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Über uns

WSVA

West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung e.V.

Der West- und Süddeutsche Verband für Altertumsforschung e. V. (WSVA) vertritt bereits seit über 100 Jahren die Interessen der archäologischen Forschung und unterstützt die Veröffentlichung ihrer Ergebnisse im regionalen Bezug. Er stellt damit analog zu seinen Schwesterverbänden – dem Nordwestdeutschen sowie dem Mittel- und Ostdeutschen Verband – eine übergeordnete Organisationsmöglichkeit für eine Vielzahl im Bereich der Archäologie tätiger Institute, Vereine, Museen, Denkmalämter, Universitäten, Bibliotheken und anderer Forschungseinrichtungen mit Schwerpunkt im südwestdeutschen Raum dar. Der Verband ist jedoch grundsätzlich für alle Interessierten, die durch ihre Ausbildung oder ausgeübte Tätigkeit in Verbindung zur Archäologie stehen, auch über diese Region hinaus offen. Dies schlägt sich in einer wachsenden Mitgliederzahl aus den Nachbarstaaten Frankreich, Belgien, Liechtenstein, Luxemburg sowie insbesondere Österreich und der Schweiz nieder.

Ziele und Struktur des Verbandes

Seit 2007 vergibt der Verband zudem persönliche Mitgliedschaften, um auch denjenigen Archäologinnen und Archäologen eine Plattform zu bieten, die keiner Mitgliedsinstitution angehören. Einerseits richtet sich dies an pensionierte Kollegen, die dem Fach weiterhin verbunden bleiben möchten. Andererseits führen Stellen- und Budgetkürzungen dazu, dass viele Absolventen keine Anstellung mehr im Fachgebiet finden, so aber noch aktuell im Fach vernetzt sein können. Und auch Institutionen müssen aus Sparzwängen heraus ihre kostenpflichtigen Mitgliedschaften in Verbänden beenden. Gerade vor diesem Hintergrund erscheint es wichtig, über den Verband eine persönliche Anbindung an die Archäologie zu ermöglichen. Die Nachwuchsförderung mit der Anpassung und Optimierung der Ausbildung angesichts aktueller Entwicklungen, z.B. des Bologna-Prozesses, ist ebenfalls ein zentrales Anliegen, weshalb der Verband auch Studierende und Doktoranden der archäologischen Fächer zur intensiven Beteiligung einlädt.

Um eine enge Verzahnung der Verbände zu erleichtern, sind alle Mitglieder des WSVA seit Oktober 2011 automatisch persönliche Mitglieder im Deutschen Verband für Archäologie. Basis und Plattform für den Austausch zwischen den Mitgliedern und Gästen bilden die regelmäßig an wechselnden Orten im Verbandsgebiet stattfindenden Tagungen als Dreh- und Angelpunkt der Verbandsaktivität. Neben der Präsentation neuester Forschungsergebnisse zu unterschiedlichen Themen ist es insbesondere die Vernetzung der Teilnehmer, die dauerhaft die Interessen der archäologischen Wissenschaften fördert.

Hauptorgan des Verbandes ist die Mitgliederversammlung, die einmal jährlich zusammenkommt. Sie wählt den Vorstand, entscheidet über wichtige Fragen zur generellen Ausrichtung des Verbandes und bestimmt über Satzungsänderungen und die Tagungsorte. Der Vorstand erstattet ihr jährlich Bericht über seine Aktivitäten. Vorsitzende, Stellvertreter und Beiräte werden jeweils auf drei Jahre gewählt und gehören in der Regel unterschiedlichen Mitgliedsinstitutionen an, um eine breite Aufstellung zu gewährleisten. 

Eine enge Verbindung des Vorstands zu führenden Institutionen und Fachvertretern sichert die Einbettung des Verbandes in das aktuelle Forschungsgeschehen sowie die Handlungsfähigkeit auf bundesweiter Ebene. Die Geschäftsstelle ist stets beim jeweiligen Vorsitzenden angesiedelt.

Der WSVA bietet als Gesamtorgan einen Rückhalt der in ihm verbundenen Institutionen und Personen, um kritische Entwicklungen zu analysieren, zu bewerten und Lösungen zu erarbeiten.

