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Über uns

DGAMN

Deutsche Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit e.V.

Die Deutsche Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit (DGAMN) wurde 2001 gegründet. In ihr haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammengeschlossen, die in der archäologischen Forschung zum Mittelalter und zur Neuzeit tätig sind. Sie hat gegenwärtig rund 380 Mitglieder, überwiegend in Deutschland, aber auch in allen angrenzenden Ländern.

Die Gesellschaft ist unmittelbar hervorgegangen aus der „Arbeitsgemeinschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit“ bei den Deutschen Verbänden für Altertumsforschung. Als „Arbeitsgemeinschaft für Archäologie des Mittelalters (AG Mittelalter)“ war sie von einem kleinen Kreis von Mittelalterarchäologen 1975 auf der Verbandstagung in Würzburg gegründet worden; 1990 hat sie sich eine vereinsartige Struktur gegeben und die „Archäologie der Neuzeit“ in ihren Namen aufgenommen; die Gründung der DGAMN bedeutete 2001 keinen Bruch, sondern setzte dezidiert die bisherige Arbeit fort und eröffnete neue Möglichkeiten. Ein universitärer Abschluss und ein fachbezogener Arbeitsschwerpunkt waren und sind Voraussetzung für die Mitgliedschaft.

Entstehung und Entwicklung der AG Mittelalter wie der DGAMN können nur im Ganzen der Fachentwicklung verstanden werden. Forschung an Kirchen, Klöstern, Burgen, Wüstungen und Städten sowie an der Sachkultur des Mittelalters war nach dem Zweiten Weltkrieg in ganz verschiedenen Institutionen und unter sehr unterschiedlichen fachlichen Voraussetzungen intensiviert worden. Mittelalterarchäologie war kein universitäres Ausbildungsfach, und auch im Bereich der Bodendenkmalpflege wurde in Deutschland erst 1961 in Baden-Württemberg die erste spezialisierte Planstelle für diesen Arbeitsbereich geschaffen – damals noch in einem Amt für Bau- und Kunstdenkmalpflege. Erst 1981 wurde in Bamberg ein eigener Lehrstuhl und ein eigener Studiengang für Archäologie des Mittelalters eingerichtet.

Die schon in der Wiederaufbauzeit fassbare, hohe Bedeutung einer Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit hat sich nach 1975 im Zuge der Sanierung mittelalterlicher Stadtkerne und erneut nach 1990 mit der Sanierung der mittel- und ostdeutschen Städte und Dörfer eindrücklich gesteigert. In den meisten Bundesländern bilden Ausgrabungen an Objekten des Mittelalters und der frühen Neuzeit den zahlenmäßig und im Fundanfall größten Arbeitsbereich. Die Entwicklung der universitären Ausbildung und auch der Strukturen innerhalb der Bodendenkmalpflege hat damit nicht Schritt gehalten – und dies ist in absehbarer Zeit auch nicht mehr zu erwarten.

Als 1973 die „Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters“ gegründet wurde, zunächst herausgegeben von Walter Janssen und Heiko Steuer und ab 1983 zusammen mit Günther Binding, geschah dies ohne institutionelle Anbindung an einen fachspezifischen Lehrstuhl, an ein spezialisiertes Museum oder an einen Fachverein. Dies ist bis heute so geblieben.

Geprägt von Vielfalt

Der hohe Bedarf an persönlichem Austausch und fachlicher Diskussion gab dann 1975 Anlass zur Gründung der bereits angesprochenen AG Mittelalter – später als in den meisten anderen, europäischen Ländern. Charakteristisch für die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit ist der Umstand, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ganz unterschiedlicher akademischer und beruflicher Bildung in diesem Bereich tätig sind – anders als in den meisten, ältere Epochen bearbeitenden archäologischen Arbeits- und Forschungsfeldern, für die traditionsreiche Ausbildungswege existieren. Eine große Vielfalt der Studienfächer, zu denen vornehmlich die Ur- und Frühgeschichte und die Kunstgeschichte, aber auch die klassische und provinzialrömische Archäologie, die architektonische Bauforschung, die Volkskunde, die mittelalterliche Geschichte und die Kulturgeografie – und erst seit 1981 das Studienfach Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit – gehören, prägt bis heute mit ihren breit ausgerichteten Ausbildungsschwerpunkten, Methodentraditionen und jeweils eigenen Kontakten zu den Nachbarwissenschaften diesen Arbeitsbereich in Theorie und Praxis.

