forschung zu einem professionell getragenen Wissenschaftsbetrieb kamen auch immer mehr Forschungseinrichtungen und insbesondere Museen hinzu. Dies führte letztlich zu einer Verschiebung in der Namensgebung. War in der ersten Satzung von 1900 noch von einem „Verband west- und süddeutscher Vereine für römisch-germanische Alterthumsforschung“ die Rede, taucht schon 1908 der Begriff „Südwestdeutscher Verband für Altertumsforschung“ auf, der ebenfalls nach einigen Jahren dem heutigen Namen wich.

Bereits bei dieser ersten Tagung wurde in den Vorträgen, Projektvorschlägen und ausführlichen Berichterstattungen der hohe wissenschaftliche Anspruch des Verbandes demonstriert. Wenngleich diese Bemühungen zum Teil einem gewissen Legitimationsbedürfnis vor dem Hintergrund der vorangegangenen Ereignisse geschuldet sein mögen, erwiesen sie sich doch als zukunftsweisend und prägend für die weitere Ausformung des Verbandes. Die Ausrichtung einer jährlichen Tagung, die den Vertretern des Fachs als Forum für wissenschaftlichen Informationsaustausch und als Möglichkeit der persönlichen Begegnung dienen soll, war und ist bis heute eine der wichtigsten Aufgaben des WSVA. Anfangs fanden die Tagungen häufiger in Anlehnung an die Versammlungen des Gesamtvereins deutscher Geschichts- und Altertumsvereine statt. Dies wandelte sich jedoch zugunsten eigenständiger Veranstaltungen oder gemeinsamer Kongresse mit dem 1904 gegründeten Nordwestdeutschen Verband für Altertumsforschung.

Der WSVA während der beiden Weltkriege und in der Nachkriegszeit

Nachdem der erste Weltkrieg eine Unterbrechung des Turnus erzwungen hatte, war es der auf der ersten Tagung nach dem Krieg gewählte Vorsitzende Herrmann Gropengießer aus Mannheim, der in seiner Amtszeit von 1921-1930 trotz der schwierigen Verhältnisse die vorher gelegten Ansätze festigte und förderte. Er legte großen Wert auf eine sorgfältige Zusammenstellung der Programme nach Themen, wodurch sich die Vorträge in den Sektionen über mehrere Tage ausdehnten. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen allgemeinen Vorträgen, regionalen Themen und neuesten Forschungen verfestigte sich ebenso wie die Tradition eines Exkursionstages.

Während der folgenden Jahre unter der nationalsozialistischen Herrschaft gelang es dem Verband zwar dank seines neuen Vorsitzenden Ferdinand Kutscher, Direktor des Landesmuseums Nassauischer Altertümer in Wiesbaden, sich der allgemeinen Gleichschaltung weitestgehend zu entziehen. Eine kontinuierliche Fortführung der Arbeit war jedoch spätestens ab 1936 nicht mehr möglich.

Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg sollte es auch nach 1945 noch einige Jahre dauern, bis die Verbandstätigkeit wieder aufleben konnte. Die Kriege hatten Grenzen verschoben, neue Machtverhältnisse hervorgebracht und damit auch das Beziehungsgeflecht des Verbandes verändert. Trotz intensiver Bemühungen erreichte Kutscher erst 1949 die Genehmigung zur erneuten Zusammenführung der Mitgliedervereine. Bis zu seinem Rücktritt 1962 gelang es ihm jedoch, die Verbandsaktivitäten auszubauen, wenngleich die belasteten Kontakte ins Ausland erst nach und nach wiederhergestellt werden konnten.

Die Nachfolge Kutschers als Vorsitzender trat 1962 Kurt Böhner, Direktor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz, an. Angesichts des Mauerbaus 1961 galten seine Bemühungen immer wieder auch der Erhaltung des Kontakts zu den Kollegen in der DDR. Während seines Vorsitzes wurden zudem einige Neuerungen eingeführt. So rief er u. a. die Reihe „Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern in Deutschland“ ins Leben, die aus der Tradition der Exkursionen bei den Tagungen hervorging und vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Verbindung mit dem Nordwestdeutschen sowie dem West- und Süddeutschen Verband für Altertumsforschung herausgegeben wurde. Die Bände der Reihe sollten über die Veranstaltung hinaus als Führer zu den Ausflugszielen dienen und sich dabei nicht nur an die Fachvertreter, sondern auch an ortsansässige Heimatforscher und interessierte Laien richten. Die erste Ausgabe von 1963 wie auch alle weiteren Bände hatten derart durchschlagenden Erfolg, dass die Reihe nicht wie ursprünglich geplant mit dem 50. Band abgeschlossen wurde, sondern ab 1983 unter dem Titel „Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland“ fortgeführt wurde. Seit 2009 erscheint die Publikation in gemeinsamer Herausgeberschaft des Nordwestdeutschen, Mittel- und Ostdeutschen sowie West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung in der Reihe „Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland“ des Konrad Theiss Verlages Stuttgart. Die Bände zum jeweiligen Tagungsort werden als kostenfreie Jahresgabe des Verbandes an alle Mitglieder verteilt.