Viele Veränderungen – neue Chancen

Das Berufsfeld des vor- und frühgeschichtlichen, provinzialrömischen und Mittelalter-Archäologen hat in den letzten Jahren einen tiefgreifenden Wandel erfahren. Neben klassischen Berufszweigen in Bodendenkmalpflege, Museen, Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen gibt es Arbeitsplätze in Grabungsfirmen und bei anderen Dienstleistern. Die Finanzierung der Forschung aus öffentlichen Geldern wird zunehmend schwieriger, woraus nicht nur Stellenstreichungen, sondern die Umstrukturierung oder Schließung verschiedener Einrichtungen resultieren können. Im Gegenzug gewinnen private Geldgeber an Bedeutung. Gleichzeitig ist in der Öffentlichkeit das Interesse an der Archäologie als Wissenschaft und ihren Themen in den letzten Jahren beträchtlich gestiegen. Daher geht es bei der Vermittlung archäologischer Sachverhalte nicht mehr nur um wissenschaftliche Diskurse, sondern auch um die Darstellung im Bildungsbereich und die Annäherung an ein fachfremdes Publikum. Aus all diesen Veränderungen ergeben sich neue Chancen, aber auch neue Problematiken und die Pflicht zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Materie.

Der WSVA hat diesbezüglich einen Ehrenkodex für die Vertreter der archäologischen Fächer erarbeitet, der 2007 von der Mitgliederversammlung und 2011 auch von der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte ratifiziert wurde. Die Notwendigkeit verbindlicher Richtlinien wurde deutlich, da der wachsende Erfolgsdruck angesichts der beschriebenen Entwicklungen in der Vergangenheit zu Vorkommnissen geführt hat, die den Belangen des Faches abträglich waren.

Die Unterstützung eben dieser Belange der archäologisch tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist ein erklärtes Ziel des Verbandes. Die Mitglieder aller vertretenen Institutionen zusammengenommen vereint der WSVA ca. 35.000 Archäologinnen und Archäologen in seinen Mitgliedsinstitutionen hinter sich und hat dadurch umfangreichere Wirkungsmöglichkeiten als der Einzelne, sowohl auf politischer wie auf wirtschaftlicher Ebene. Zu diesem Zweck hat der Verband 2008 auch eine Kooperationsvereinbarung mit der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, der Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie und Archäometrie sowie dem Dachverband Archäologischer Studierendenvertretungen geschlossen. Die Koordination der Verbandsarbeit der Partner soll die Umsetzung der gemeinsamen Ziele erleichtern, Ressourcen effektiver nutzen und insgesamt dazu beitragen, der Archäologie den ihr angemessenen gesellschaftlichen Stellenwert zu verschaffen. Der Wunsch, den Einfluss der Archäologie in der öffentlichen wie politischen Wahrnehmung zu stärken, lag auch den Bemühungen des WSVA zugrunde, die Gründung eines übergeordneten deutschen Dachverbandes voranzutreiben, wie sie im Oktober 2011 nach intensiver Vorbereitung vollzogen werden konnte.

Die Anfänge des WSVA

Die Notwendigkeit, vorhandene Kräfte und Kompetenzen zu bündeln, bildete vor über 100 Jahren den Anlass zur Gründung des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung. Damals existierte bereits eine lange Tradition der archäologischen Forschung durch interessierte Laien. Das Berufsbild des Archäologen befand sich gerade erst in der Entstehung und so waren es vor allem lokal ansässige Altertumsvereine, die sich intensiv um die Erforschung der Geschichte ihrer Heimat bemühten. Diese seit Beginn des 19. Jahrhunderts zahlreich gegründeten Vereine hatten dabei in vielen Fällen ein hohes Maß an wissenschaftlicher Kompetenz erworben. Sie führten Ausgrabungen durch, nahmen Aufgaben der Denkmalpflege wahr, bauten Museen auf, publizierten Forschungsergebnisse und trieben auf diese Weise die Professionalisierung der Archäologie, speziell im Bereich der römisch-germanischen Denkmäler, voran. Die Bemühungen waren vor allem lokaler Natur, eine übergeordnete Plattform bestand jedoch bereits im Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine, auf dessen Zusammenkünften sich die Vertreter der einzelnen Vereine austauschen konnten. Von staatlicher Seite sah man jedoch weiteren Handlungsbedarf, um auf überregionaler Ebene die Basis für eine konsequenter betriebene und damit zielgerichtete Forschungsarbeit zu legen. Die lokale Organisationsstruktur barg eben auch Defizite in der Ressourcenverteilung und daraus erwachsende Missstände.