Die Archäologie von Kirchen, Burgen, Pfalzen oder Städten hat in den interpretatorischen Methoden selbstverständlich ihre Basis in anderen Wissenschaften, besonders in der Kunst- und Baugeschichte, der Frühgeschichte, der allgemeinen und Wirtschaftsgeschichte, der Europäischen Ethnologie (mit Volkskunde und Hausforschung). Im Bereich der Sachkultur liegen methodische Anknüpfungspunkte näher, die Fülle und Vielfalt der Objekte verlangt aber auch hier nach ganz eigenständigen Arbeits- und Forschungsansätzen. Sogar die feinstratigraphische Grabungstechnik, die den hochkomplexen Befunden in Kirchen und Städten einzig angemessen ist, erscheint vielen Vertretern der Ur- und Frühgeschichte in Deutschland fremd.

Mittelalter- und Neuzeitarchäologie war bis vor wenigen Jahren weder in den Altertumsverbänden, noch an den Universitäten, im Verband der Landesarchäologen oder in irgend einer anderen Vereinigung entsprechend der faktischen Bedeutung des Fachs und der Zahl ihrer Fachvertreter angemessen repräsentiert (und mehr als „geduldet“). Die AG Mittelalter hat deshalb seit 1990 eine vereinsartige Struktur geschaffen, um handlungsfähiger zu sein, und 2001 den Schritt zur Vereinsgründung der DGAMN vollzogen, ohne die Anbindung an die Verbände für Altertumsforschung aufzugeben. Die Einbindung in das Präsidium der Altertumsverbände und die Gründungsmitgliedschaft (inklusive aller Einzelmitglieder) im Deutschen Verband für Archäologie (DVA) 2011 zeigen, dass die isolierte Stellung der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit überwunden ist. Dennoch bleibt die kritische Begleitung der Entwicklungen in den Bodendenkmalpflege-Ämtern, an den Museen und an den Universitäten, die viele archäologische Interessensbereiche, aber gerade auch die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit bedrohen, eine wichtige Aufgabe der DGAMN.

Ziele der DGAMN

Zentrale Zielsetzung der DGAMN ist der fachliche Austausch zwischen den im Fach tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und der Kontakt mit den Nachbarwissenschaften. Bereits die AG Mittelalter brachte seit 1975 eine Vielzahl von Mittelalterarchäologen, die sich dem Fach der Ur- und Frühgeschichte zuvor nicht zugehörig fühlen und die vielfach dieses Gebiet nicht einmal im Nebenfach studiert haben, erstmalig in Kontakt mit den Verbandstagungen. Die Vortragsprogramme galten bewusst nicht nur der Präsentation neuer Befunde, sondern auch der gemeinsamen Erarbeitung und Diskussion von Problemfeldern.

Die 1975 noch höchst unbefriedigende Forschungslage in fast allen Bereichen des Fachs war in den ersten Sitzungen Anlass, Keramik-, Glas- und Holzfunde etc. zum Thema zu wählen, weiterhin ungewöhnliche und schwierige Befundgattungen wie Heizungen, technische Öfen, den Holzbau oder Einrichtungen der Infrastruktur. Die 2001 gegründete Gesellschaft steht ganz in dieser Tradition. Alle Tagungen versuchen, das jeweilige Thema groß zu fassen sowie in regionaler und chronologischer Breite abzubilden. Die Geschichte der Mittelalterarchäologie, die Kooperation mit Nachbarwissenschaften und die Ausweitung in neue Arbeitsgebiete – Neuzeit und Neueste Zeit – spiegeln sich in diesen Tagungsthemen. Regelmäßig sind auch Vorträge aus den Nachbarländern im Programm vertreten.

Die Breite der behandelten Fragestellungen wird nicht zuletzt darin deutlich, dass 2011 mit „Holzbau“ zum ersten Mal nach 16 Jahren eine Befundkategorie erneut Tagungsthema geworden war – hier vor allem bedingt durch den enormen Zuwachs an exzellent erhaltenen Feuchtbodenbefunden. Sondertagungen zu „Theorien und Methoden“, zum „Archäologischen Stadtkataster“ oder zu gemeinsamen Fragestellungen der Archäologie und der Hausforschung („Bau und Boden“) erweitern die sonst jeweils mit einer Verbandstagung bzw. dem Archäologie-Kongress verbundenen Treffen.

Die Tagungen werden seit 1990 in einem jährlich erscheinenden Mitteilungsblatt dokumentiert, das seit der Vereinsgründung 2001 die Vorträge in ganzem Umfang publizieren kann und außerdem Tagungsberichte und Rezensionen aufnimmt. Dadurch hat es sich zur zweiten deutschen Fachzeitschrift der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit entwickelt. Die Zeitschrift steht zeitgleich zu ihrem Erscheinen auch als vollständige und kostenfreie Internetversion zur Verfügung.

Vorsitzender: Dr. Manfred Schneider, Lübeck

Publikationsorgan: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie den Mittelalters und der Neuzeit, zuletzt Bd. 24, 2012

von  Matthias Untermann

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