Verbandstagung 2012 in Friedrichshafen

Eine weitere entscheidende Neuerung, die 1970 in Linz beschlossen wurde, war der zunehmenden Spezialisierung des Faches Vor– und Frühgeschichte geschuldet. Um den jeweiligen Fachleuten mehr Raum für die Präsentation ihrer Forschungsergebnisse vor Kollegen mit ähnlichen Schwerpunkten zu geben, ging man zur Einrichtung von Arbeitsgemeinschaften mit spezieller Themenstellung über, die sich vor der Gesamttagung trafen. Dieses Modell wurde in der folgenden Zeit kontinuierlich weiterentwickelt und bildet heute einen integralen Bestandteil der Verbandstagungen.

Als Kurt Böhner 1982 von seinem Amt zurücktrat, folgte ihm Hermann Ament, der Leiter des Instituts für Vor- und Frühgeschichte der Universität Mainz nach. In seiner Amtszeit wurden die intensiven Bemühungen um eine Zusammenarbeit mit den Kollegen in Ostdeutschland dank des Mauerfalls belohnt.

Mit der Gründung des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung 1991 war auch der Weg für eine übergeordnete gesamtdeutsche Organisation der Verbände geebnet, die sich 1992 im „Präsidium der Deutschen Verbände für Altertumsforschung“ zusammenschlossen.

1996 wurde unter der Leitung des ein Jahr zuvor neu gewählten Vorsitzenden Egon Schallmeyer, Landesarchäologe von Hessen und Direktor des Saalburgmuseums, bei der Hauptversammlung in Leipzig eine Satzung verabschiedet, durch die der WSVA in einen eingetragenen Verein umgewandelt wurde. Es galt zudem, die aktuellen Herausforderungen an den Verband als Interessenvertretung der Altertumswissenschaften zu definieren, woraus ein Thesenpapier zur „Allgemeinen Situation der Altertumsforschung“ entstand.

Vorhaben für die Zukunft

Zu seinem 100jährigen Jubiläum im Jahr 2000, das wiederum in Frankfurt stattfand, konnte der Verband auf ein ereignisreiches Jahrhundert zurückblicken. Waren es ursprünglich 13 Gründungsmitglieder, so verzeichnet der WSVA im Jahre 2012 über 160 institutionelle und rund 100 persönliche Mitglieder. Er hat die Entwicklung der Archäologie im 20. Jh. insbesondere durch die Organisation seiner Fachkongresse in Deutschland eng begleitet und entscheidend mitgeprägt. Die intensive Beschäftigung mit wechselnden Herausforderungen politischer wie wirtschaftlicher Natur ebenso wie Veränderungen in der Ausbildung und dem Berufsbild des Archäologen bis hin zur allgemeinen Positionierung der archäologischen Wissenschaften bildeten neben der reinen Forschung die Hauptaufgabe der Verbandsarbeit. Dies soll auch im 21. Jh. fortgeführt werden. Gemeinsam mit den anderen deutschen Verbänden und dem neu gegründeten Dachverband wird außerdem eine Etablierung auf europäischer Ebene angestrebt.

Seit 2002 wird der Vorsitz von Alfried Wieczorek, Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, ausgeübt. Ihm stehen neben der stellvertretenden Vorsitzenden Mathilde Grünewald (Museum der Stadt Worms im Andreasstift) sechs weitere Vorstandsmitglieder zur Seite: als Schatzmeisterin Birgit Heide (Landesmuseum Mainz) , als Schriftführerin Andrea Zeeb-Lanz (Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Archäologie-Speyer) und als Beisitzer Gerhard Ermischer (Archäologisches Spessartprojekt), Ernst Pernicka (Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie, Universität Tübingen), Gunter Schöbel (Pfahlbaumuseum Unteruhldingen) und Timm Weski (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege).

 

Eine ausführliche Darstellung der Geschichte des WSVA erschien anlässlich des 100-jährigen Verbandsjubiläums im Jahr 2000:

Archäologisches Nachrichtenblatt 5, 1 / 2000, hrsg. für das Präsidium der Deutschen Verbände für Altertumsforschung durch W. Menghin in Zusammenarbeit mit B. Hänsel und G. Wetzel, S. 3-123.

H. Ament, 100 Jahre West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung. Seine Gründung und seine frühen Jahre (1900-1914). In: Archäologisches Nachrichtenblatt 5, 1 / 2000, 13-32, 17.

 

West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung e. V.
c/o Reiss-Engelhorn-Museen
D5 Museum Weltkulturen
68159 Mannheim
Telefon: 0621/293-3775    
Fax: 0621/293-3099

Email:
47.wsva@mannheim.de

Internet:
www.wsva.net oder auf Facebook (West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung e.V.)

 

 

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