Auf Grundlage einer Idee Theodor Mommsens konsolidierten sich neben der bereits 1892 gegründeten und erfolgreich arbeitenden „Reichs-Limeskommission“ die Planungen zu einem dem „Kaiserlichen Archäologischen Institut“ (mit den bisherigen Zweigstellen in Athen und Rom) angegliederten Institut, das sich der römisch-germanischen Forschung widmen sollte. Hieraus entstand die heutige „Römisch-Germanische Kommission“ des Deutschen Archäologischen Instituts mit Sitz in Frankfurt am Main. Ab 1898 nahm diese Konzeption immer konkretere Formen an. Allerdings sahen die Geschichts- und Altertumsvereine, insbesondere jene mit archäologischer Ausrichtung, dadurch den Stellenwert wie auch die Fortführung ihrer Arbeit zunehmend gefährdet.

Um der als bedrohlich empfundenen Reichsbehörde etwas entgegenstellen oder zumindest stärkeren Einfluss auf ihre Aufstellung nehmen zu können, stellte die Generalversammlung des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine zwei Forderungen auf: Zum einen sollten Vertreter des Gesamtvereins in angemessener Form an der Organisation der Römisch-Germanischen Kommission beteiligt werden, zum anderen sollten sämtliche durch die Kommission ausgegrabenen Funde weiterhin den örtlichen Museen übergeben und nicht zentral gesammelt werden. Formuliert wurden die Forderungen durch den damaligen zweiten Vorsitzenden des Frankfurter Vereins für Geschichte und Altertumskunde, Gymnasialprofessor Georg Wolff.

Von Seiten des Kaiserlich Archäologischen Instituts zeigte man sich zunächst gegenüber einer Zusammenarbeit mit den Vereinen offen und bemühte sich, die unterstützende Funktion der Kommission zu betonen. Dass die Beteiligung an der Gründung des Reichsinstituts letztendlich nicht in der zugesagten Form erfolgen sollte, zeichnete sich erst einige Zeit später ab.

Gründung des WSVA

Trotz oder gerade wegen der anfänglichen Zustimmung manifestierte sich für den Gesamtverein jedoch die schwierige Frage, in welcher Form die Auswahl der zu entsendenden Vertreter zu treffen sei. Eine vereinsinterne Problematik spielte dabei eine zusätzliche Rolle. Jene stärker der archäologischen als historischen Forschung verschriebenen Vereine hatten sich bereits seit längerer Zeit im Gesamtverein nicht mehr adäquat vertreten gesehen, sodass sich eine Abgrenzung abzeichnete. Im Kontext der Positionierung gegenüber der staatlichen Kommission gewann diese Strömung neue Bedeutung.

Beide Entwicklungen führten schließlich zur Gründung des West-und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung. Nach Vorbereitungen einer kleinen Gruppe luden in einem Schreiben vom 2. April 1900 schließlich sechs Altertumsvereine, nämlich jene aus Darmstadt, Frankfurt, Mainz, Metz, Wiesbaden und Worms, die bereits das Kerngebiet des Verbandes umrissen, zur Gründung eines neuen Verbandes ein. Vermutlich waren Georg Wolff und Eduard Anthes, Vorsitzender des Darmstädter Altertumsvereins, die federführenden Organisatoren.

Am 19. April 1900 trafen sich daraufhin in Frankfurt Vertreter aus 13 Vereinen (zusätzlich zu den einladenden Vereinen kamen u.a. Delegierte aus Bonn, Mannheim, Stuttgart und Trier) zur Gründungssitzung. Dabei wurde die erste Fassung der Satzung verabschiedet, die das Ziel der neuen Verbindung formulierte:

„§ 1. Die unterzeichneten west- und süddeutschen Vereine treten, unbeschadet der Zugehörigkeit zum Gesammtverein der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine zu einem Verband west- und süddeutscher Vereine für römisch-germanische Alterthumsforschung‘ zusammen. Zweck des Verbandes ist die Förderung und Zusammenfassung der römisch-germanischen Alterthumsforschung und der damit verbundenen prähistorischen und fränkisch-allemannischen Forschung.

