Nachruf Michel Egloff (1941-2021)

Mit großer Trauer geben wir den Tod von Professor Michel Egloff bekannt, der am 29. Juli 2021, im Alter von 80 Jahren verstorben ist.

Der 1941 als Sohn von Lehrern an der waadtländischen Küste des Genfersees geborene Michel Egloff wurde nach seinem Studium an der Universität Lausanne und der Sorbonne 1969 zum Direktor des Kantonalmuseums für Archäologie in Neuenburg ernannt und übernahm bald darauf die Leitung des Seminars für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Neuenburg. Mit ausserordentlicher Energie sorgte er in seinen zahlreichen Funktionen für eine spektakuläre Entwicklung der archäologischen Forschung im Kanton Neuenburg. Unter geschickter Ausnutzung des Baus der Autobahn A5 leistete er einen bahnbrechenden Beitrag zu einem paradigmatischen Wandel der Disziplin in der Schweiz, der zur Entwicklung der so genannten "präventiven Archäologie" führte.

Michel Egloff war ein Mann von großer Bildung, eine geborene Führungspersönlichkeit mit einer starken Autorität, aber auch mit einem sehr feinen trockenen Humor und einem beeindruckenden Charme, wenn es um die Umsetzung seiner Projekte ging. Er zeichnete sich vor allem durch seine bemerkenswerten strategischen Fähigkeiten bei der wissenschaftlichen Planung und sein diplomatisches Geschick bei der Umsetzung einer innovativen Forschungspolitik aus. Unter seiner klugen Leitung sind zahlreiche archäologische Fundstätten in Neuenburg zu nationalen und internationalen Referenzobjekten geworden – wie z. B. die Fundstätten der Bucht von Auvernier, von Hauterive/Champréveyres, Saint-Blaise/Bains des Dames und Neuchâtel/Monruz oder die Menhir-Reihen von Bevaix und Saint-Aubin.

Michel Egloffs Laufbahn war stets von einer Vision geprägt: einer anspruchsvollen, aber stets zugänglichen Archäologie, in der sich akademische Forschung und praktische Arbeit im Dienste der Denkmalpflege verbinden. Auf Kosten eines unermüdlichen Einsatzes für die Popularisierung der Archäologie sind dies die Werte, die ihn in seinem Lebenswerk leiteten, das 2001 eingeweiht wurde: das Laténium - ein Museum für alle, in dem jeder "Wissen und Träume" entdecken kann, wie er zu sagen pflegte. Im Laufe seiner Karriere hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten: Offizier des französischen Ordens der Akademischen Palmen, Gewinner des Preises des Neuenburger Instituts und Träger der Medaille für archäologische Vermittlung der UISPP - Union internationale des sciences pré- et protohistoriques. Sein größter Erfolg wurde 2003 erzielt, als das Laténium mit dem Museumspreis des Europarats ausgezeichnet wurde.

 

Marc-Antoine Kaeser, Direktor des Laténium und Professor an der Universität Neuenburg

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