§ 2. Der Verband wird, ohne die Thätigkeit anderer wissenschaftlicher Organe zu beeinträchtigen, seine Aufgabe theils selbständig, theils im Anschluss an die zu dem gleichen Zweck von Reichs wegen eingesetzte Behörde zu erfüllen suchen.

In den weiteren Paragraphen wurde die Organisation des Verbandes geregelt. Als Organe fungierten der Vorstand, die Hauptversammlung und die Delegiertenversammlung, wobei die beiden letzteren mindestens einmal im Jahr tagen sollten. Die Definition der Hauptversammlung „zur Abhaltung wissenschaftlicher Vorträge, sowie zur Berathung von Verbandsangelegenheiten“ legte den Grundstein für die jährlichen Tagungen des WSVA. Der Vorstand sollte die Geschäfte des Verbandes führen und war verpflichtet, der Hauptversammlung Rechenschaft über das Geschäftsjahr abzulegen. Bis zur ersten Delegiertenversammlung, in der endgültig über die Zusammensetzung des Vorstandes entschieden werden sollte, wurde provisorisch der Vorstand des Frankfurter Geschichtsvereins mit der Aufgabe betraut. Dessen stellvertretender Vorsitzender Georg Wolff war es dann auch, der gemeinsam mit Eduard Anthes in den Folgejahren die Geschicke des Verbandes lenken sollte.

Informationsaustausch und persönliche Begegnung

Die erste Tagung fand – fast genau ein Jahr nach der Gründungssitzung – am 11. und 12. April 1901 in Trier statt. Einen angemessenen Anlass dazu boten die Feierlichkeiten zum 100jährigen Jubiläum eines der Gründungsmitglieder, der Trierer Gesellschaft für nützliche Forschungen. Diese erste Zusammenkunft verzeichnete bereits die Anwesenheit von 16 Mitgliedern und insgesamt 115 Teilnehmern.

Die Mitgliederzahl sollte anschließend stetig weiter wachsen. Schon bald waren es nicht mehr nur Altertumsvereine, die sich dem Verband anschlossen. Mit der allmählichen Verlagerung der archäologischen Forschung zu einem professionell getragenen Wissenschaftsbetrieb kamen auch immer mehr Forschungseinrichtungen und insbesondere Museen hinzu. Dies führte letztlich zu einer Verschiebung in der Namensgebung. War in der ersten Satzung von 1900 noch von einem „Verband west- und süddeutscher Vereine für römisch-germanische Alterthumsforschung“ die Rede, taucht schon 1908 der Begriff „Südwestdeutscher Verband für Altertumsforschung“ auf, der ebenfalls nach einigen Jahren dem heutigen Namen wich.

Bereits bei dieser ersten Tagung wurde in den Vorträgen, Projektvorschlägen und ausführlichen Berichterstattungen der hohe wissenschaftliche Anspruch des Verbandes demonstriert. Wenngleich diese Bemühungen zum Teil einem gewissen Legitimationsbedürfnis vor dem Hintergrund der vorangegangenen Ereignisse geschuldet sein mögen, erwiesen sie sich doch als zukunftsweisend und prägend für die weitere Ausformung des Verbandes. Die Ausrichtung einer jährlichen Tagung, die den Vertretern des Fachs als Forum für wissenschaftlichen Informationsaustausch und als Möglichkeit der persönlichen Begegnung dienen soll, war dabei eine der wichtigsten Aufgaben des WSVA; heute werden diese Tagungen meist gemeinsam mit dem Mittel- und Ostdeutschen Verband für Altertumsforschung (MOVA) durchgeführt, wobei jeweils einer der Verbände im Wechsel die Organisation übernimmt. Anfangs fanden die Tagungen häufiger in Anlehnung an die Versammlungen des Gesamtvereins deutscher Geschichts- und Altertumsvereine statt. Dies änderte sich jedoch zugunsten eigenständiger Veranstaltungen oder gemeinsamer Kongresse mit dem 1904 gegründeten Nordwestdeutschen Verband für Altertumsforschung (NWVA).

Der WSVA während der beiden Weltkriege und in der Nachkriegszeit

Nachdem der erste Weltkrieg eine Unterbrechung des Turnus erzwungen hatte, war es der auf der ersten Tagung nach dem Krieg gewählte Vorsitzende Herrmann Gropengießer aus Mannheim, der in seiner Amtszeit von 1921-1930 trotz der schwierigen Verhältnisse die vorher gelegten Ansätze festigte und förderte. Er legte großen Wert auf eine sorgfältige Zusammenstellung der Programme nach Themen, wodurch sich die Vorträge in den Sektionen über mehrere Tage ausdehnten. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen allgemeinen Vorträgen, regionalen Themen und neuesten Forschungen verfestigte sich ebenso wie die Tradition eines Exkursionstages.

Während der folgenden Jahre unter der nationalsozialistischen Herrschaft gelang es dem Verband zwar dank seines neuen Vorsitzenden Ferdinand Kutscher, Direktor des Landesmuseums Nassauischer Altertümer in Wiesbaden, sich der allgemeinen Gleichschaltung weitestgehend zu entziehen. Eine kontinuierliche Fortführung der Arbeit war jedoch spätestens ab 1936 nicht mehr möglich.

Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg sollte es auch nach 1945 noch einige Jahre dauern, bis die Verbandstätigkeit wieder aufleben konnte. Die Kriege hatten Grenzen verschoben, neue Machtverhältnisse hervorgebracht und damit auch das Beziehungsgeflecht des Verbandes verändert. Trotz intensiver Bemühungen erreichte Kutscher erst 1949 die Genehmigung zur erneuten Zusammenführung der Mitgliedervereine. Bis zu seinem Rücktritt 1962 gelang es ihm jedoch, die Verbandsaktivitäten auszubauen, wenngleich die belasteten Kontakte ins Ausland erst nach und nach wiederhergestellt werden konnten.

Die Nachfolge Kutschers als Vorsitzender trat 1962 Kurt Böhner, Direktor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz, an. Angesichts des Mauerbaus 1961 galten seine Bemühungen immer wieder auch der Erhaltung des Kontakts zu den Kollegen in der DDR. Während seines Vorsitzes wurden zudem einige Neuerungen eingeführt. So rief er u. a. die Reihe „Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern in Deutschland“ ins Leben, die aus der Tradition der Exkursionen bei den Tagungen hervorging und vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Verbindung mit dem Nordwestdeutschen sowie dem West- und Süddeutschen Verband für Altertumsforschung herausgegeben wurde. Die Bände der Reihe sollten über die Veranstaltung hinaus als Führer zu den Ausflugszielen dienen und sich dabei nicht nur an die Fachvertreter, sondern auch an ortsansässige Heimatforscher und interessierte Laien richten.

Die erste Ausgabe von 1963 wie auch alle weiteren Bände hatten derart durchschlagenden Erfolg, dass die Reihe nicht wie ursprünglich geplant mit dem 50. Band abgeschlossen wurde, sondern ab 1983 unter dem Titel „Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland“ fortgeführt wurde. Ab 2009 erschien die Publikation in gemeinsamer Herausgeberschaft des Nordwestdeutschen, Mittel- und Ostdeutschen sowie West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung in der Reihe „Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland“ des Konrad Theiss Verlages Stuttgart. Die Bände zum jeweiligen Tagungsort wurden als kostenfreie Jahresgabe des Verbandes an alle Mitglieder verteilt. Seit der Gründung des Deutschen Verbandes für Archäologie im Jahr 2011 wurde erst dessen Zeitschrift „Archäologisches Nachrichtenblatt“ und nach dessen Einstellen der „Blickpunkt“ die neue Jahresgabe für Mitglieder; die Reihe „Ausflüge...“ wurde bereits 2011 eingestellt.

Eine weitere entscheidende Neuerung, die 1970 in Linz beschlossen wurde, war der zunehmenden Spezialisierung des Faches Vor– und Frühgeschichte geschuldet. Um den jeweiligen Fachleuten mehr Raum für die Präsentation ihrer Forschungsergebnisse vor Kollegen mit ähnlichen Schwerpunkten zu geben, ging man zur Einrichtung von Arbeitsgemeinschaften mit spezieller Themenstellung über, die sich vor der Gesamttagung trafen. Dieses Modell wurde in der folgenden Zeit kontinuierlich weiterentwickelt, und fast 20 Arbeitsgemeinschaften gründeten sich im Laufe der Jahre, sodass heute die Sitzungen der Arbeitsgemeinschaften den Hauptbestandteil der Verbandstagungen ausmachen.

Als Kurt Böhner 1982 von seinem Amt zurücktrat, folgte ihm Hermann Ament, der Leiter des Instituts für Vor- und Frühgeschichte der Universität Mainz, nach. In seiner Amtszeit wurden die intensiven Bemühungen um eine Zusammenarbeit mit den Kollegen in Ostdeutschland dank des Mauerfalls belohnt.

Mit der Gründung des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung 1991 war auch der Weg für eine übergeordnete gesamtdeutsche Organisation der Verbände geebnet, die sich 1992 im „Präsidium der Deutschen Verbände für Altertumsforschung“ zusammenschlossen.

1996 wurde unter der Leitung des ein Jahr zuvor neu gewählten Vorsitzenden Egon Schallmeyer, Landesarchäologe von Hessen und Direktor des Saalburgmuseums, bei der Hauptversammlung in Leipzig eine Satzung verabschiedet, durch die der WSVA in einen eingetragenen Verein umgewandelt wurde. Es galt zudem, die aktuellen Herausforderungen an den Verband als Interessenvertretung der Altertumswissenschaften zu definieren, woraus ein Thesenpapier zur „Allgemeinen Situation der Altertumsforschung“ entstand.

Vorhaben für die Zukunft

Zu seinem 100jährigen Jubiläum im Jahr 2000, das wiederum in Frankfurt stattfand, konnte der Verband auf ein ereignisreiches Jahrhundert zurückblicken. Waren es ursprünglich 13 Gründungsmitglieder, so verzeichnet der WSVA im Jahre 2020 insgesamt 224 Mitglieder, davon 144 Institutionen und 80 persönliche Mitglieder; 22 institutionelle Mitglieder sind aus Belgien, Frankreich, Österreich und der Schweiz, bei den persönlichen Mitgliedern kommen noch Personen aus Großbritannien hinzu.

Der Verband hat die Entwicklung der Archäologie im 20. Jahrhundert insbesondere durch die Organisation seiner Fachkongresse in Deutschland eng begleitet und entscheidend mitgeprägt. Die intensive Beschäftigung mit wechselnden Herausforderungen politischer wie wirtschaftlicher Natur, ebenso wie Veränderungen in der Ausbildung und dem Berufsbild des Archäologen bis hin zur allgemeinen Positionierung der archäologischen Wissenschaften, bildeten neben der reinen Forschung die Hauptaufgabe der Verbandsarbeit. Dies wird auch im 21. Jahrhundert bereits seit nunmehr 20 Jahren konsequent fortgeführt. Gemeinsam mit den anderen deutschen Verbänden und dem Deutschen Verband für Archäologie als Dach wird außerdem eine Etablierung auf europäischer Ebene angestrebt.

Seit Juli 2017 wird der Vorsitz von Claus Wolf, Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart und Direktor des Baden-Württembergischen Landesmuseums Konstanz, ausgeübt. Ihm stehen neben dem stellvertretenden Vorsitzenden Gunter Schöbel (Direktor des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen) sechs weitere Vorstandsmitglieder zur Seite: als Schatzmeisterin Manuela Fischer (Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart) , als Schriftführer Wilfried Rosendahl (Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim) und als Beisitzer Andrea Zeeb-Lanz (Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie), Martin Nadler (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Referat B III, Dst. Nürnberg), Birgit Heide (Landesmuseum Mainz, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz) und Michael Schmauder (LVR-Landesmuseum Bonn).

Eine ausführliche Darstellung der Geschichte des WSVA erschien anlässlich des 100-jährigen Verbandsjubiläums im Jahr 2000:

Archäologisches Nachrichtenblatt 5, 1 / 2000, hrsg. für das Präsidium der Deutschen Verbände für Altertumsforschung durch W. Menghin in Zusammenarbeit mit B. Hänsel und G. Wetzel, S. 3-123.

H. Ament, 100 Jahre West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung. Seine Gründung und seine frühen Jahre (1900-1914). In: Archäologisches Nachrichtenblatt 5, 1 / 2000, 13-32, 17.

 

West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung e.V.
c/o Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart
Berliner Straße 12
73728 Esslingen am Neckar
Telefon: +49 711 90445222
info@​wsva.net

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